Sonntag, 19. Februar 2012

Fiskalpolitik und Beschäftigung

Brad DeLong fühlt sich durch die Antworten der Ökonomen, die an der Umfrage im Rahmen des traditionellen IGM Forum der Chicago University teilgenommen haben, ermutigt.

Die Frage lautet, dass die amerikanische Arbeitslosenquote aufgrund des American Recovery and Reinvestment Act (2009) am Ende des Jahres 2010 niedriger war, als es ohne das Konjunkturpaket gewesen wäre.

Am Anfang des Jahres 2009 lauteten die Argumente, dass das Konjunkturprogramm (ARRA) die Arbeitslosenquote in den nächsten zwei Jahren nach seiner Inkraftsetzung nicht nach unten drücken würde, hauptsächlich in einer der folgenden drei Linien, beschreibt der an der University of California, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessor in seinem Blog:

(1) Die Arbeitslosigkeit ist nicht zyklisch, sondern strukturell, sodass, was auch immer die Ausgaben erhöht, die Preise und die Löhne höher treiben würde, da Unternehmen versuchen würden, die Nachfrage gegenüber einem festen Pool von Arbeitnehmern mit Null-Grenzkosten untereinander zu befriedigen.

(2) Die Staatsausgaben müssen durch die Ausgabe von Staatsanleihen finanziert werden und die Emission von Staatspapieren würde die Zinsen höher treiben und die privaten Investitionen zurückdrängen (crowding-out).

(3) Die Staatsausgaben müssen durch die Ausgabe von Staatsanleihen finanziert werden und die zukünftigen Steuern müssen die zusätzlichen Schuldtitel amortisieren, was die Unternehmen und Investoren abschrecken würde, sodass die Aktienkurse einstürzen würden, weil die Angst die privaten Investoren entmutigen würde.

Fiskalpolitik und Wachstum

Christina Romer erklärt in einem lesenswerten Interview („Five Books Interviews“) mit The Browser die Rolle der Fiskalpolitik. Als Perspektive verwendet die an der University of California, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessorin das im Jahr 1970 veröffentlichte Buch von Lester Chandler („America’s Greatest Depression“).

Das Buch liefert eine tolle Beschreibung, was während der Grossen Depression in den USA geschah. Besonders stark werden im Buch die wirtschaftpolitischen Massnahmen (im Zusammenhang mit dem New Deal), die damals getroffen wurden, dargelegt.

Was man u.a. aus dem Buch lernt, ist, dass Präsident Roosevelt alles versucht hat. Die politischen Entscheidungsträger wussten in den 1930er Jahren nicht viel darüber, was die Geld- und Fiskalpolitik leisten könnten. Deshalb versuchten sie alle möglichen Dinge, wie Wohnungspolitik, Agrarpolitik, verschiedene Arten von Kreditpolitik. Es wurde sogar der Industrie heimlich erlaubt, die Preise zu erhöhen. Doch vielen Massnahmen waren kaum Erfolg beschieden. Und diejenigen Massnahmen, die erfolgreich waren, waren oft nicht weit genug.

Das betrifft v.a. die Fiskalpolitik, hebt Frau Romer hervor. „Chandlers Buch erinnert uns an etwas, was oft in Vergessenheit gerät, dass die fiskalische Antwort auf die Great Depression einfach nicht sehr gross war. In der Tat ging die Fiskalpolitik unter Präsident Hoover in die falsche Richtung“, erklärt die ehemalige Vorsitzende des wirtschaftlichen Beratungsausschusse des US-Präsidenten Obama.

Als das Haushaltsdefizit anstieg, weil die Steuereinnahmen wegen der hohen Arbeitslosigkeit zurückgingen, war Hoovers Antwort eine grosse Steuererhöhung: Revenue Act von 1932. Diese fehlgeleitete freiwillige fiskalische Kontraktion war ein anderer Grund, warum die Wirtschaft weiter zurückfiel. Depression war so schrecklich, wie sie war, betont Romer mit Nachdruck.

Samstag, 18. Februar 2012

Bubbles und Bunnies

Playboy unterhält sich mit Paul Krugman in einem lesenswerten (langen) Interview über Konjunkturabschwung, Vertrauen Fee, Aliens und Präsidentschaftswahlen 2012.

Auf die Frage, ob der Euro und die EU tot sind, antwortet der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor: „Am Rande“. Die Europäer brauchen drastische Massnahmen (wie z.B. Geld-drucken) und es sieht höchst zweifelhaft aus, dass sie es tun würden.

Krugman hält ein Auseinanderbrechen des Euro, mit wichtigen Akteuren, die gezwungen werden, auszutreten, also nicht mit nur Griechenland, für möglich. Das werde die EU nicht töten, die ja mit dem Euro nicht identisch ist, aber es wird sie verletzen. Und ja, das sollte auch die USA was angehen.

