Sonntag, 2. Januar 2011

Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit

Paul Krugman zeigt in seinem Blog die Beziehung zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Arbeitslosigkeit auf, indem er gestützt auf das Okuns Gesetz (Okun’s Law) eine interessante Abbildung liefert. Die horizontale Achse bildet die jährlichen Wachstumsraten des realen BIP ab, während die vertikale Achse die jährliche Veränderung der Arbeitslosenquote repräsentiert. Zwei Dinge sind klar: (1) Die Wirtschaft muss jährlich um rund 2 ½ % wachsen, um den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. (2) Wirtschaftswachstum oberhalb dieses Wertes führt zu einem weniger als eins-zu-eins Rückgang der Arbeitslosigkeit. Weil die Arbeitsstunden pro Mitarbeiter steigen, steigt die Anzahl der Arbeitskräfte. Es dauert etwa zwei Jahre zusätzliches Wachstum, um die Arbeitslosenquote um einen Prozentpunkt zu senken.


Okuns Gesetz: Die Arbeitslosenquote steigt (sinkt), wenn das Wirtschaftswachstum sich verlangsamt (sich beschleunigt), Graph: Prof. Paul Krugman

Angenommen beschleunigt sich das US-Wirtschaftswachstum. Dennoch dürfte es Jahre hohen Wachstums in Anpruch nehmen, bis so etwas wie Vollbeschäftigung erreicht wird. Sollte die Wirtschaft im Durchschnitt um 4,5% wachsen, würde sich die Arbeitslosenquote am Ende des Jahres 2012 auf 8% belaufen und dürfte bis zur Halbzeit der ersten Amtszeit Sarah Palins nicht unter 6% fallen, bemerkt Krugman.

Kommentare:

IrlandsCall hat gesagt…

Arbeitslosikkeit hängt nicht kausal mit Wachstum zusammen. Zumindest nicht mehr als eine steigende Geburtenrate und die Häufung von Störchen in Dörfern. Das weiss jeder Statistiker im ersten Lehrjahr. Arbeitslosikeit ist abhängig von Produktivitätssteigerungen und Rationalisierungen und persönlichen und politischen Motivationen. Zudem ist die Arbeitslosigkeit ein Ziel der "Technisierung" und "Modernisierung" von Produktionsprozessen. Unser gesellschaftliches Ziel muss es sein die Menschen vom Produktionsprozess zu befreien und ihnen gleichzeitig ein Einkommen zu geben. Arbeit und Einkommen müssen entkoppelt werden, denn es wird nie eine Vollbeschäftigung geben, die hat es nie gegeben.

axel hat gesagt…

Nur Wirtschaftswachstum als Mittel gegen Arbeitslosigkeit?

Wirtschaftswachstum wird vielfach als Voraussetzung zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit gefordert und zum Wirtschafts- und Politikziel gemacht. Verschwunden sind die Befürchtungen, dass mit Wirtschaftswachstum immer auch zusätzliche Umweltschädigungen verbunden sind. Ist ein „Nullwachstum“ nicht auch eine Chance, unsere Umweltsituation zu verbessern? Ist Arbeitslosigkeit nicht auch ein Zeichen dafür, dass wir heute so produktiv sind, dass wir es uns leisten können, auf einen Teil des Arbeitseinsatzes zu verzichten, um unsere wirklichen Lebensbedürfnisse befriedigen zu können? Nimmt nicht auch die Wertschätzung der Freizeit und der Musse gegenüber dem immer Mehr an materiellen Gütern zu? Sollten wir die Arbeitslosigkeit aus diesem Grunde nicht viel eher als ein Verteilungsproblem begreifen als ein Wachstumsproblem? Die zunehmende Teilzeitarbeit und Weiterbildungszeit sowie die vielen freiwilligen Frühpensionierungen zeigen, dass viele Beschäftigte es sich leisten können oder wollen, ihren Arbeitseinsatz zu reduzieren und damit auf Lohn zu verzichten, weil ihre materiellen Bedürfnisse auch bei einem kleineren Einkommen befriedigt werden können. Damit können mehr Arbeitskräfte bei gleicher Lohnsumme eingestellt werden.

Wahrscheinlich müssen wir uns in Zukunft aber auch mit einem aufgeteilten Arbeitsmarkt abfinden, einem hochproduktiven Teil, der in der globalen Wirtschaftswelt oder als lokale Nische Bestand hat, und einem geschützten Teil, der vom hochproduktiven Teil gestützt werden muss. Wir haben schon einige Erfahrung, wie dieser geschützte Arbeitsmarktteil organisiert und finanziert werden kann. Nicht nur der Staat, sondern auch die Privatwirtschaft sind hier gefordert, tragfähige Arbeitsmodelle zu kreieren. Ein Beispiel ist die Wiedereingliederung von Teilinvaliden in den Arbeitsmarkt.

Wenn wir die Verteilungsprobleme befriedigend lösen können, ist „Nullwachstum“ eine grosse Chance für die Schweiz, eine bedürfnisgerechte Wirtschaft zu haben, welche nachhaltig und nicht auf dauernde Expansion angewiesen ist. Alex Schneider, Küttigen