Mittwoch, 27. August 2014

Löhne, Preise und Wirtschaft

Arbeitskosten und Löhne sind infolge der Finanzkrise von 2008 und der Rezession immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses der Ökonomen gerückt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Lohnwachstum während der Rezession deutlich zurückgegangen ist.

Das Lohnwachstum bleibt heute nahe der historisch niedrigen Stände, trotz der jüngsten Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, schreiben Edward S. Knotek und Saeed Zaman in einer Studie bei der Cleveland Fed.

Das gedämpfte Lohnwachstum wird verschiedentlich sowohl als Ursache als auch als Folge des schwachen Wirtschaftswachstums und der anhaltend niedrigen Inflationsraten betrachtet, argumentieren die Autoren weiter.

Die Entwicklung dürfte sogar zum Anstieg der Ungleichheit beigetragen haben. In einigen Analysen wird Lohnwachstum als eine notwendige Voraussetzung für eine stärkere Erholung und steigende Inflation angesehen. In anderen ist es eine natürliche Folge eines angespannten Arbeitsmarktes.


Lohnentwicklung, Graph: Edward S. Knotek and Saeed Zaman, in: Economic Commentary, Aug 2014

Dienstag, 26. August 2014

Die Eurozone im Netz des Balanced-Budget Fundamentalismus

Das ist die grösste Renditedifferenz zwischen den US-Notes (0,50%) mit zwei Jahren Laufzeit und den entsprechenden deutschen Zinspapieren (-0,03%) seit 2007. Das heisst, dass die Investoren 53 Basispunkte mehr fordern, um US-Notes zu besitzen als 2-jährige deutsche Papiere.

Europas wirtschaftliche Situation verschlechtert sich nach und nach. Die Rendite der deutschen Staatsanleihen signalisieren Stagnation. Die Rede ist von Deflation. Das ist die Botschaft der Anleihemärkte.

Europas Politiker tun alles , um eine Erholung der Wirtschaft zu verhindern, sagt Paul De Grauwe, wie Ambrose Evans-Pritchard in  The Telegraph berichtet.

Es ist die Idee des ausgeglichenen Haushalts (balanced-budget), die in der Eurozone einen Kultstatus geniesst. Es liegt auf der Hand: Wenn alle (Unternehmen, private Haushalte und die öffentliche Hand) gleichzeitig versuchen, Schulden abzubauen, entsteht daraus eine Abwärtsspirale.

Montag, 25. August 2014

Was hat die QE-Politik der Fed gebracht?

Ein Typisches Kennzeichen der unkonventionellen Geldpolitik ist die QE-Politik (QuantitativeEasing). Im Jargon der Fed heisst es offiziell LSAP (large-scale asset purchases), was nichts anderes bedeutet als der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank auf dem offenen Markt.

Roger Farmer hat sich kürzlich in seinem Blog damit beschäftigt, um eine Bilanz zu ziehen, wie wichtig das Anleihekaufprogramm der US-Notenbank war, während die nominalen Zinsen nahe null (zero lower bound) lagen.

Die eine Theorie besagt, dass die Fed aus den Händen der privaten Investoren ausreichend grosse Mengen an langfristigen Wertpapieren kauft, so dass der Rückgang des Netto-Angebots die Renditen der betreffenden Wertpapiere senkt.

Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 hat sich die Bilanzsumme der Fed mehr als vervierfacht. Und der Bestand der Fed an langfristigen US-Staatsanleihen ist deutlich gestiegen.

Vor diesem Hintergrund erklärt James Hamilton in seinem mit Menzie Chinn geteilten Blog, dass das US-Schatzamt, während die Fed langfristige Staatsanleihen gekauft hat, die Ausgabe von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten deutlich erhöht hat.


LSAP durch die Fed und der Verlauf der Renditen der US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit, Graph: Prof. James Hamilton

Sonntag, 24. August 2014

Mario Draghi und düstere Wirtschaftsaussichten im Euro-Raum

EZB-Präsident Mario Draghi hat auf dem Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole in Wyoming erstmals ausführlich dargelegt, wie düster die wirtschaftlichen Aussichten im Euro-Raum sind.

