Montag, 5. November 2012

Warum es auf Wachstum ankommt


Das ist mein Beitrag zu Blogparade III: „Die Grenzen des Wachstums“.

Wie die Entwicklung in den vergangenen vier Jahren zeigt, ist der harsche Austeritätskurs kontraproduktiv. Austerität kann die Euro-Krise nicht beenden. Daher kommt es heute nicht auf die Grenzen des Wachstums, sondern auf das Wachstum per se an. Zumal es nicht die Staaten waren, die mit exzessiven Ausgaben die Krise ausgelöst haben.

Es gilt daher, das Augenmerk nach Wachstum zu richten.  Die Schuldenquote ist schliesslich ein Bruch: Schulden dividiert durch die Wirtschaftsleistung (d.h. das BIP). Will man die Schuldenquote reduzieren, muss man entweder den Zähler senken oder den Nenner erhöhen. Wenn die Wirtschaft schneller wächst als die Schulden, geht die Schuldenquote zurück. Eine Regierung kann jedes Jahr Schulden in Höhe von 2% des BIP anhäufen. Wenn die Wirtschaft mit nominal 4% wächst, bleibt die Schuldenquote bei 50% unverändert, wie Sebastian Dullien bildlich zum Ausdruck bringt.

Eine weitere Möglichkeit, den Nenner zu erhöhen, d.h. damit die Schuldenquote zu senken, ist, etwas mehr Inflation zuzulassen, vorübergehend natürlich, wie Wolfgang Münchau beschreibt. Da es sich beim Bruch um eine nominale Grösse handelt, würde das nominale BIP (z.B. 2% reales BIP-Wachstum + 4% Inflation) stärker (2+4=6%) wachsen, anstatt „nur“ 3% (wenn das reale BIP 2% und die Inflation 1% betragen). Das künftige Wachstum würde also das Problem lösen.

Austerität behindert das Investieren. Mehr Ersparnisse der privaten Haushalte bedeuten weniger Nachfrage für die Unternehmen. Null-Wachstum bedeutet Null-Investitionen. Die Marktwirtschaft ist wie ein Fahrrad: Bleibt sie stehen, kippt sie um, formuliert Heiner Flassbeck angemessen.

Die gestörte Verbindung zwischen Sparen und Investieren lässt sich in einer schweren Rezession nicht mit der Austerität, sondern mit mehr Wachstum wiederherstellen. Denn wenn die privaten Haushalte und Unternehmen in einer Bilanz-Rezession gleichzeitig die Gürtel enger schnallen, und auch der Staat durch die Kürzung der Ausgaben auf die Bremse tritt, dann vertieft sich die Rezession und die Verschuldung wird verstärkt. Es entsteht hohe Arbeitslosigkeit.

Das Geld ist derzeit gratis. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als heute, Geld am Markt aufzunehmen, um damit das Wachstumspotenzial zu steigern. Die niedrigen langfristigen Realzinsen bieten für die öffentliche Hand die Möglichkeit, in Infrastruktur, Bildung und Forschung (z.B. umweltschonende Energieversorgung) zu investieren.

Es ist nicht der Zeitpunkt, über die Grenzen des Wachstums zu diskutieren, sondern über den Kapitalstock, um die Situation der künftiger Generationen zu verbessern. Infrastruktur und andere reale Vermögenswerte sorgen dafür, dass die Menschen ein hohes Einkommen erzielen können. 

Die Lösung muss sich am Wachstum orientieren, um dem menschlichen Leid in Millionenhöhe endlich ein Ende zu setzen. Der Staat kann in der gegenwärtigen Depression das weltweit ausser Kontrolle geratene Finanzsystem stabilisieren und die Wachstumsdynamik der Marktwirtschaft vorantreiben.

PS:

Ökonomen-Blogparade wird von Blicklog, Wirtschaftsphilosph und Wirtschaftswurm organisiert und tatkräftig unterstützt.

Kommentare:

FabianFindus hat gesagt…

Hey ACEMAXX,schöner Beitrag.Sehe das momentan eigentlich genauso.Jedoch womit ich immer ein Problem habe ist,dass nach Investitionen etc,um Wirtschaft zu stimulieren und Wachstum zu generieren,es eigentlich nie dazu kommt die Schulden in den guten Zeiten teilweise zurückzuführen.Es gibt dann immer Ausreden.Wir wollen jetzt die blühende Konjunktur nicht abwürgen etc.Es müssen Boni gezahlt werden um die guten Leute zu halten....immer das gleiche blabla.Es stehen neue Wahlen vor der Tür es müssen wieder Geschenke verteilt werden.Wenn in den ersten zwei Jahren einer neuen Regierung nichts passiert ist,dann ist meist 4 Jahre Stillstand,wo viele Baustellen dann aus Angst vor Wählern etc verschoben werden.Schulden können wir immer noch später abzahlen.Und wenn die Wirtschaft wieder einbricht,steigt die Quote im Prinzip wieder und wir müssen noch höheres Wachstum generieren als vorher.Die Inkonsequenz im letzten Schritt ist das verstörende meiner Ansicht nach.Bsp BRD 600MRD €(ungefähr)Steuereinnahmen,es wird nichts reduziert stattdessen Einführung Betreuungsgeld,Abschaffung Praxisgebühr und das alles auf Pump,aber von anderen Ländern werden harte Einschnitte verlangt,obwohl man selber nicht Wasser trinkt,sondern Wein......und wer weiß,was noch kommt ^^

Gruß Fabian

Wirtschaftswurm hat gesagt…

Die Frage und das Problem ist aber doch: Lässt sich Wachstum einfach auf Knopfdruck herstellen? Ein Wunsch allein schafft ja noch keine Wirklichkeit.

Martin Burch hat gesagt…

Beitrag und Kommentare gehen am Hauptproblem vorbei: Wie soll ein scheinbar notwendiges immer währendes Wachstum auf einer endlichen Welt mit endlichen Ressourcen nachhaltig möglich sein!

greendolphinblog hat gesagt…

Ich stimme Martin Burch zu. Das einzige was in unserer Welt unaufhaltsam wächst sind die Schulden. Solange bis das System kollabiert. Dann geht's wieder von vorne los. Ein ständiges Wachstum ist nicht natürlich!

alien observer hat gesagt…

Ich denke. dass die Troika genau das erreichte was sie erreichen wollte.

Die grundsätzliche Fehlanahme der Acemaxx aufsitzt ist, dass eine Rettung Griechenlands tatsächlich die Agenda der Troika wäre.

Augenfällig will trotz gigaqntischen Milliardenaufwandes dieses vorgeschobene Ziel nicht gelingen.

Was gelang war die völlige Zerstörung des Sozialstaates, die radikale Reduktion der Löhne und die gnadenlose Privatisierung zu Ramschpreisen.

Dies sind nicht die "tragischen Begleiterscheinungen" der Austerität sondern ihr Ziel.

Griechenland wurde überfallen und ausgeraubt. Natürlich schafft das kein Wachstum!

"Kontraproduktiv" ist eine wirklich süß naive Art der Beschreibung der Auswirkungen der Austerität.