„Wir wollen ein starkes, erfolgreiches demokratisches Europa. Sie sind in Bezug auf die grundlegenden Werte unsere besten Freunde in der Welt“. Europas Scheitern würde die USA isolieren und schwächen.

Freitag, 17. Februar 2012

Konservative Politiker und arme Bürger

Die Idee, dass die Mitglieder der faulen Arme („idle poor“) staatliche Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen, die sie nicht verdienen, und im Prozess die Vorteile derjenigen, die es verdienen, gefährden, gehört, wie Mark Thoma in seinem Blog beschreibt, zu der bequemen Fiktion derjenigen, die aus ideologischen Gründen daran arbeiten, das Gewicht des Staates abzubauen.

Vor diesem Hintergrund schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Freitagskolumne („Moochers Against Welfare“) in NYT, dass Atlas zunächst die Welt abgeworfen, und dann in Verwirrung sich am Kopf gekratzt habe.

Was meint der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008) damit? Moderne Republikaner sind sehr konservativ. Man darf sogar sagen (wenn man Mitt Romney wäre), dass sie streng konservativ sind. Und was diese krankhaft strengen Konservative v.a. hassen, ist die Abhängigkeit von staatlichen Unterstützungsprogrammen. Rick Santorum erklärt, dass Präsident Obama Amerika an „Rauschgift Abhängigkeit“ zappeln lässt. Romney warnt davor, dass die staatlichen Zuwendungen „Passivität und Trägheit“ fördern.

Paul Ryan schreibt vor, dass seine Mitarbeiter Ayn Rands „Atlas Shrugged“ lesen, wo die herorischen Kämpfer sich gegen die „Schmarotzer“ wehren, die versuchen, ihnen den völlig verdienten Reichtum zu stehlen. Ein Kampf, den die Helden durch die Rücknahme ihres produktiven Einsatzes und das Halten von endlosen Reden gewinnen.

Fed und Niedrigzinspolitik

Ben Bernanke, Fed-Vorsitzender hat gestern auf der Community Banking Conference in Arlington gesagt, dass die US-Notenbank die Bedenken verstehe, dass die niedrigen Zinsen die Netto-Zinsmargen (net interest margins) zusammenpresse und dass strengere Vorschriften die Kreditvergabe erschweren.

Aber er hat sowohl die Geldpolitik als auch die Regulierungspolitik durch die Fed im Zuge der Finanzkrise in Schutz genommen, wie das WSJ berichtet.

Der Zweck der Niedrigzinspolitik der Fed ist, um die Erholung der Wirtschaft zu fördern, was die Kreditnachfrage und die Chancen für das profitable Kreditgeschäft ankurbeln und neben vielen anderen Vorteilen schliesslich zu höheren Netto-Zinsmargen führen werde.

Donnerstag, 16. Februar 2012

USA versus Eurozone

Die Volkswirtschaften auf beiden Seiten des Atlantiks haben mit dem Schlag der Great Recession 2008-2009 einen BIP-Rückgang um jeweils 5% erlitten.

Während die US-Wirtschaft sich nun erholt, rutscht die Eurozone erneut in eine Rezession (d.h. Double-dip). 


Das ist der Unterschied zwischen Deficit Spending (USA) und Fiscal Austerity (Eurozone).


BIP (real) im Vergleich: USA versus Eurozone, Graph: Early Warning (via FT Alphaville)

EU-Frühwarnsystem mit Doppelmoral

Die Euro-Krise führt dramatisch vor Augen, wie Europa wegen der Ungleichgewichte im Aussenhandel aus dem Ruder gelaufen ist. Es waren nicht die Defizite in den Haushalten, sondern die Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen, die die Krise ausgelöst haben.

Der Kern der Eurozone hat seit der Einführung der Gemeinschaftswährung keine Gelegenheit ausgelassen, die Peripherie der Eurozone zu animieren, Waren auf Pump zu kaufen.

Deutschland hat seit 10 Jahren mit Überschüssen in der Leistungsbilanz hohe Forderungen gegenüber der entwicklungsfähigen Peripherie gestapelt. Und Berlin hat von Brüssel bemerkenswerterweise verlangt, bei der Beurteilung der makroökonomischen Ungleichgewichten auf die kritische Evaluierung von Überschussländern zu verzichten.

Nun legt die EU-Kommission endlich den Alert Mechanism Report vor. Es geht dabei um die Ergebnisse des neuen Frühwarnsystems.

Die EU-Kommission legt dabei 10 Kriterien (Indikatoren) zugrunde, um vor Ungleichgewichten in der Euro-Zone zu warnen.


Alert Mechanism Report (EU Frühwarnsystem), Graph: EU Commission