Samstag, 18. Mai 2024

Haushalte, die von der Hand in den Mund leben

Der Mythos von “Ricardian Equivalence”


Stell’ dir vor, die Regierung gewährleistet den Verbrauchern heute «fiskalische Transferleistung» heute - zum Beispiel die COVID-19-Konjunkturschecks - und finanziert die Zahlungen mit Schulden. Außerdem kündigt die Regierung an, dass sie im nächsten Jahr die Steuern erhöhen wird, um die Schulden zurückzuzahlen.

Werden die Verbraucher das Geld aus der Überweisung ausgeben, oder werden sie das Geld aus der Überweisung sparen, um künftige Steuern zu zahlen? 

Die letztere Option ist repräsentativ für einen «Ricardian-Agenten». Wie viel Liquidität die Haushalte sparen oder wie «Ricardian Equivalence» sie sind, ist aus theoretischer Sicht ein wichtiges Merkmal, die Prävalenz von Haushalten zu verstehen, die von der Hand in den Mund leben, d.h. sie geben das Geld aus, wenn sie es bekommen.


In den vergangenen 12 Jahren ist der Anteil der «von der Hand in den Mund» lebenden US-Haushalte von 31% auf 19% gesunken, Graph: St. Louis Fed, May 08, 2024


Sonntag, 12. Mai 2024

Geldpolitik via „höher-für-länger“ und US-Defizite.

Der ganze Sinn des Besitzes von US-Staatsanleihen.


Das Narrativ «higher for longer» (höher und länger) macht derzeit via Social Media erneut die Runde.

Ein Ausdruck, der eine geldpolitische Haltung beschreibt, bei der davon ausgegangen wird, dass die Zinssätze für einen längeren Zeitraum erhöht bleiben. 

Im Zusammenhang mit der Zinspolitik der Fed bedeutet „higher for longer“ i.d.R. die Erwartung, dass die Zinssätze im Vergleich zu früheren Zinserhöhungszyklen für einen längeren Zeitraum auf einem relativ hohen Niveau gehalten werden.

Dies könnte eine Reaktion auf die Besorgnis über eine steigende Inflation, ein robustes Wirtschaftswachstum oder andere Faktoren sein, die eine straffere Geldpolitik rechtfertigen könnten.


Die Anleiherenditen reagieren auf die aufkeimende Erwartung, dass die von der US-Zentralbank (Fed) festgelegten Zinssätze relativ „länger höher“ sein werden, Graph: Goldman Sachs, May 10, 2024.

Sonntag, 28. April 2024

Wettbewerbsverbote für Arbeitnehmer

Understanding Contemporary Labor Market

Classic Human Capital Model and Noncompete Clauses


Die US-Bundeshandelskommission (FTC, Federal Trade Commission) hat am 23. April 2024 beschlossen, Wettbewerbsverbote für Arbeitnehmer in den USA zu unterbinden.


künftige Wettbewerbsverbote werden verboten, 

bestehende Wettbewerbsverbote sind nur noch für leitende Angestellte durchsetzbar,

und die Regelung tritt in sechs Monaten in Kraft.


Lina M. Khan, die FTC-Vorsitzende sagte: 

"Wettbewerbsverbote halten die Löhne niedrig, unterdrücken neue Ideen und berauben die amerikanische Wirtschaft ihrer Dynamik, einschließlich der mehr als 8.500 neuen Start-ups, die pro Jahr entstehen würden, sobald Wettbewerbsverbote verboten sind" 


Die Aussage deckt sich ohne Zweifel mit dem aktuellen Stand der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung zum Thema.

Lina ist eine in Großbritannien geborene amerikanische Rechtswissenschaftlerin, die seit 2021 Vorsitzende der FTC ist. Außerdem ist sie außerordentliche Professorin für Recht an der Columbia Law School.

"Die endgültige Regelung der FTC zum Verbot von Wettbewerbsverboten wird sicherstellen, dass Amerikaner die Freiheit haben, einen neuen Job anzunehmen, ein neues Unternehmen zu gründen oder eine neue Idee auf den Markt zu bringen."


Gemäß der endgültigen Wettbewerbsverbotsregel erlässt die FTC ein umfassendes Verbot neuer Wettbewerbsverbote für alle Arbeitnehmer, einschließlich leitender Angestellter, Graph: US-Wettbewerbsbehörde, FTC, Apr 23, 2024


Mittwoch, 24. April 2024

Narrative Quagmire: Higher for Longer

A Zombie Case: Inflation versus Employment


Die Ungewissheit über den Zeitpunkt der Zinssenkung hält auf beiden Seiten des Atlantiks an.

Während die Fed die "Datenabhängigkeit" («data-dependency») an die grosse Glocke hängt, um Aufschluss darüber zu geben, wann die Zinswende eingeläutet würde, spricht die EZB von der «letzter Meile» («last-mile») im Kampf gegen die Inflation. Es gehe darum, so die EZB, die «Zweitrundeneffekte» einzudämmen. Doch es gibt weit und breit keine Anzeichen für «Zweitrundeneffekte».

