Dienstag, 30. Juni 2015

Griechenland kurz davor

Es ist schon seit einiger Zeit offenkundig, dass die Schaffung von Euro ein schrecklicher Fehler war. Europa hatte nie die Voraussetzungen für die Einführung einer erfolgreichen gemeinsamen Währung, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne (“Greece over the Brink") am Montag in NYTimes.

Eine Währungsunion zu verlassen, ist jedoch eine viel schwierige und beängstigende Entscheidung als der Währungsunion in erster Linie beizutreten.

Aber die Situation in Griechenland hat jetzt, wie es aussieht, einen Punkt erreicht, an dem es keine Rückkehr gibt. Die Banken sind vorübergehend geschlossen worden und die Regierung hat Kapitalverkehrskontrollen verhängt. 

Es sieht sehr wahrscheinlich aus, dass die Regierung bald beginnen wird, Renten und Löhne mit Berechtigungsscheinen, d.h. mit der Schaffung einer Parallelwährung zu zahlen, erklärt der am Graduierten Zentrum der City University New York (CUNY) forschende Wirtschaftsprofesser.

Und nächste Woche will das Land ein Referendum darüber durchführen, ob die Forderungen der Troika angenommen werden sollen oder nicht, d.h. noch mehr Austerität oder nicht.



Griechenlands reales BIP, Graph: Paul Krugman in NYTimes Blog

Griechenland sollte mit Nein stimmen und die griechische Regierung sollte bereit sein, wenn notwendig, den Euro zu verlassen, legt Krugman nahe.

Um zu verstehen, warum, muss man realisieren, dass das Meiste, was man über Griechenlands Politik der Verschwendung und Verantwortungslosigkeit hört, falsch ist, betont der Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Ja, Griechenland hat über seine Verhältnisse gelebt, in den späten 2000er Jahren.

Aber all die Sparmassnahme waren mehr als genug, um das ursprüngliche Haushaltsdefizit zu beseitigen und einen grossen Überschuss zu verwandeln.

Warum ist das aber nicht passiert? Weil die griechische Wirtschaft zusammengebrochen ist, vor allem als Folge dieser harschen Sparpolitik, was die Einnahmen herunter gedruckt hat.

Und dieser Zusammenbruch hatte wiederum viel mit dem Euro zu tun, welcher Griechenland in einer wirtschaftlichen Zwangjacke festhielt. Erfolgreiche Fälle von Austerität betreffen i.d.R. grosse Währungsabwertungen. Aber Griechenland hatte diese Option, ohne eigene Währung, nicht.

Es ist leicht, sich in Details zu verlieren. Der wesentliche Punkt ist aber, dass Griechenland eine Offerte “take-it-or-leave-it” unterbreitet wurde, die in der Tat ununterscheidbar von der Politik vor fünf Jahren ist.

Fallen Sie nicht hinein in die Behauptungen von Troika-Beamten, die nur Technokraten sind, die ignoranten Griechen erzählen wollen, was sie tun sollen, so Krugman. Diese angeblichen Technokraten sind in der Tat Phantasten, die alles, was wir über die Makroökonomie wissen, missachten und auf dem Weg mit jedem Schritt falsch lagen.

Es geht laut Krugman nicht um Analyse, sondern um die Macht; die Macht der Gläubiger, die der griechischen Wirtschaft den Hahn zudrehen, die jedoch bestehen bleibt, solange Euro-Exit als undenkbar gilt.

Es sei nun Zeit, mit diesem Undenkbaren aufzuräumen. Sonst sieht Griechenland einer unendlichen Austerität gegenüber und einer Depression ohne den Hauch einer Chance für ein Ende.




Kommentare:

Johannes hat gesagt…

In seiner Analyse zur Griechenlandkrise unterliegt Herr Krugman einem Denkfehler. Griechenland hatte erst durch den Beitritt zum Euro Raum ein Wirtschaftswunder. Als die Finanzkrise dies zunichtemachte, war man nicht bereit die politischen Konsequenzen zu akzeptieren.
Auch wurde Griechenland nie ein Spardiktat unterzogen. Vielmehr hat der Finanzmarkt die Griechen die Sparpolitik aufgezwungen. Die Euro Staaten haben nur das Ganze abgefedert. Auch erhielt im Rahmen dieser Unterstützungsmaßnahmen einen Schuldenschnitt.
All das hat aber nicht geholfen, weil die griechische Regierung nicht willens war, die notwendigen administrativen Anpassung vorzunehmen. So versickerte das Geld der Gläubiger wieder in einem Sumpf von Inkompetenz und mangelhafter Verwaltung.
Das war der eigentliche Auslöser dieser heutigen Krise. Hätte Herr Krugman sich das Papier der Euro Staaten durchgelegen, wäre er sicher zu einer anderen Auffassung gelangt.

Martin Ha hat gesagt…

Erstaunlich ist, dass sich alle anderen eu Staaten gegen Griechenland stellen. Warum hat Paul krugmann neben Varoufakis keinen einzigen Fan bei den heutigen politischen Entscheidungsträgern?