Mittwoch, 2. Juli 2014

EZB, SNB und Schweizer Franken

Die EZB hat am 5. Juni 2014 einen Negativzinssatz (-0,10%) für die Einlagefazilität eingeführt.

Die SNB hat am 19. Juni 2014 bekräftigt, unverändert am Mindestkurs von 1,20 CHF pro EUR festzuhalten. Der Franken ist nach wie vor hoch bewertet, unterstrich Thomas Jordan, SNB-Präsident.

Die SNB wird den (im September 2011 eingeführten) Mindestkurs weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen. Zu diesem Zweck ist sie bereit, wenn nötig unbeschränkt Devisen zu kaufen und bei Bedarf weitere Massnahmen zu ergreifen, hiess es auf der Pressemitteilung.

Damit hat die SNB klar kommuniziert, dass sie auf Kurs bleibt:

Die Zinsen wurden das 12. Quartal in Folge unverändert gelassen. Die SNB hat aber am 19. Juni die Inflationsprognose für 2015 (auf 0,3%) und 2015 (auf 0,9%) nach unten korrigiert. Die Prognose beruht auf einem 3-Monats-Libor von 0% über die nächsten drei Jahre. Für die Schweiz besteht damit auf absehbare Zeit weiterhin keine Inflationsrisiken, so die SNB.

Die Niedriginflation stellt für die Schweizer Wirtschaft daher nach wie vor das grösste Risiko dar. Wenn das Land wieder in Deflation geriete, müsste mit weiteren Aktionen durch die SNB gerechnet werden.



Prognosen für den EUR/CHF Wechselkurs, Graph: Morgan Stanley

Die SNB hat zwar im Financial Stability Report 2014 hervorgehoben, dass die ökonomischen und finanziellen Bedingungen sich inzwischen verbessert haben. Aber es bleiben erhebliche Risiken bestehen.

Der SNB stehen im Wesentlichen drei Optionen zur Verfügung: (1) Kapitalverkehrskontrollen, (2) negative Zinsen und (3) Erhöhung des Mindestwechselkurses.



Prognosen für den USD/CHF Wechselkurs, Graph: Morgan Stanley

Die erste Option ist politisch nicht gerade populär. Die zweite Option hätte nur geringe Auswirkung, da die safe-haven-Zuflüsse inzwischen erheblich zurückgegangen sind. Die dritte Option erscheint vor diesem Hintergrund eher realistisch, vor allem, dann, wenn die Deflationsgefahr sich verschärft. Zumal eine weitere Senkung der Zinsen die reale Last der Schulden inbesondere im Hinblick auf die kritische Situation auf dem Immobilienmarkt steigern würde und deshalb nicht von Vorteil ist.

Es ist also in absehbarer Zeit eine Schwächung des CHF/EUR Wechselkurses zu erwarten, auch wenn die EZB die Zinsen gesenkt und negative Verzinsung für die Einlagefazilität eingeführt hat.


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Die Schweizer-Franken-Anbindung an den Euro ist Fluch und kein Segen:

http://schweizblog.ch/allgemeines/5350/

Sie fesselt die Entscheidungsfreiheit der SNB an die EZB.