Mittwoch, 6. November 2019

Ersparnisse und Niedrigzinsen


Morgan Stanley hat kürzlich die folgende Abbildung (Wealth Management, November 2019) geliefert. Die Überschrift: „Mehr Einsparungen können für private Haushalte gut sein, aber nicht für die gesamte Wirtschaft“.

Richtig: Das ist genau die Unterscheidung zwischen micro (einzelwirtschaftlich) und macro (gesamtwirtschaftlich), wie es in den VWL-Lehrbüchern steht.

Was wir dem Chart entnehmen können, ist, dass die US-Haushalte seit der GFC 2018 sichtbar bemüht sind, ihre Schulden abzubauen. Gleichzeitig steigt auch das Verhältnis der Sparquote zum verfügbaren Einkommen an.

Tatsächlich liegt die Quote jetzt auf einem Niveau, das zuletzt Anfang der 1990er Jahre markiert wurde. Dieses Verhalten der privaten Haushalte wird seither durch rekordtiefe Zinsen und Anleiherenditen weiterbegünstigt. 

Das liegt daran, dass Rentner bei niedrigeren Zinssätzen und Renditen mehr sparen müssen, da mehr Kapital erforderlich ist, um das gleiche Einkommensniveau zu erzielen.


„Mehr Einsparungen können für private Haushalte gut sein, aber nicht für die gesamte Wirtschaft“, Graph: Morgan Stanley, Nov 2019

Montag, 4. November 2019

The Case for People’s Quantitative Easing


Buchbesprechung:

Frances Coppola: The Case for People’s Quantitative Easing, Polity Books, Sept 2019, London.


Dieses Buch argumentiert, dass der beste Weg, um eine schwer angeschlagene Wirtschaft wieder in Stand zu setzen, ist, das Geld unmittelbar an die Menschen zu geben anstatt mit QE (quantitative easing) über Finanzmärkte einzuschreiten.

Das Vorgehen nennt die Autorin „QE for People“ (QE für Menschen), und zwar in Form von Helicopter Money.

Zur Erinnerung: Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen der Fiskalpolitik und dem Hubschraubergeld (Helicopter Money). Der Zweck der Fiskalpolitik ist die Umverteilung bestehender Mittel. Der Zweck des Hubschraubergeldes besteht darin, neues Geld zu schaffen und zu verteilen. 

Die Erhöhung der Notenbankgeldmenge (base money) zur Bekämpfung der Deflation, die durch abnehmende Bankkredite ausgelöst wird, ist die Aufgabe der Zentralbank, betont Frances Coppola von Anfang an.

Das Geld ist nicht knapp

Sonntag, 3. November 2019

Deutschland, Hyperinflation und Deflation


Christine Lagarde, die neue EZB-Präsidentin hat es zu Beginn ihrer 8-jährigen Amtszeit bei der EZB nicht einfach. Die frühere Chefin des IWF muss die Kritiker der lockeren Geldpolitik und Negativ-Zinsen der EZB v.a. in Deutschland beruhigen.

Die Französin hat in den vergangenen Tagen die deutsche Regierung häufig zu mehr öffentlichen Investitionen aufgefordert.

Einem kürzlich vorgelegten Papier des Jacques Delors Instituts in Berlin nach rührt die Kritik aus Deutschland daher, dass viele Deutsche ihre eigene Geschichte nicht ganz verstehen.

Die meisten Deutschen glauben demnach, dass die Zwischenkriegszeit des Landes nur von einer Krise geprägt sei, die zum Aufstieg von Hitler führte: die Hyperinflation während der Weimarer Republik.


Historisches Missverständnis in Deutschland: Hyperinflation und Deflation, Graph: Jacques Delors Institut, Berlin in: "Historic roots of Germany’s monetary policy discourse”, Nils Redeker, Lukas Haffert and Tobias Rommel, Nov 01, 2019