Freitag, 20. Januar 2012

Tanz um Steuern für Reiche

Auch wenn es seltsam anmuten mag, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Freitagskolumne („Taxes at the Top“) in NYT, dass er Mitt Romneys Schauspiel von Dance of the Seven Veils (Tanz mit sieben Schleiern) geniesse. Es sei an der Zeit, dass wir darüber diskutieren, bemerkt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises.

Das Thema seines Tanzes sind Steuern, und zwar seine Steuern. Obwohl die Offenlegung von Steuererklärungen eine gängige Praxis für politische Kandidaten ist, hat Romney es nie so getan und er hat zunächst versucht, das Thema abzublocken, legt Krugman dar. Romney hat gesagt, dass er nur rund 15% zahle. Er deutete dann an, seine Erträge für 2011 zu veröffentlichen.

Wenn Romney die Wahrheit über seine Steuern sagt, ist er eigentlich mehr oder weniger typisch wohlhabend. Der Hauptgrund, warum die Reichen so wenig Steuern zahlen, ist, dass das meiste ihres Einkommens in Form von Kapitalerträgen erfolgen, die zu einem maximalen Steuersatz von 15% versteuert werden, also weit unter dem Satz für Löhne und Gehälter. Die Frage ist also, ob Kapitalerträge (drei Viertel davon entfallen auf die oberste 1% der Einkommensverteilung) eine solche spezielle Behandlung verdienen?

Verfechter von niedrigen Steuern für die Reichen bringen zwei Argumente vor: die niedrigen Steuern für Kapitalerträge sind ein altehrwürdiges Prinzip und sie sind notwendig, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern. Beide Behauptungen sind falsch.


Spitzensteuersatz für Kapitalgewinne, Graph: Prof. Paul Krugman

Hört man viel von niedrigen Steuern, die die Leute wie Romney zahlen, muss man wissen, dass es nicht immer so war. Die niedrigen Steuersätze für Kapitalerträge datieren vom Jahr 1997. Der Niedrig-Steuer-Status der Reichen ist also laut Krugman eine neuere Entwicklung.

Ist es also unerlässlich, dass die Reichen solch grosse Steuervorteile geniessen? Es gibt einen theoretischen Fall für eine besondere Behandlung. Aber es gibt ach theoretische und praktische Argumente gegen eine solche spezielle Behandlung. Insbesondere schafft die Lücke zwischen den Steuern auf Einkommen und Steuern auf Kapitaleinkommen einen perversen Anreiz, die Angelegenheit so zu ordnen, dass das Einkommen in der „richtigen“ Kategorie“ erscheint.

Die ökonomische Vorgeschichte rechtfertigt die Vorstellung nicht, dass Superniedrigesteuersätze für Superreiche der Schlüssel für den Wohlstand sind, erklärt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor. Während der ersten Amtsperiode des Präsidenten Clinton, als die Reichen viel höhere Steuern zahlten als jetzt, sind 11,5 Mio. Arbeitsplätze geschaffen worden, was alles, was auch nur in guten Jahren der Bush-Regierung erreicht wurde, in den Schatten stellt.

„Romneys Steuertanz leistet uns allen durch die Schaustellung der unklugen, ungerechten und teuren Begünstigung der Oberschicht einen Dienst,“ fasst Krugman zusammen. Wenn die selbsternannten ernsthaften Leute sagen, dass die Armen und die Mittelschicht im Namen der fiskalpolitischen Integrität leiden müssen, sind solche niedrige Steuersätze für Reiche einfach nicht haltbar.

Kommentare:

Tim S Wall Street hat gesagt…

Wir hatten eine Zeitlang in Deutschland ein Aktien-Paradies. Alle Gewinne aus Wertpapieren, die länger als ein Jahr lang im Depot lagen, waren komplett von der Steuer befreit. Milliardäre haben auf diesem Weg ihr Vermögen zum Steuersatz von 0 Prozent gemehrt, das hat kaum jemanden gestört in der BRD.

Weltweit war dieses steuerfreie System ziemlich selten.
Insofern ist der US-Satz von 15% mehr als wir Deutschen lange Zeit hatten.

Anonym hat gesagt…

Stimmt, noch dazu die kurze Spekulationsfrist bei Immobilien... allerdings bin ich für mehr Gerechtigkeit in der Besteuerung... Die Kapitalerträge arbeiten für mich, keine Anstrengung meinerseits ist erforderlich.. warum sollte eine stressige Arbeitsstunde als Mensch höher besteuert werden als den Dienst, den mein Kapital verrichtet... ist doch irgendwie krank...