Freitag, 25. Juli 2014

Geldmenge, Notenbankgeldmenge und Inflation

Die SNB hat zuletzt im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung von 19. Juni 2014 erklärt, dass für die Schweiz auf absehbare Zeit weiterhin keine Inflationsrisiken bestehen.

Die SNB hat sogar die neue Prognose für 2015 und 2016 mit 0,3% und 0,9% um jeweils 0,1% Prozentpunkte tiefer gesetzt als bei der letzten Lagebeurteilung.

Trotz des kräftigen Geldmengenwachstums gibt es also in der Schweiz keine Inflation. Wer daran geglaubt hat, dass die Wirtschaft durch das Angebot eingeschränkt war, hat einen starken Anstieg der Inflation vorausgesagt.

Wer eine nachfrageorientierte Konzeption an den Tag gelegt und die Auswirkungen der Nullgrenze für nominale Zinsen (zero lower bound) mitberücksichtigt hat, hat einen Anstieg der Inflation von Anfang an kategorisch ausgeschlossen. Zumal die Notenbank nicht die Geldmenge kontrolliert, sondern nur die Notenbankgeldmenge (Geldbasis).

Die folgende Abbildung der ZKB bietet dazu ein reichliches Anschauungsmaterial: Ein Chart zum Einrahmen lassen.



Schweizer Geldpolitik im Sog der Finanzkrise von 2008: Geldmengenwachstum versus Inflation, Graph: ZKB in DMO

Donnerstag, 24. Juli 2014

Sparpolitik führt zu höheren Schulden im Euro-Raum

Der öffentliche Schuldenstand im Euro-Raum ist im ersten Quartal 2014 auf 93,9% des BIP gestiegen, gegenüber 92,7% am Ende des vierten Quartals 2013.

Bemerkenswert ist, die höchsten Verschuldungsquoten von Griechenland (174,1%), Italien (135,6%) und Portugal (132,9%) verzeichnet wurden. Es handelt sich dabei um die Länder, die von Brüssel und Berlin angehalten worden sind, trotz hoher Arbeitslosigkeit einer harschen Sparpolitik zu folgen.

Das zeigt, dass es so etwas wie eine „expansive Fiskalkontraktion“ nicht gibt. Die illusionäre Austeritätspolitik der EU-Kommission ist damit endgültig gescheitert, was von Anfang an klar war.

Spart Südeuropa, kann der Rest im Euro-Raum nicht wachsen (fallacy of composition). Die Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen. Wenn eine Regierung versucht, in einer schwer angeschlagenen Wirtschaft das Haushaltsdefizit zu senken, schrumpft das gesamte Volkseinkommen, weil gleichzeitig die Einnahmen der öffentlichen Hand zurückgehen, weil private Haushalte und Unternehmen sich mit Ausgaben zurückhalten. Das Haushaltsdefizit nimmt am Schluss nicht ab.

Schuldnerländer melden zwar sechs Jahre nach dem Ausbruch der Krise Verbesserungen in Bezug auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Aber die jüngsten Verbesserungen in Südeuropa gehen mit einem Rückgang der Binnennachfrage und dem Rückgang der Beschäftigung einher, begleitet von sinkenden Lohnstückkosten.



Der öffentliche Schuldenstand im Euroraum im ersten Quartal 2014, Graph: eurostat in: euroindikatoren

Mittwoch, 23. Juli 2014

Expansive Fiskalkontraktion gibt es nicht

In Deutschland sind die Löhne und Gehälter in den zehn Jahren vor dem Ausbruch der Eurokrise kaum stärker gestiegen als die Produktivität. Südeuropa war daher 2008 gezwungen, die Kosten und Preise nach unten anzupassen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass das deutsche neo-klassische Wirtschaftsmodell für das Auseinanderlaufen der Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone verantwortlich ist. Deutschland hat den Rest der EU mit Lohndumping an die Wand gedrückt.

Die EU-Kommission hat als Abhilfe Austeritätspolitik verordnet, um das Scheitern der EWU zu verhindern. Da die Schuldnerstaaten über keine eigene Währung verfügen, müssen sie die Kosten via „interne Abwertung“ senken, was eine lange Phase der Massenarbeitslosigkeit bedeutet.

Die sinkenden Lohnstückkosten sollen Schuldnerstaaten helfen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und ihre Leistungsbilanz zu fördern. IMF-Ökonomen halten in einem gestern veröffentlichten Beitrag im iMFdirect fest, dass die neulich gewonnene Wettbewerbsfähigkeit dem Rückgang der Lohnstückkosten zu verdanken ist.

In Griechenland und Irland fielen die Lohnstückkosten v.a. durch eine etwa gleich grosse Mischung von Löhnen und Beschäftigung, während in Spanien der Rückgang Lohnstückkosten aufgrund der rückläufigen Beschäftigung zustande kam.



