Freitag, 18. Mai 2018

Sparen: Das falsche Rezept der Eurozone


Vítor Constâncio, EZB Vice-President erklärt am Mittwoch in einem sensationellen Interview mit FT aus London, dass die Fiscal Austerity in der Eurozone zu weit gegangen ist und drastische Auswirkungen ausgelöst hat.

Als ein konkretes Beispiel nennt Constâncio Griechenland

Keine Institution, nicht die EU-Kommission, nicht die EZB, nicht der IWF hat es je für möglich gehalten, geschweige denn geplant, dass Griechenland BIP infolge des harschen Spardiktats um 25% schrumpfen würde, so der portugiesische Ökonom und Politiker.

Das Anpassungsprogramm sei wirklich zu hart gewesen. Und vielleicht sogar auch zu mechanisch. Denn das Programm hat den totalen Zusammenbruch von Hoffnungen und Erwartungen nicht vorhergesehen, gesteht Constâncio weiter ein.

Wow! Das ist schwer zu verdauen. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um eine Bankrott-Erklärung der neoliberalen Agenda der EU-Behörden.

Im Übrigen: Dies ist kein Streit zwischen links und rechts, sondern ein Problem des politischen Konsenses in Europa. Die Wurzel des Übels ist die Besessenheit, den Haushalt auszugleichen, die wiederum von der dominierenden ordoliberalen/neoliberalen Ideologie herrührt.


G3 Kerninflation stellt (in absehbarer Zeit) keine Gefahr für die Preisstabilität dar, Graph: Morgan Stanley

Mittwoch, 16. Mai 2018

Wie das Cash an der Nullzinsgrenze wieder zur Konkurrenz wird


Die Fed bleibt auf Kurs, den Tagesgeldsatz (Fed Funds Rate) weiter anzuheben. Und die Abflachung der US-Renditekurve hält an.

Auf dieser Seite des Atlantiks tut sich zwar in Sachen Geldpolitik nicht viel, weil die Kerninflation um die Marke 1% festsitzt, ja sogar gegenwärtig auf 0,7% notiert.

Aber François Villeroy de Galdhau hat neulich für eine Verblüffung gesorgt.

Der französische Zentralbank-Chef hat gesagt, dass die EZB nach dem Ende des Anleihekaufprogramms (APP) zügig eine Zinserhöhung einleiten werde. Es gehe um einige Quartale, nicht um Jahre.

Zur Erinnerung: Die Eurozone befindet sich insgesamt an der effektiven Zinsuntergrenze (effective lower bound). Die Zinssätze liegen knapp unter null. Und die EZB schafft mit dem APP weiter Geld.

Der Grund dafür, dass die europäische Geldpolitik auf „Maximum-Stimulus“ eingestellt bleibt, ist, wie oben angesprochen, die anhaltende Niedriginflation bzw. die Nachfrageschwäche.

Der Fall ist im Grunde genommen klar, dass die fiscal policy damit beginnen müsste, Impulse zu geben, um die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen.



Nach 10 Jahren wird Bargeld wieder zur Konkurrenz: Graph: John Authers, FT, May 15, 2018

Die Rendite der US-Staatspapiere mit 3 Monaten Laufzeit übertrifft zum ersten Mal seit der GFC (Great Financial Crisis) die Dividende-Rendite von S&P 500 Index.

Montag, 14. Mai 2018

Vorsicht bei weiteren Zinserhöhungen durch die Fed


Die Fed normalisiert die Geldpolitik seit zweieinhalb Jahren, sodass die Bilanz der US-Notenbank im Verhältnis zum BIP schrumpft. 

Und die Fed Funds Rate, der Tagesdurchschnittssatz für täglich fällige Kredite zwischen Banken steigt im Vergleich zu den Zinsen in wichtigen ausländischen Volkswirtschaften an.

Aber wie weit kann die Fed mit dem gegenwärtigen Kurs der Straffung der Geldpolitik gehen?

Das ist eine wichtige Frage, mit der sich James Bullard befasst.

Der Präsident der Fed St. Louis hat im Rahmen eines Referats am Freitag fünf Gründe dafür präsentiert, die zur Vorsicht mahnen:

Inflationserwartungen, der neutrale Zinssatz, die abflachende Renditekurve, der Spielraum für Unternehmensinvestitionen und die ausgleichenden Arbeitsmärkte.



Der US-Tagesgeldsatz im Vergleich zu den Leitzinsen im Euroraum und Japan, Graph: James Bullard, St. Louis Fed President in: “US monetary policy: A case for Caution”, May 11, 2018

Freitag, 11. Mai 2018

Europas Wirtschaft und Flaute am Arbeitsmarkt


Eine wirtschaftliche Flaute schliesst sich mit dem Konzept der Produktionslücke (output gap) zusammen, schreibt die EZB in dem am Donnerstag veröffentlichten Economic Bulletin (No. 3).

Die Produktionslücke ist definiert als die Differenz zwischen den Werten des realen BIP (beobachtbar) und der potenziellen Produktion (nicht beobachtbar), die wiederum dem Trend des realen BIP entspricht.

Das heisst die Höhe der Produktion, die erreicht werden kann, ohne einen Inflationsdruck auszulösen.

Das Konzept ist aber nicht unumstritten. Die Inflationsentwicklung ist auch von anderen Faktoren als nur von der Produktionslücke beeinflusst (wie z.B. Kostenschocks, Inflationserwartungen, Preissetzungsmacht, monetäre Konditionen usw.).

Liegt das reale BIP unter dem so definierten Potenzial, ist die Produktionslücke negativ. Das heisst, dass es eine Flaute in der Wirtschaft gibt, und der Inflationsdruck (ceteris paribus) eher gedämpft ist.


Produktionslücke im Euroraum; Schätzungen durch die EU Kommission, den IWF und die OECD, Graph: ECB in Economic Bulletin, issue 3, May 10, 2018

Donnerstag, 10. Mai 2018

USD-Stärke: Komplikationen für die EM und die Märkte


Die geopolitische Perspektive ist derzeit stürmisch.

US-Präsident Donald Trump ist, ohne mit der Wimper zu zucken, aus dem Iran-Abkommen ausgestiegen. 

Und Washington kritisiert gleichzeitig die Europäer, nur an Geschäften mit dem Iran interessiert zu sein.

Das brisante „trade-war“-Meme bleibt damit auf der Tagesordnung.

Während der Aufschwung in Europa noch auf sich warten lässt, klettert der USD allmählich höher und verschärft damit ein globales Problem: USD-Knappheit.

Ohne Zweifel bedeutet die US-Stärke für die EM ein Stress im Allgemeinen, da die Verschuldung des privaten Sektors zum wesentlichen Anteil in USD denominiert ist.


Eine langjährige Beziehung: EM (emerging markets) steigen, wenn die finanziellen Bedingungen in den USA expansiv sind, und fallen, wenn die finanziellen Konditionen beginnen, zu kontraktieren, Graph: John Authers in FT, May 9, 2018

Dienstag, 8. Mai 2018

Schuldenbremse und Unterbeschäftigung im Euroraum


Das ist das Versagen der neoliberalen Agenda im Euroraum in einem Chart.

Die folgende Abbildung, die von Peter Praet, EZB in einem Vortrag am Montag in Genf präsentiert wurde, zeigt, dass die Unterbeschäftigung im Euroraum acht Jahre nach GFC ("Great Financial Crisis") nach wie vor auf 17% verharrt.

Die Menschen sind gezwungen, mit part-time Jobs full-time Familien zu ernähren. Das ist ein Skandal.



Unterbeschäftigung im Euroraum, Graph: Peter Praet, ECB, in „Economic developments in the euro area“, Geneva, May 7, 2018

Freitag, 4. Mai 2018

Das symmetrische Inflationsziel und flachere Ertragskurve


Die US-Notenbank hat am Mittwoch den Leitzins (Fed Funds Rate) unverändert gelassen. Damit liegt der Zinssatz (Tagesgeldsatz), der für Interbankenkredite bezahlt wird, in der Spanne zwischen 1,50% und 1,75%.

Die Fed hat zugleich darauf hingewiesen, dass sich die Inflation der Marke von 2% annähere und das Inflationsziel symmetrisch sei.

Das ist so zu interpretieren, dass die Fed (mit der zweifachen Erwähnung des Wortes „symmetrisch“) ein Überschiessen über die 2% Zielmarke für zulässig hält.

Die US-Währungshüter unterstreichen im selben Statement, dass die Wirtschaft weiter graduelle, d.h. schrittweise Zinserhöhungen braucht.

Schliesslich wächst die US-Wirtschaft seit achteinhalb Jahren. Die Frage ist daher, wie lange diese Expansion noch andauert?


US Inflation gemessen an PCE Index, der von der Fed bevorzugt angesehen wird, Graph: Bloomberg, May 3, 2018