Draghi hatte bislang den Standpunkt vertreten, dass die Inflationserwartungen verankert sind. Nun hat er eingeräumt, dass ein weiterer Rückgang der Inflation die Preisstabilität gefährde. Die EZB wolle daher alle zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen, um eine deflationäre Abwärtsspirale zu unterbinden.

Der EZB-Indikator für Inflationserwartungen ist in diesem Monat zum ersten Mal unter die 2%-Marke gesunken.

Bemerkenswert ist, dass Draghi zum ersten Mal gesagt hat, dass die Euro-Krise mit Nachfrage-Mangel zu tun hat.

Seiner Meinung nach überwiegen die Risiken des „zu wenig zu tun“ (d.h. wenn die konjunkturelle Arbeitslosigkeit strukturell wird) die Risiken des „zu viel zu tun“ (d.h. wenn die Löhne und der Preisdruck übermässig steigen).


Entwicklung der Realzinsen in der Eurozone für die kommenden Jahre, Graph: Mario Draghi, EZB, „Unemployment in the euro area“, in Jackson Hole, Aug 2014

Samstag, 23. August 2014

Geldabwurf aus dem Helikopter

Die Notenbanken haben im Kampf gegen die Great Recession die Leitzinsen bis auf die Nullgrenze (zero lower bound) gesenkt. Die nominalen Zinsen liegen damit in den grössten Volkswirtschaften auf beiden Seiten des Atlantiks seit fast sechs Jahren nahe null Prozent.

Um die Deflationsgefahr abzuwenden, ergreifen die Zentralbank-Präsidenten unkonventionelle Massnahmen. Ökonomen nennen das entschlossene Vorgehen der Zentralbanken in einer Liquiditätsfalle „Geldabwurf vom Hubschrauber“.

Willem Buiter erklärt (h/t to David Keohane) in einer neulich vorgelegten Analyse ("The Simple Analytics of Helicoptger Money“), warum es immer funktioniert, die Druckpresse anzuwerfen (helicopter drop). 

Seiner Meinung nach gibt es jedoch drei Bedingungen, damit mit dem Geldabwurf vom Helicopter die gesamtwirtschaftliche Nachfrage angekurbelt werden kann:

Rendite der Staatsanleihen und Finanzierungskosten in der Eurozone

Die EZB strebt mit dem im Juni 2014 angekündigten Massnahmenpaket u.a. eine Abschwächung der Gemeinschaftswährung an. Der Wertverlust des EUR gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Wochen kann daher als ein Ergebnis der jüngsten Lockerung des geldpolitischen Kurses durch die EZB betrachtet werden.

Bemerkenswert ist jedoch in diesem Zusammenhang, dass mit dem Rückgang der Renditen der Staatsanleihen an der EU-Peripherie die Finanzierungskosten im privaten Sektor kaum gesunken sind:

Während die Finanzierungskosten der Schuldnerländer sinken, ändert sich den hohen Finanzierungskosten (für Unternehmen) im Privatsektor nicht viel, wie die folgende Abbildung zeigt.


Renditen der Staatsanleihen fallen, aber nicht die Finanzierungskosten im Privatsektor, Graph: Morgan Stanley

Freitag, 22. August 2014

Lohnwachstum würde Konjunktur in Fahrt bringen

Weltweit sitzen Unternehmen auf einem Berg von 7 Billionen USD Bargeld. Allein die Cash-Position der US-Unternehmen beläuft sich auf 2 Billionen USD, wie Morgan Stanley in einer heute vorgelegten Studie unterstreicht.

Bemerkenswert ist, wie die folgende Abbildung zeigt, dass der Rückgang des Lohnanteils im Vergleich zum BIP mit einem Anstieg der Gewinne der Unternehmen im Verhältnis zum BIP einhergegangen ist.

Würden die Löhne und Gehälter steigen, würde die Wirtschaft von zwei Seiten Unterstützung bekommen: Investitionen und privater Verbrauch.

Damit die Konjunktur anspringt, müssen Unternehmen und der Staat sich verschulden, d.h. die überschüssigen Ersparnisse in der Wirtschaft aufnehmen.



Der Rückgang der Löhne erhöht Unternehmensgewinne in den USA im Vergleich zum BIP, Graph: Morgan Stanley