Entwicklung der Lohnstückkosten in der Eurozone im Einzelnen, Graph: IMF Blog  iMFdirect

Dienstag, 22. Juli 2014

Austeritätspolitik auf Kosten von Menschen

Die Austeritätspolitik der EU hat von Anfang an auch Ausgabenkürzungen für Bildungswesen und Kultur mitgebracht. Spanien beispielsweise hatte bereits vor zwei Jahren die Investitionen für Bildung, Kultur und Sport radikal um 21% gesenkt.

Die harschen Sparmassnahmen der europäischen Länder gehen auf Kosten der öffentlichen Investitionen in Bildung, Transport, Unterkunft und anderen Bereichen, berichtet das WSJ in seiner heutigen Ausgabe.

Das wiederum belegt, dass Fiscal Austerity (Haushaltskonsolidierung trotz Massenarbeitslosigkeit) ganz eindeutig eine liquidationistische Sicht der Depression ist.


Austerität führt zur Kürzung der öffentlichen Ausgaben für Bildung in der Eurozone, Graph: WSJ Blog Real Time Economics

„Neomonetaristen“ versus „Neofiskalisten“

In der amerikanischen Blogosphäre findet derzeit eine interessante Debatte statt. Es geht, vereinfacht ausgedrückt, um die Frage, ob Keynesianer und Markt Monetaristen symmetrisch sind? Das heisst, ob sie in Bezug auf die Anordnung deckeungsgleich sind.

Nick Rowe sagt ja. Simon Wren-Lewis sagt nein. Wer hat recht?

Der Ausgangspunkt ist eine Aussage von Paul Krugman: Der am Graduierten Zentrum der City University of New York (CUNY) forschende Wirtschaftsprofessor hat vor einer Weile gesagt, dass die Markt Monetaristen in der modernen konservativen Bewegung keine Resonanz finden.

Rowe entgegnet: Die Aussage gilt auch für Fiskalisten („neofiscalist“), die es nicht geschafft haben, in den Regierungen, nicht einmal der Linken, Fuss zu fassen. Wo liegt also der Unterschied, fragt der an der Carleton University, Ottawa, Kanada lehrende Wirtschaftsprofessor.

Ja, es stimmt, antwortet Wren-Lewis auf Rowe: „Es ist wahr, wir haben es aber irgendwie gewusst“. Der an der Oxford University lehrende Wirtschaftsprofessor verwendet im Gegensatz zu Rowe, der von „Neomonetaristen“ und von „Neofiskalisten“ redet, lieber die Bezeichnung Markt Monetarist (MM).

Montag, 21. Juli 2014

Steuererhöhung und Arbeitsplatzbeschaffung

David Cay Johnston unterstreicht in einem lesenswerten Artikel in The Sacramento Bee, wie California Propositon 30 (2012) zu einem Anstieg der Arbeitsplätze beigetragen hat.

Es handelt es sich um eine Initiative zur Erhöhung der Umsatz- und Einkommenssteuer in Kalifornien, dem mit Abstand bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA. Das Ziel war, via Steuererhöhung eine Kürzung des Bildungshaushalts der staatlichen Schulen in Kalifornien zu verhindern.

Die Massnahme wurde in einer Abstimmung vom Volk angenommen. 

Im Vorfeld hatte der Verband der Steuerzahler (Sacramento Taxpayers Association) argumentiert, dass die Initiative, falls angenommen, Arbeitsplätze vernichten und Kleinunternehmen belasten würde. Es ging um eine Steuererhöhung (rückwirkend) um 3% für die Einkommensgruppe „Millionen Dollar +“ für jeden zusätzlichen US-Dollar, betont Johnston.

Was ist am Anfang 2013 nach der Zustimmung des Volkes zur Steuererhöhung geschehen?

Sonntag, 20. Juli 2014

Gold und Austrian Economics

Man kann nicht sagen, dass Gold eine Fehlinvestition ist. Auch nach dem jüngsten Absturz hat man, wenn man im Jahr 2004 Gold gekauft hat, eine annualisierte Rendite von 10,4%, nach Abzug der Inflation.

In Gold wird im Allgemeinen investiert,um das Portfolio zu diversifizieren oder Risiko auszugleichen. Die Standard-Story besagt, dass der Ertrag aus Gold mit Zinsen irgendwie negativ korreliert ist, sodass die Wette auf Gold zu einem gewissen Grad eine Wette auf niedrige Zinsen ist.

Einige Wirtschaftsmodelle sagen voraus, dass das Gold auf lange Sicht einen positiven Ertrag bringen soll. Es gibt aber viel Varianz im Preis von Gold, die durch solche Faktoren nicht erklärt werden kann, wie Noah Smith in einem lesenswerten Artikel auf Bloomberg intelligent darlegt.

Smith rät, Vorsicht walten zu lassen, wenn es um Gold-Geschichten geht: (1) Man soll der Standard-Story nicht glauben, warum das Gold steigen werde, und (2) man soll Websites und Medien nicht folgen, die immer wieder behaupten, dass man Gold kaufen soll.

Die gängige Erklärung, warum man Gold kaufen soll, ist, eine Absicherung gegen die inhärente Schwäche des Fiat-Money-Systems. Stimmt es aber? Nein: Gold ist eine schlechte Absicherung gegen Inflation.