Das gegenwärtige Lohnwachstum im Euro-Raum dürfte dazu beitragen, den Konsum zu stützen, ohne eine inflationäre Lohn-Preis-Spirale in Gang zu setzen, notiert Morgan Stanley in einer aktuellen Analyse. Mit anderen Worten scheint das Risiko einer ausufernden Inflation gering, worauf auch stabile Anleiherenditen am langen Ende und Risikoanlagen hindeuten.

Das Lohnwachstum im Euro-Raum unterstützt den Verbrauch, ohne eine inflationäre Lohn-Preis-Spirale in Gang zu setzen, Graph: Morgan Stanley, April 18, 2024.


Sonntag, 14. April 2024

China – Japan – Staatsverschuldung

Debt-to-GDP ratio: Eine kontroverse Metrik 


Die Ratingagentur Fitch hat den Ausblick für China von stabil auf negativ revidiert.

Die Begründung: Die chinesische Regierung werde sich wahrscheinlich weiter verschulden, um die Wirtschaft aus dem immobilienbedingten Abschwung zu holen.

«Pekings Bestreben, das Wachstum weniger vom Immobilienmarkt abhängig zu machen, setzen die öffentlichen Finanzen des Landes unter Druck.» 

Mit anderen Worten scheint Fitch besorgt über die gegenwärtige Rolle der Fiskalpolitik bei der Unterstützung des Wachstums der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt.

Die Argumentation: Der «Aufwärtstrend» in Sachen Verschuldung könnte anhalten.


China’s Credit Ratings, Graph: Bloomberg TV, Apr 10, 2024.


Donnerstag, 4. April 2024

You’re Paid What You’re Worth

Buchbesprechung

Jake Rosenfeld: «You’re Paid What You’re Worth» - And Other Myths of the Modern Economy, The Belknap Press of Harvard University Press, London, UK, 2021,


Wovon hängt unsere Vergütung ab?

Es gibt laut Jake Rosenfeld vier Elemente, die unsere Bemühungen kanalisieren, einen größeren Anteil an den Einnahmen der Organisation, wo wir arbeiten, zu bekommen:

Die Festlegung von Löhnen und Gehältern ist immer mit der Ausübung von Macht (power) verbunden und stellt das Ergebnis vergangener und manchmal noch andauernder Machtkämpfe dar. 

Trägheit (inertia) ist der zweite grundlegende Bestandteil bei der Lohnfestsetzung. Uns wird entweder genau gesagt, was wir verdienen würden, oder es wird uns ein kleiner Verhandlungsspielraum eingeräumt. 

Die Nachahmung (mimicry) ist das dritte entscheidende Element, das unsere Gehaltsschecks beeinflussen kann. Es beschreibt ein allgemeines Verfahren, bei dem unser Arbeitgeber den üblichen Satz für unsere Position in unserer Branche zahlt. Viele Arbeitgeber legen ihre Gehaltstabellen erst dann fest, nachdem sie andere Unternehmen untersucht und deren Praktiken kopiert haben.

Gerechtigkeit (equity) - der Gedanke der gerechten Bezahlung - ist die vierte und letzte wesentliche Komponente bei der Festlegung der Vergütung.

Wenn es darum geht, warum wir so bezahlt werden, wie wir bezahlt werden, sind viele Akademiker, Arbeitnehmer und Lohnfestsetzer in den USA der Meinung, dass «die individuelle Leistung» (performance) der entscheidende Faktor ist. Und sie denken zudem auch, dass das genauso sein sollte. 

Die Frage ist aber, ob sie Recht haben? 

Samstag, 30. März 2024

Inflation Targeting - No Rush to Cut Interest Rates?

Risks of High-Interest-Rates and Slow-Growth


Nachdem Fed-Gouverneur Christopher Waller am Mittwoch erklärt hatte, dass es mit einer Zinssenkung nicht eilig sei, haben die Swap-Händler am Donnerstag ihre Wetten darauf, dass die Fed die Zinssätze bereits im Juni senken würde, leicht reduziert.

Die Kontrakte weisen nun eine implizite Wahrscheinlichkeit von etwa 60% für eine Zinssenkung im Juni auf. Mit anderen Worten gehen die Anleger immer noch davon aus, dass die erste Zinssenkung im Juni erfolgen wird.

Waller («There’s Still No Rush») betonte am Mittwoch vor dem Economic Club of New York, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten einen Aufschub oder eine Verringerung der für dieses Jahr erwarteten Zinssenkungen rechtfertigten.

Waller verwendete den Begriff "keine Eile" viermal in seinen Ausführungen, auch im Titel. 


Der Breakeven-Markt deutet darauf hin, dass die Inflationserwartungen schleichend gestiegen sind. Die 5-Jahres-Breakeven-Rate liegt derzeit bei etwa 2,43%, deutlich unter dem Höchststand von etwa 3,76% Anfang 2022, aber etwa 40 Basispunkte über dem Dezember-Tief, Graph: Bloomberg, March 29, 2024