Sonntag, 30. März 2014

Kompetenzen-Zombie und Depression

Einer der frustrierendsten Aspekte der wirtschaftlichen Debatte seit 2008 ist die Präferenz von einflussreichen Menschen für Geschichten über unsere Probleme, die sich ernsthaft anhören als die, die tatsächlich ernsthaft sind, schreibt Paul Krugman in seinem Blog.

Die Realität war die ganze Zeit, dass die Wirtschaft schwer angeschlagen (depression) ist, weil es an gesamtwirtschaftlichen Verbrauch mangelt. Aber die Politiker und Experten sind nur an schwierigen Entscheidungen interessiert. Und sie weigern sich laut Krugman, einzusehen, dass die schrecklichen Probleme einfache Antworten haben könnten.

Das verheerendste Beispiel ist natürlich die Defizit-Besessenheit. Die Besessenheit von Defizit ist ein wenig verblast. Aber es gibt noch andere, nämlich die Vorstellung, dass wir grosse Probleme haben, weil Arbeitskräften notwendige Kompetenzen fehlen.

Das ist eine Zombie-Doktrin; eine Glaubenslehre, die durch die Beweise immer wieder widerlegt wird und daher längst tot hätte sein sollen.

Noch hält die Geschichte über Kompetenz in angeblich gut informierten Kreisen Stellung. Aber wie Krugman denkt, ist das deswegen der Fall, weil es sich seriös anhört, weil sie eben von angeblich seriösen Menschen vorgetragen wird.

Die traurige Wahrheit ist, dass die Katastrophen, die durch den Ausfall der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausgelöst werden, im Grunde genommen eine einfache wirtschaftliche Antwort haben: Erhöhung der Ausgaben! Die öffentliche Hand müsste die hohen Ersparnisse von Unternehmen und privaten Haushalten aufnehmen.

Die Psychologie der politischen Eliten ist aber viel mehr, dass sie im Allgemeinen es zurückweisen, an diese Antwort zu glauben und stattdessen nach schwierigen Entscheidungen suchen, wie Krugman beschreibt.

Und das Ergebnis ist, dass die ökonomische Flaute sich fortsetzt, bis so etwas wie ein Krieg passiert, um die Politik aus dieser geistigen Haltung aufzurütteln.



1 Kommentar:

Sybille Stoa hat gesagt…

Ich widerspreche:
Erster Fehler in Europa war es Staaten und Banken auf Steuerzahlerkosten zu retten. Entweder dies passierte durch eine Erhöhung der Staatsschulden wie in Irland oder eine Erhöhung der Steuereinnahmen. Wenn dann wurden hier breite Massensteuern überall in Europa erhöht, meist auf Arbeit und Realwirtschaft. (Höhere Steuern auf Arbeit wirken beschäftigungshemmend und höhere Steuern auf Realwirtschaft wirken wachstumshemmend)
Es wurde somit Vermögenswerte der Reichen auf Banken durch Belastung der arbeitenden und real unternehmerischen Bevölkerung gerettet. (Besser die EZB hätte gedruckt)

Jetzt gehen viele davon aus, dass die öffentliche Hand besser Geld investieren kann, als Private!
Nein ich komne aus Österreich und hier kann es der Staat nicht, denn im Staatsdienst gibt es teilweise Luxuspensionen mit Rente bis zu 17.800€ monatlich und manche öffentliche Einrichtungen zocken mit wildesten cross-currency swaps, futures, derivate, aber die Steuern und Kosten betreffend die untere Mittelschicht wurden erhöht, die Arbeitszeit der Ärzte auf 76h / Woche ausgedehnt und einige Polizei Dienststellen geschlossen. Dafür wurden Verwaltungsbeamte mit +26% Gehaltserhöhung belohnt, während die reale Wirtschaft 12% Wachstum hatte und Löhne um 3% wuchsen.
Die öffentliche Hand war es ja, die entgegen der neoliberalen Insolvenzregelung die Banken alle auf Steuerzahlerkosten rettete!

Wieso sollte sie jetzt was sinnvolleres machen, wenn man ihr Geld gibt?