Donnerstag, 26. Februar 2015

Baltic Dry Index auf dem tiefsten Wert seit 1986

Der Baltic Dry Index, der auf das Jahr hochgerechnet um 50% an Wert verloren hat, notiert zur Zeit auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung im Jahr 1986.

Der Baltic Dry Index (BDI) ist ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern (v.a. Kohle, Eisenerz und Getreide) auf Standardrouten. Der Index hat vier Untergruppen: Capesize, Panamax, Supramax und Handysize.

Der Zusammenhang von Frachtraten mit Rohstoffpreisen und der Nachfrage nach Metallen ist offensichtlich. Der Index-Rückgang kann zum Teil mit Wintersaisonabhängigkeit begründet werden. Aber die Verlangsamung der chinesischen Rohstoffnachfrage schlägt sicherlich stärker zu Buche.


Der Baltic Dry Index, Graph: Morgan Stanley

Mittwoch, 25. Februar 2015

Deutschland begibt eine fünfjährige Anleihe mit negativer Rendite

In Deutschland hat sich heute auf der Auktion einer Staatsanleihe mit fünf Jahren Laufzeit zum ersten Mal seit der Datenerfassung durch Bloomberg eine negative Rendite ergeben: -0,08%. Einem Gebot im Volumen von 6,4 Mrd EUR gegenüber hat die German Finance Agency Papiere im Wert 3,2 Mrd. EUR zugeteilt.

Auf der letzten Versteigerung im Januar hat sich die Rendite des vergleichbaren Papiers noch auf 0,05% belaufen.

Eine negative Rendite bedeutet, dass die Investoren in der Tat eine Art Prämie zahlen, um dem deutschen Staat Geld zu leihen.

Im Vorfeld der von der EZB angekündigten QE-Politik (Kauf von Staatsanleihen) scheinen Investoren keine Scheu zu zeigen, eine Art Gebühr zu entrichten, um die entsprechende Staatsanleihe zu halten.

Es ist denkbar, dass Investoren fünfjährige Anleihen kaufen, und gleichzeitig kürzerfristige Papiere, die tiefer im negativen Bereich stecken, (mit Kurs-Gewinn) verkaufen.

Am 4. Februar 2015 hat Finnland als erstes Land im Euro-Raum eine 5-jährige Staatsanleihe im Volumen von einer Milliarde EUR mit einer negativen Rendite begeben.

Deflation auch in der Region "Asien ohne Japan"

Das Deflationsrisiko ist nicht ein Thema, das sich nur auf die fortentwickelten Ländern bezieht. Innerhalb der Region Asien ohne Japan (AxP) fallen die Erzeugerpreise in China seit 35 Monaten.

In dieser Region erfahren zur Zeit sieben Volkswirtschaften Deflation mit Bezug auf die Produzentenpreise, und zwar seit drei Jahren, wie die Analysten von Morgan Stanley in einer gestern vorgelegten Studie zeigen.

In den vergangenen Monaten hat sich der deflationäre Druck verstärkt und überträgt sich nun auf die Verbraucherpreise und den BIP-Deflator.

Die Kern-Inflation (core inflation) hat sich in der Region (ausser Indien, Indonesien und die Philippinen) von 1,7% im August 2014 auf 1,0% im Januar verschlechtert, nachdem sie 28 Monate gleichgeblieben war.

Auf der Basis der allgemeinen Inflation (headline inflation) sind Singapur, Taiwan und Thailand bereits im deflationären Bereich. Und das Wachstum der Verbraucherpreise bleibt in China und Korea unter 1% im Vergleich zum Vorjahr.


8 von 10 AxJ-Länder stecken in PPI Deflation, Graph: Morgan Stanley

Dienstag, 24. Februar 2015

Trotz Grexit-Debatte fällt das Renditeniveau in Europa

Griechenlands Liste mit eigenen Reformvorschlägen ist heute in Brüssel eingetroffen. Die neue griechische Regierung weigert sich bekanntlich am fatalen Kurs der Austeritätspolitik, die dem Land von Brüssel und Berlin in den vergangenen Jahren auferlegt wurde, festzuhalten, völlig zu Recht.

Das früher als „Troika“ bezeichnete Dreiergespann (EU-Kommission, EZB und der IWF) heisst von jetzt an „Institutionen“.

