Sonntag, 1. März 2020

Hong Kong und Helicopter Money – oder nicht?


Die Regierung in Hong Kong hat am Mittwoch den Einwohnern der chinesischen Sonderverwaltungszone eine einmalige Geldausgabe versprochen, um die Nachfrage zu stützen und das Wachstum der von den politischen Unruhen und dem Coronavirus heimgesuchten Wirtschaft anzukurbeln.

Es handelt sich dabei um eine Zahlung von HK$10‘000 ($1‘284) an jeden ständigen Einwohner der Stadt ab 18 Jahren.

Das ist aber nicht die erste Bargeld-Ausgabe („handout“) in Hong Kong. Die Regierung hatte 2011 HK$6‘000 an alle ständigen Einwohner der Metropole verteilt. 

2018 wurde von der Regierung ein „Caring and Sharing“ Programm eingeführt, um bestimmten Einwohnern mit niedrigem Einkommen bis zu HK$4‘000 zukommen zu lassen.

Die naheliegende Frage vor diesem Hintergrund ist, ob Hong Kong damit „Helikoptergeld“ (Helicopter Money) schenkt? 

Wichtig ist, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Hongkonger Regierung sich dabei an den zuvor aufgebauten Finanzreserven bedient.

Allem Anschein nach sieht Hong Kongs Plan kein zusätzliches Wachstum des Angebots an Hong Kong Dollar vor. M.a.W. plant Hong Kong nicht, auf „Hubschraubergeld“ zurückzugreifen.


Hong Kong's Haushalt, Graph: Bloomberg, Februar 26, 2020


Was wichtig ist, zu verstehen, dass „fiscal handouts“ nicht dasselbe sind wie „helicopter money“, schreibt George Selgin in einem lesenswerten Beitrag dazu. 

„Hubschraubergeld“ ist nicht ein anderer Name für „handouts“ der Regierung, unabhängig davon, wie sie verteilt werden, mit oder ohne Hubschrauber.

„Helicopter Money“ bezieht sich auf Geldausgaben, die eher durch die Schaffung neuer Gelder als durch die Steuern oder durch Anleihen finanzierte Defizite entrichtet werden.

Selgin verweist hierbei auf die Definition von Ben Bernanke, dem ehemaligen Fed-Präsidenten: ein „Hubschrauberabwurf“ (helicopter drop) von Geld ist eine expansive Fiskalpolitik, eine Erhöhung der öffentlichen Ausgaben und/oder eine Steuersenkung, finanziert durch eine dauerhafte Erhöhung des Geldbestandes (money stock).

Die Frage ist also, ob Hong Kong vorhat, die neueste Geld-Zuteilung („handout“) durch Geld-Druck zu finanzieren? Nein, es ist auch nicht geplant, sie durch mehr Kredit-Aufnahme zu finanzieren.

Stattdessen finanziert die Regierung die Geldausgabe auf die gleiche Weise, wie sie die früheren Geld-Zuteilungen vergütet hat: mit Steuereinnahmen.

Das heisst, dass die Hong Kong Regierung auf ihre beträchtliche „fiscal reserve“ (HK$1.1 Billionen) zurückgreift.

Die Regierung von Hong Kong hat Glück, routinemässig Steuereinnahmen zu erzielen, die über ihren Ausgaben liegen. Die Differenz (der jährliche Haushaltsüberschuss) finanziert die „Haushaltsreserve“ (fiscal reserve), die im Wesentlichen für Notzeiten vorgesehen ist, beschreibt Selgin.

Diese Reserve an stillgelegten Steuereinnahmen ermöglicht es der Regierung von Hong Kong, gelegentlich ein Defizit zu verbuchen, ohne mehr Kredite aufnehmen oder Geld drucken zu müssen.

Mit der für dieses Jahr geplanten Geldausgabe („handout“) wird ein Defizit von 139 Mrd. USD oder weniger als 13% der Reserven erwartet. Das heisst, dass die Regierung eigentlich zehnmal so viel Geld verschenken und es trotzdem vermeiden könnte, Kredit aufzunehmen oder Geld zu drucken.




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