Dienstag, 21. Oktober 2014

Eurozone drohen Jahrzehnte einer schwachen Wirtschaft

Die Future-Märkte  rechnen mit keiner Zinserhöhung durch die EZB bis Ende 2017. Und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die EZB eine QE-Politik à la Fed oder Bank of Japan in Angriff nimmt.

A propos Japan: Die europäische Wirtschaft ist derzeit durch träges Wachstum, schwache Inlandsnachfrage, stagnierende Löhne und anhaltende Niedriginflation gekennzeichnet.

Die sich selbst verstärkende Spirale aus fallenden Preisen und wirtschaftlicher Trägheit, die Japan über 15 Jahre erlitten hat, droht nun auch die Eurozone zu befallen, wie der Blick auf die Zinsmärkte u.a. nahelegt.

Am langen Ende der Ertragskurve (yield curve) stimmen die europäischen Zinssätze mitlerweile mit den japanischen Zinssätzen überein (convergence).



Japanisierung Europas ist bereits da, Graph: Morgan Stanley

Montag, 20. Oktober 2014

Depression und unfreiwillige Arbeitslosigkeit

Mit dem offensichtlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 1930 hat John Maynard Keynes seine Wirtschaftstheorie weiter ausgebaut. Damit hat er zur Entstehung eines neuen Bereichs, was heute als Makroekonomie bekannt ist, wesentlich beigetragen.

Mit dem Sparparadoxon  (paradox of thrift) hat Keynes darauf hingedeutet, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt, wenn in schlechten Zeiten alle gleichzeitig sparen. Sein neuer Ansatz (macroeconomics) hat dem Wort „Arbeitslosigkeit“ ausserdem eine neue Bedeutung beigemessen.

In den zum grössten Teil landwirtschaftlich geprägten Volkswirtschaften des 19. Jahrhunderts waren die Menschen in einem jährlichen Zyklus, der sich durch wirtschaftliche Konditionen nicht änderte, beschäftigt. Arbeitslose Menschen konnten entweder keine Arbeit finden oder sie wollten einfach nicht arbeiten. Sie wurden im nachhinein als „freiwillig arbeitslos“ bezeichnet.

Keynes hingegen hat die Konditionen beschrieben, in denen Arbeitnehmer arbeiten wollen, aber keine Stelle finden. Sie sind unfreiwillig arbeitslos. Diese Art von Arbeitslosigkeit hat sich v.a. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt.

Das Sparparadoxon kann dazu führen, wie Keynes gezeigt hat, dass die Arbeitsplätze für diejenigen Menschen, die eine Arbeit suchen, knapp werden.



Arbeitslosigkeit in den USA, der EU und in Japan im Vergleich, Graph: Morgan Stanley

Sonntag, 19. Oktober 2014

Warum sollen wir uns um Ungleichheit kümmern?

„Ungleichheit“ ist in aller Munde. Die Frage wurde zunächst durch die „Occupy-Bewegung“ wiederbelebt und hat dann durch das Buch von Thomas Piketty politisch an Brisanz gewonnen. Mit der Debatte über Mindestlohn steht sie nun endgültig im Mittelpunkt der Tagesordnung der Öffentlichkeit.

Bevor wir eine Antwort darauf suchen, warum wir uns um Ungleichheit kümmern sollen, ist es wichtig, darauf hinzudeuten, dass der Begriff „Ungleichheit“ in vielen Zusammenhängen verwendet wird.

Damit es klar wird, was gemeint ist, wenn man über Ungleichheit redet, sind drei Aspekte zu vergegenwärtigen, wie Dietz Vollrath in seinem Blog nahelegt:

(1) Die 1% versus 99%. Das heisst der Unterschied im durchschnittlichen Jahreseinkommen der obersten 1% aller Haushalte im Vergleich zum durchschnittlichen Jahreseinkommen der unteren 99%.

(2) Die Stagnation der Reallöhne (median real wages) und diejenigen unter dem Median.

(3) Das College Premium oder die Lücke im Verdienst zwischen denjenigen, die einen College-Abschluss haben und denjenigen, die keinen College-Abschluss haben.

Warum sollen wir uns aber um die Stagnation der Reallöhne (median wages) kümmern?

Keynes

Buchbesprechung:

Peter Temin and David Vines: Keynes – Useful Economics for the World Economy, MIT Press, Massachusetts and London, 2014


Griechenland hatte einst Deutschland Schulden erlassen. Es geschah im Rahmen des Londoner Schuldenabkommens im Februar 1953

65 Staaten (darunter Griechenland) haben damals zur Entschuldung der Deutschen zugestimmt (rund die Hälfte der Auslandschulden in Höhe von 30 Mrd. DEM). Deutschlands Auslandsschulden bestanden aus Vorkriegsschulden und Nachkriegsschulden.

Im Jahr 1919 hatte einer der hochrangigen Vertreter Grossbritanniens die Verhandlungen um den Versailles Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg wütend verlassen. Sein Name war John Maynard Keynes. Sein Argument lautete, dass es zu harsch sei, dem Verlierer des Krieges zu viel Schulden aufzubürden.

