Donnerstag, 28. Februar 2008

US-Wirtschaft: Stagflation wie in den 1970er Jahren?

Mittlerweile ist festzuhalten, dass die Kredit- und Hypothekenkrise drei konkrete Spuren hinterlassen hat: 1) Wachstumsverlangsamung, 2) steigende Inflation und 3) US-Dollar-Abwertung. Für die US-Notenbank (Fed) folgt daraus jedoch ein regelrechtes Tauziehen. Sollen die amerikanischen Währungshüter die Inflation bekämpfen oder das Wachstum unterstützen?

Der Fed-Chef Ben Bernanke hat vergangene Woche vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses vor einer weiteren Abschwächung der Konjunktur gewarnt. Er machte zugleich deutlich, welchem Ziel die Top-Priorität gilt: Unterbindung der Rezessionsgefahr. Die Fed erwartet nämlich, dass die Wachstumsschwäche den Inflationsdruck in den nächsten Monaten mildern wird. Der US-Dollar ist allerdings nach der Rede von Bernanke über die Marke 1,51 Dollar gesprungen. Der Greenback hat damit in den vergangenen vier Jahren gegenüber einem Korb von wichtigsten 6 Hauptwährungen rund 24% an Wert verloren. Das ist das niedrigste Niveau für den US-Dollar seit 1973.

Wie verhalten sich aber die Anleger in diesem Marktumfeld? Die setzen auf Assetklassen, die sie als inflationsresistent betrachten: Gold und Rohstoffe. Der Weizen ist beispielsweise derzeit so teuer wie noch nie zuvor. Vergangene Woche wurde an der Terminbörse Chicago 12 Dollar je Scheffel bezahlt.

Fazit: Die Fed nimmt die Inflation kurzfristig in Kauf. Sobald aber das Wirtschaftswachstum den erwünschten Verlauf an den Tag legt, dürfte die US-Notenbank anfangen, die Leitzinsen sofort wieder anzuheben. Das reale Zinsniveau ist heute halb so hoch wie im Durchschnitt der 1990er Jahre. Das niedrige Niveau der Realzinsen bedeutet, dass die Anleger früher oder später beginnen müssten, wieder nach Renditen zu jagen. Als höher rentierliche Anlagen müssten daher Aktien wieder in den Mittelpunkt der Anlagestrategien rücken. Wann sich aber die Risikoaversion am Markt legen wird, ist derzeit ungewiss. Eine Wende zeichnet sich jedoch momentan zumindest bis Mitte Jahr nicht ab.

Montag, 25. Februar 2008

Erdölpreis zwischen Aufschwung und Abschwung

Der Preis für das Fass Erdöl knackte am 3. Januar die 100-Dollar-Marke. Dann notierte er Ende Januar 10% tiefer. Vergangene Woche stieg der Erdölpreis erneut auf 100 Dollar pro Barrel.

Was bewegt den Ölpreis? Die starken Preisanstiege waren in der Vergangenheit wie 1973 (Ölembargo) und 1979/80 (zweiter Golfkrieg) auf politische Unruhen bzw. kriegerische Auseinandersetzungen zurückzuführen.

Das globale Ölangebot verläuft aber seit geraumer Zeit sehr schleppend. Der Grund ist, dass die Ölreserven zu Ende neigen. Es gibt kaum neue, nennenswerte Entdeckungen von Ölvorkommen. Falls neue Reserven entdeckt werden, weiss man, dass die Förderung sehr aufwändig und die Erschliessung kostspielig sind. Andererseits ist es augenfällig, dass das Angebot mit der Nachfrage derzeit nicht Schritt halten kann. Der Erdölverbrauch nimmt v.a. in den aufstrebenden Ländern stark zu. Zum Beispiel in China. China ist zur Zeit für rund 9% der weltweiten Ölnachfrage verantwortlich.

Ferner ist die Dynamik des Ölpreisanstiegs auf strukturelle Veränderungen im Energie- und Rohstoffmarkt zurückzuführen. Nachdem der Start ins neue Börsenjahr regelrecht misslungen ist, suchen die meisten Anleger Orientierung. Spekulative Kräfte setzen dabei auf Rohstoffe als „neue“ Asset-Klasse.

Sonntag, 24. Februar 2008

Zinspolitik der EZB

Soll die EZB wegen der Abschwächung des Wirtschaftswachstums dem Vorbild der amerikanischen Notenbank (Fed) folgen und ihren Leitzins senken oder nicht? Der EZB-Chef Trichet betonte in der Pressekonferenz vom 7. Februar, dass es beträchtliche Risiken für die Preisstabilität gebe. Und er hat sich gegen eine aktive Fiskalpolitik in Europa ausgesprochen.

Warum? Nach der Theorie der EZB verhindern strukturelle Rigiditäten Wirtschaftswachstum und verursachen Stagnation und hohe Arbeitslosigkeit. Eine expansive Wirtschaftspolitik, egal ob Fiskal- oder Geldpolitik, wird deshalb als wirkungslos angesehen, um Wirtschaftswachstum und Beschäftigung anzukurbeln.

