Donnerstag, 31. Mai 2012

German Bonds: Finanzmärkte fordern keine Fiscal Austerity


Die Rendite der deutschen Schuldtitel mit 2 Jahren Laufzeit ist gestern zum ersten Mal auf Null Prozent gefallen.

Auch deutsche Bundesanleihen mit 10 Jahren Laufzeit haben gestern mit einer Rendite von 1,261% so niedrig wie noch nie zuvor notiert.

Die German Bonds haben im Mai alles in allem einen Ertrag von 3,7% abgeworfen, während der Dax um mehr als 7% nachgelassen hat. Der Ertrag der deutschen Bundesanleihen hatte sich im Vorjahr laut Bloomberg auf 9,7% belaufen.

Die Bundesfinanzagentur hat sogar neulich eine zweijährige Anleihe mit einem Kupon von Null Prozent begeben.

Das alles bedeutet, dass die Finanzmärkte keine Fiscal Austerity in einem tiefen Abschwung fordern und in den nächsten 5 Jahren keine Inflation erwarten. Die Inflation ist in der gesamten Euro-Zone mittlerweile auf 2,4% gefallen. Die Kerninflation beträgt 1,6%.

Es gibt weit und breit keine Spur von Bond Vigilantes zu sehen. Ganz im Gegenteil: Die Märkte senden das Signal, dass die öffentliche Hand mehr Kredit aufnehmen soll, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln und das anhaltende menschliche Elend zu beenden.

Rendite der deutschen Bundesanleihen mit 2 Jahren Laufzeit, Graph: Bloomberg

Warum verehrt die EU-Elite aber die Austerity Doctrine so sehr? Warum fokussiert die Fiskalpolitik so beharrlich auf die Haushaltsdefizite anstatt auf die Beschäftigung?

Antwort: Die politische Agenda der EU-Behörden ist dafür verantwortlich, dass die Euro-Krise sich verlängert. Die „Troika“ will politische Veränderungen in den von der Krise besonders hart getroffenen Volkswirtschaft erzwingen, wo die Wähler niemals die Stimme dafür abgeben würden, wie Mark Weisbrot in einem lesenswerten Artikel in The Guardian beschreibt.

Das Ziel ist, den Sozialstaat zu demontieren, und zwar durch die Entlastung des Faktors Kapital und immer mehr Belastung des Faktors Arbeit.

PS:

Das Beispiel Spanien führt es deutlich vor Augen. In einem depressiven Umfeld der Wirtschaft, wo die Arbeitslosigkeit 23% beträgt und jeder zweite Jugendliche keine Beschäftigung hat, will die spanische Regierung die Ausgaben im Bildungswesen um 3 Mrd. Euro senken. Die öffentliche Hand will darüber hinaus die Ausgaben im Gesundheitswesen sage und schreibe um 7 Mrd. Euro reduzieren. Jetzt schon ist es klar, dass die drakonischen Sparmassnahmen dazu führen, dass die spanische Wirtschaftsleistung um 2,5% schrumpfen wird.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wenn sich der Deutschland zu 0% (2jährige Anleihen) finanzieren kann, wieso begibt der Staat dann nicht einfach noch mehr Anleihen als er eigentlich braucht, um dann damit (selbst mit den einfachsten Anlagen) Gewinn zu erwirtschaften?

CaesarJMD hat gesagt…

Wenn sich der Deutschland zu 0% (2jährige Anleihen) finanzieren kann, wieso begibt der Staat dann nicht einfach noch mehr Anleihen als er eigentlich braucht, um dann damit (selbst mit den einfachsten Anlagen) Gewinn zu erwirtschaften?