Von Deutschland hohe Reparationszahlungen (an die Siegermächte) zu verlangen, sei kontraproduktiv, sagte Keynes. Das globale Wirtschaftswachstum würde abgeschwächt, wenn die Deutschen statt Güter im Ausland zu kaufen, Reparationszahlungen leisten müssten. Damals profitierte die britische Wirtschaft von einem export-getriebenen Wachstum.

Keynes hat seine Gedanken dazu in einem später veröffentlichten Buch „The Economic Consequences of the Peace“ (1919) zusammengetragen. Die Theorie über die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Beschäftigung hat er aber aus seiner Analyse des internationalen Handels hergeleitet und im Buch „The General Theory of Employment, Interest and Money“ im Jahr 1963 publiziert: Staatsausgaben können Arbeitslosigkeit reduzieren und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ankurbeln.

Peter Temin and David Vines zeigen in diesem lesenswerten Buch auf, wie Keynes sich mit dem Rahmenwerk einer geschlossen Wirtschaft beschäftigt, aber sein Augenmerk immer global gerichtet hat. Die Schlussfolgerung der Autoren für die Gegenwart steht von Anfang an fest, dass Keynes‘ Idee von deficit spending (d.h. Ausgabe von staatlichen Haushaltsmitteln zur Belebung der Konjunktur, wenn die Wirtschaft schwer angeschlagen ist) Europa heute sehr gut tun würde.

Samstag, 18. Oktober 2014

Japanisierung der Eurozone auf Kurs

Angesichts der konkreten Anzeichen war es von Anfang an keine Übertreibung, die Euro-Zone von heute mit Japan in den 1990er Jahren zu vergleichen.

Was nun droht, ist eine lang anhaltende wirtschaftliche Stagnation. Genau genommen eine säkulare Stagnation mit Deflation als Vorbote.

Im Übrigen muss Deflation nicht unbedingt  per Definitionem vorliegen. Eine lang anhaltende Niedriginflation (*) richtet bereits heute so viel Schaden wie eine gänzliche Deflation, was auch von IWF neulich unterstrichen worden ist.

Hier ist eine bemerkenswerte Abbildung, die Analysten von Morgan Stanley liefern. Die Rendite der deutschen Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit ist im Handel am Donnerstag zum ersten Mal unter die Rendite der vergleichbaren japanischen Staatsanleihen (JGB) gerutscht.




Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit: German Bunds vs JGB, Graph: Morgan Stanley

Was die Märkte uns wirklich sagen

Paul Krugman befasst sich in seiner lesenswerten Kolumne („What Markets Will“) am Freitag in NYTimes mit Marktfundamentalisten, die uns ständig erzählen, dass der Staat seine Bemühungen unterlassen soll, um Schmerzen und Leid, die durch die Wirtschaftskrise ausgelöst werden, zu lindern.

Die Märkte scheinen aber nie damit einverstanden, dass die menschliche Opfer dafür notwendig seien, erklärt der von der Princeton University zu der City University of New York (CUNY) gewechselte Wirtschaftsprofessor.

Im Übrigen, wie reagieren die politischen Kreuzfahrer darauf, dass ihre düsteren Vorhersagen (z.B. in Bezug auf die Inflation und das Haushaltsdefizit) bislang immer daneben gingen? Vor allem mit Verleugnung, gelegentlich sogar mit Verzweiflung, legt Krugman weiter dar.

Alan Greenspan zum Beispiel hat einst erklärt, dass es bedauerlich sei, dass die Zinsen und die Inflation nicht durch die Decke geschossen sind. Seine Begründung: sonst werde damit ein falsches Gefühl von Selbstzufriedenheit erzeugt. Das war vor mehr als vier Jahren. Vielleicht war das Gefühl der Selbstzufriedenheit laut Krugman aber gar nicht so falsch. Oder?

In der Tat ist die wirkliche Botschaft des Marktes, wenn man genau hinschaut, so, dass wir ein höheres Haushaltsdefizit auflaufen lassen und mehr Geld drucken sollen. Und diese Botschaft wurde in den letzten Tagen sogar stärker. Wovon Krugman redet, ist, dass die Zinsen als blinkende Warnung nicht auf haushaltspolitische Krise oder galoppierende Inflation, sondern auf Depression und Deflation hindeuten.



Notenbankgeldmenge (Geldbasis) in den USA, Graph: Prof. Paul Krugman

Wo ist die Inflation?

FDIC schliesst eine kleine Bank in Maryland

Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag eine kleine Bank in Rising Sun, Maryland (MD) geschlossen.

Damit sind in diesem Jahr 15 Banken verstaatlicht worden, nachdem im Vorjahr insgesamt 24 Banken gescheitert waren. 

Die Zahl der Bankschliessungen markiert 2013 einen deutlichen Rückgang aus den beiden Vorjahren. Dennoch ist die Zahl ungewöhnlich hoch, da in einer wachsenden Wirtschaft jährlich i.d.R. nur vier oder fünf Banken im Durchschnitt geschlossen werden.

Die gestern verstaatlichte Bank verfügt über ein Anlagevermögen (assets) von insgesamt 188,2 Mio. $ und Einlagen (deposits) von 183,1 Mio. $. Die Kosten der geschlossenen Bank betragen für die öffentliche Hand schätzungsweise 24,3 Mio. $

Bankpleiten:

2014: 15
2013: 24
2012: 51
2011: 92
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3