Donnerstag, 19. September 2013

In der Schweiz bleiben die Zinsen nahe null

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung mitgeteilt, dass sie unverändert am Mindestkurs von 1,20 CHF pro EUR festhält. Die SNB steht darüber hinaus bereit, den Mindestkurs, wenn nötig, durch den Kauf von Devisen in unbeschränkter Höhe durchzusetzen.

In der Tat ist der CHF nach vie vor hoch bewertet. In der Eurozone gibt es seit zwei Jahren keine Anzeichen auf eine Besserung der Konjunktur. Der Aufwertungsdruck auf den CHF bleibt daher latent bestehen.

Das Schweizer Bargeld ist gefragter als je zuvor. Der Notenumlauf beläuft sich in der Schweizer zur Zeit auf rund 60 Mrd. CHF. Der CHF wird im Sog der Finanzkrise von 2008 in erheblichen Umfang auch als Wertaufbewahrungsmittel verwendet. Die SNB handelt deshalb richtig, eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen nicht zu zulassen.

Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten sind unter-ausgelastet. Die Produktionslücke (output gap) hat sich zwar im ersten Quartal etwas verringert. Mit -1,3% bleibt sie aber weiter geöffnet. Und die Lage am Arbeitsmarkt ist nach wie vor eingetrübt.



Inflationsprognose für die Schweiz, Graph: SNB, Sept 19, 2013


Die langsame Erholung der Weltwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt. Aber die SNB weiss, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. In der Schweiz gibt es derzeit wie in den USA keinen Anlass für einen geldpolitischen Kurswechsel. Zumal die SNB per Gesetz die Aufgabe hat, (1) die Preisstabilität (sprich: Inflation und Deflation) zu gewährleisten und (2) dabei der konjunkturellen Entwicklung (sprich: Arbeitslosigkeit) Rechnung zu tragen.

Die Schweizer Währungshüter die vor rund zwei Jahren festgelegte Franken-Untergrenze jetzt nicht aufzuheben. Die SNB erleichtert dadurch das Wechselkursrisiko für die Schweizer Volkswirtschaft (Exporteure und Finanzinstitute).

Wenn die politischen Entscheidungsträger in der EU am harschen Kurs der Austerität festhalten, wie soll die SNB die Schweizer Industrie vor weiterem Schaden bewahren, wenn sie nicht einmal unkonventionelle Instrumente (wie z.B. Devisenmarktinterventionen, Forward Guidance) einsetzen darf? 

Die restriktive Fiskalpolitik mit der von der EZB relativ spät gebotenen akkommodierenden Geldpolitik  in der Eurozone hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. Die SNB unterstreicht daher die Bereitschaft, am Devisenmarkt weiter zu intervenieren, aber nicht um den CHF zu schwächen, sondern um eine übermässige Aufwertung der Landeswährung zu unterbinden. Die zusätzliche Nachfrage durch die SNB nach in EUR denominierten Staatsanleihen drückt ausserdem die Zinsen im Euro-Raum und schafft damit Wachstumsimpulse im Ausland. Bitte, gern geschehen, Brüssel.


PS:

Wirtschaftsprognosen der SNB von 19. September 2013:

Inflation
2013: -0,2%
2014: 0,3%
2015: 0,7%

BIP
2013:1,5%-2,0% (bisher: 1%-1,5%)

Kommentare:

Hardy hat gesagt…

"Das Schweizer Bargeld ist gefragter als je zuvor. Der Notenumlauf beläuft sich in der Schweizer zur Zeit auf rund 60 Mrd. CHF. Der CHF wird im Sog der Finanzkrise von 2008 in erheblichen Umfang auch als Wertaufbewahrungsmittel verwendet."

Ist bekannt, wie sich der Notenumlauf in den letzten Jahren - sagen wir ab 2006, also deutlich vor der Krise - entwickelt hat?

Acemaxx-Analytics hat gesagt…

So kommentiert die SNB die jüngste Entwicklung auf ihrer Home Page. Der Link im Text führt zum Chart.

Hardy hat gesagt…

Hallo nochmal,

die abgebildete Reihe beginnt aber irgendwo bei den Neandertalern, die Entwicklung der letzten Jahre wird ob der Skalierung kaum sichtbar. Gibt es eine feinere Abstudung?

Danke und Gruß,

Hardy

Acemaxx-Analytics hat gesagt…


Noten- und Münzumlauf


und als PDF


Noten- und Münzumlauf

Hardy hat gesagt…

Hallo,

Danke für die Quelle! Bei Banknoten um rund 20% hoch 2008-2013, das geht noch. Das hier ist allerdings krass: http://www.snb.ch/ext/stats/statmon/pdf/defr/B1_Notenbankgeldmenge.pdf

Gruß,

Hardy