Fest steht, dass die harschen Sparmassnahmen gescheitert sind. Die Kürzung der Staatsausgaben, wie Keynesianer prophezeiten, waren kontraktiv. Die Schuldenquote ist nicht gesunken, sondern gestiegen. Die Arbeitslosigkeit ist auf 25% geklettert.

Die Wahl der Partei Syriza war ein Signal der griechischen Wähler, dass sie die Austeritätspolitik der EU nicht mehr aushalten können. Nun präsentiert die griechische Regierung eigene Reformen u.a. für die Steuerverwaltung und das Rentensystem.

Bemerkenswert ist, dass die Rendite der griechischen Staatsanleihen trotz der wieder entfachten „Grexit“-Debatte fällt. Die Rendite der Staatspapiere mit drei Jahren Laufzeit ist in den letzten Wochen von 21% auf 16,6% gefallen, obwohl sie noch immer etwas höher ist als vor den Wahlen im Januar.

Bank of Israel senkt Zinsen auf 0,10 Prozent

Die Bank of Israel (BoI) hat gestern aufgrund der anhaltenden negativen Inflationsraten und des starken handelsgewichteten Wechselkurses der Landeswährung den Leitzins von 0,25% auf 0,10% gesenkt.

Die Inflation fiel im Januar mit minus 0,5% auf den tiefsten Stand seit 2007. Der Shekel (ILS) hat sich im Januar um 2,6% gegenüber dem US-Dollar aufgewertet.

Die israelische Notenbank (BoI), die eine Inflationsrate von 1% bis 3% pro Jahr anstrebt, sieht sie zur Zeit aufgrund der hochbewerteten Landeswährung (ILS) ähnlich wie die SNB starken Gegenwinden ausgesetzt. Die kurzfristigen Inflationserwartungen verbleiben seit geraumer Zeit deutlich unterhalb des Zielwertes der Zentralbank.

Es geht nicht um Fachkräftemangel, sondern um die wirtschaftliche Macht

Paul Krugman ist ohne Zweifel für eine bessere Bildung. Bildung ist ein Freund von mir, schreibt der am Graudierten Zentrum der City University New York (CUNY) lehrende Wirtschaftsprofessor in seiner lesenswerten Kolumne („Knowledge isn’t power“) am Montag in NYTimes. Und die Bildung sollte für alle zugänglich und erschwinglich sein.

Aber es gibt Leute, die darauf bestehen, zu behaupten, dass pädogogische Mängel an der Wurzel der noch immer schwachen Schaffung von Arbeitsplätzen, der stagnierenden Löhne und der wachsenden Ungleichheit liege.

Das hört sich ernsthaft und nachdenklich an. Aber es ist tatsächlich eine Sicht, die sehr im Widerspruch zu Beweisen steht, erst recht eine Möglichkeit, sich vor der realen, unweigerlich parteiischen Debatte zu verstecken, so Krugman.

Die die Bildung ins Zentrum setzende Geschichte unserer Probleme läuft heute so: Wir leben in einer Zeit des beispiellosen technologischen Wandels, und zu viele amerikanische Arbeitnehmer verfügen nicht über die Fähigkeiten, mit diesem Wandel Schritt zu halten, wie Krugman schildert.

Diese „skills gap“ („Qualifikationslücke“ bzw. „Arbeitskräftemängel“) lastet auf dem Wirtschaftswachstum, weil Unternehmen die Arbeitnehmer, die sie brauchen, nicht finden können. Auch die Ungleichheit wird dadurch weiter gestützt, weil die Löhne für die Arbeitnehmer mit den richtigen Fähigkeiten durch die Decke schiessen. Wir brauchen also mehr Bildung, und v.a. eine bessere Bildung, so die Meinung.


Der Mythos über Fachkräftemangel (skills gap), Graph: Prof. Paul Krugman in NYTimes

Montag, 23. Februar 2015

Geldpolitik bleibt auch in diesem Jahr akkommodierend

Die Geldpolitik bleibt global auch 2015 locker. Hier ist eine sehenswerte Abbildung von Morgan Stanley Analysten:



Das globale Spektrum von Geldpolitik, Graph: Morgan Stanley