Sonntag, 8. Dezember 2019

Unternehmenssektor und die Last des gesamtwirtschaftlichen Sparens


Wann das Sparen zum Laster wird und keine Tugend ist.

Das ist das Thema, mit dem sich DWS, der deutsche Vermögensverwalter mit Sitz in Frankfurt am Main beschäftigt, wie FT aus London berichtet.

Die DWS Group präsentiert dazu die folgende erstaunliche Abbildung:

Der Leistungsbilanzsaldo (die Kehrseite der Ersparnisse) der Eurozone und die Realrenditen.

Die Eurozone weist einen Sparüberschuss (savings surplus) von mehr als 300 Mrd. EUR pro Jahr aus.

Was auffällt, ist: während der Überschuss in der Leistungsbilanz der Eurozone ansteigt, fällt die Realrendite tiefer in den negativen Bereich.

Die Verfasser der Analyse notieren, dass die Frage, die sich aus dieser Perspektive stellt, ist, nicht, ob die EZB die Zinsen wieder anheben wird, sondern wie ein Umfeld geschaffen werden kann, in dem der Unternehmenssektor bereit ist, zu investieren, eine Rendite zu erzielen und einen Teil dieser Rendite an die Gläubiger zu verteilen.

Und das kann die Geldpolitik allein nicht leisten.


Der Leistungsbilanzsaldo der Eurozone und die Realrenditen.
Graph: DWI via FT, Dec 07, 2019 

Dienstag, 3. Dezember 2019

Neue Höchststände an den Aktienmärkten und Gewinnrezession

Der DAX ist seit Jahresbeginn um 25% gestiegen. Auch der S&P 500 Index hat im vergleichbaren Zeitraum um 25% zugelegt.

Was dabei auffällt, ist eine wichtige Tatsache, der die Anleger irgendwie die kalte Schulter zu zeigen scheinen:

Der S&P 500 Index hat für alle drei Quartale des Jahres 2019 ein negatives Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr verzeichnet, wie Morgan Stanley unterstreicht. Auch die Prognose für das vierte Quartal 2019 deutet auf ein negatives Gewinnwachstum hin.

Das bedeutet im Klartext anhaltend rückläufige Unternehmensgewinne.

Die Bullen hingegen argumentieren, dass die verbuchten Fehlbeträge die zurückgeschraubten Erwartungen insgesamt übertreffen und sich dabei lediglich um eine Handvoll Unternehmen handele.

Eine Gewinnrezession (earnings recession) bedeutet der Rückgang der Unternehmensgewinne in mindestens zwei Quartalen in Folge.


Gewinnrezession, gemessen am S&P 500 Index, Graph: Morgan Stanley, Dec 02, 2019

Sonntag, 1. Dezember 2019

Aktien-Risiko-Indikator und QE

Der „Aktien Risiko Indikator“ von Morgan Stanley ist inzwischen in den Bereich „Überschwang“ hochgeschossen. 

Die meisten Anleger sehen daher einen weiteren Anstieg des S & P 500 Index als begrenzt an. Aber sie stimmen damit überein, dass eine Ausweitung der Zentralbank-Bilanz zu einer Überschreitung des „fair value“ führen könnte, wie Mike Wilson von Morgan Stanley berichtet.

Mit „Ausweitung der Zentralbank-Bilanz“ ist natürlich die Wiederaufnahme der QE-Politik (mengenmässige Lockerung der Geldpolitik) durch die Fed gemeint. 

Wichtig ist jedoch, nicht zu vergessen, dass auch die EZB und BoJ jeweils weiterhin am eigenen Anleihekauf-Programm festhalten.

Zur Erinnerung: QE bedeutet der Kauf von Wertpapieren durch die Zentralbanken auf dem offenen Markt, finanziert durch die Bildung von Bankreserven bei der Zentralbank, wie Ben Bernanke in einem im Sommer 2019 erschienenen Buch darlegt. 




Der „Aktien Risiko Indikator ist derzeit im Bereich „Überschwang“, Graph: Morgan Stanley, Nov 30, 2019