Verfechter dieser Ansicht rufen jetzt wieder nach Reformen. Vor allem fordern sie Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Déjà vu?! Zur Erinnerung: Die letzte Rezession fand in den USA 2001 statt. Die Erholung ging so vonstatten, dass dabei keine Arbeitsplätze entstanden. Daher das Stichwort „jobless recovery“. Fünf Monate danach, nachdem die Fed ihren Leitzins um insgesamt 200 Basispunkte gesenkt hatte, hatte die EZB im Mai 2001 begonnen trotz einer deutlich über 2,2% liegenden Inflationsrate, die Leitzinsen zu senken. Grund: gestiegene Konjunkturrisiken.

Volkswirte rechnen gegenwärtig für 2008 im Schnitt nur noch ein Wachstum von 1,6%. Deutlich weniger als die EZB-Projektion von 2,0%. Das Wachstumspotenzial der Euro-Zone wird auf rund 2,0% geschätzt. Knapp drei Viertel der Volkswirte gehen deshalb davon aus, dass der nächste Zins-Schritt der EZB auf jeden Fall eine Senkung sein werde.

All Together Now. Common Sense for a Fair Economy

Buchbesprechung:

Jared Bernstein: „All Together Now”. Common Sense for a Fair Economy. Berrett-Koehler Publishers, San Francisco, 2007.


Hurrikan Katrina gilt als eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Der Hurrikan richtete v.a. im Grossraum New Orleans im August 2005 enorme Schäden ein. Durch den Sturm und seine Folgen kamen mehr als 1'800 Menschen ums Leben. Der Sachschaden belief sich auf rund 81 Mrd. Dollar. Ungefähr 1 Mio. Menschen wurden aus dem Gebiet evakuiert. Die Behörden auf kommunaler Ebene und des Bundesstaat beschuldigten sich jedoch gegenseitig. Die Bundesbehörde für den Katastrophenschutz (Federal Emergency Management Agency = FEMA) war unfähig, Hilfe zu leisten. Dabei hatte die FEMA während der Mississippi-Überflutung 1993 und des Northridge-Erdbebens 1994 in der Clinton-Ära speditiv reagiert und hervorragende Arbeit geleistet. Hintergrund: die Bush-Administration hat der FEMA mit der Amtsübernahme die Finanzmittel drastisch geschnitten, weil sie die Ansicht vertrat, dass die Bundesstaaten und die Städte besser daran wären, wenn sie sich bei Katastrophen auf „schicksalsbasierende“ Organisationen stützten. Nun waren während und nach der Katrina-Katastrophe viele Leute, insbesondere alte, arme und kranke nicht in der Lage aus den Überflutungsgebieten zu fliehen. Die Mehrzahl der Zurückgebliebenen war übrigens African Americans.


Bezugnehmend darauf analysiert dieses Buch die politische und sozialphilosophische Entwicklung des „extremen Individualismus“, der sich seit den 1970er Jahren in den USA breitmacht. Es geht immer mehr nur um das eigene Ich. „Zieh dich selber aus dem Schlamassel“ lautet die Kernmaxime des Mentalitätswandels. Mit anderen Worten geht es im Grunde genommen um eine Risikoverschiebung innerhalb der Gesellschaft. Der Staat zieht sich aus der Verantwortung zurück. Öffentliche Aufgaben werden auf private Schulter ausgelagert, bewusst und allmählich. Die hemmungslose Betonung des Individualismus hat Bernstein’s Meinung nach mittlerweile einen Punkt erreicht, wo „wir verhungern“.

Bernstein benennt den grassierenden Hyper-Individualismus „Es liegt an dir“-System („you are on your own“, kurzum YOYO). Die Notion laute dabei, egal was für Herausforderungen wir als Nation gegenüberstehen, man solle allein damit auskommen und für sich selbst sorgen. Sein Gegenkonzept heisst: „We are in this together“, kurzum WITT. Er betont mehrfach, dass er nicht für „mehr Staat“ plädiert. Nur das Gleichgewicht zwischen individueller und kollektiver Aktion soll wiederhergestellt werden. Und das kann erreicht werden, ohne an dem Anteil der Staatsausgaben am BIP zu rühren. Am langfristigen Schnitt beträgt die amerikanische Staatsquote 20%. Das bedeutet rund 9'000 Dollar pro Bürger. Diese Grösse gilt für den Autor als Orientierung. Er zeigt stichhaltig auf, warum die drei Prinzipien von YOYO „mehr Markt, noch weniger Staat und mehr Individualismus“ fehlschlagen, wenn es um Themen wie „Pensionierung, Gesundheitswesen, Arbeitslosigkeit, Globalisierung und steigende Ungleichheit“ geht. Zum Marktversagen zählen darüber hinaus; Massenentlassungen, Rezession, Spekulationsblase an Immobilienmarkt, fehlende Krankenversicherung usw. