Dienstag, 4. August 2015

Deutsche Wirtschaft begegnet Risiko aus China

Seitdem die chinesische Börse in den vergangenen Monaten eingebrochen ist, ist Europas Wirtschaft in banger Erwartung. Immerhin hat Chinas Aktienmarkt seit Mitte Juni 30% an Wert verloren, was 3’500 Mrd. Dollar entspricht.

Das Unbehagen in Europas Unternehmen ist daher nachvollziehbar. Der Einkaufsmanager-Index ist zuletzt auf 47,5 Punkte gefallen. Der Wert unterhalb der Marke von 50 deutet auf eine schrumpfende Wirtschaft hin.

Sollte China’s Wachstum unerwartet ins Wanken geraten, ist Deutschland angesichts der tiefen Integration via Handel und Direktinvestitionen wahrscheinlich das am meisten gefährdete EMU-Land, schreiben Analysten von Morgan Stanley in einer am Montag vorgelegten Studie.

Darüber hinaus käme es möglicherweise via second-round trade effects auch zu spillover-Folgen für Deutschlands Handelspartner in Europa.

Rückwirkungen über den Bank-Kanal dürften nicht gross sein, weil die Integration via Finanzmarkt noch begrenzt ist, schätzen die Analysten weiter.


Deutschlands Exporte nach China, Graph: Morgan Stanley

China is Deutschlands viertgrösster Handelspartner gemessen an Ausfuhren, nach Frankreich, den USA und Grossbritannien. Deutschland hat sein Exportgeschäft seit der Finanzkrise von 2008 verstärkt und das Handelsvolumen mit China verdoppelt.



Deutschland ist das einzige EMU-Land mit Überschuss im Handel mit China, Graph: Morgan Stanley

Allerdings gehen die Ausfuhren seit Ende 2014 zurück, wie in der folgenden Abbildung dargestellt ist.



Deutschlands Exporte nach China verlangsamen sich seit Ende 2014, Graph: Morgan Stanley


Das direkte Exposure der Euro-Raum Banken in China belief sich im vergangenen Jahr auf 138 Mrd. US-Dollar, weniger als das britische Exposure mit 198 Mrd. US-Dollar.

Die Verbindlichkeiten der französischen Banken betragen 55 Mrd. US-Dollar, gefolgt von Deutschland mit 38,8 Mrd. US-Dollar.


Frankreich ist das Land mit dem grössten Exposure in China via Bank-Sektor, Graph: Morgan Stanley

Friede, Freude und Eierkuchen-Stimmung in Sachen China scheint vorerst vorbei.

Die ganze Entwicklung hängt natürlich zum Teil davon ab, wie die Einfuhren reagieren. Wenn die Binnennachfrage vom Rückgang der Ausfuhren betroffen wird, kann vorkommen, dass die Abnahme und/oder Verlangsamung der Einfuhren den negativen Beitrag der fallenden Ausfuhren auf das Wachstum etwas abmildert.




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Könnten Sie mir verraten, wo ich die Studie von Morgan Stanley finde? Leider konnte ich sie nirgends finden. Vielen Dank!

Acemaxx-Analytics hat gesagt…

nur für MS Kunden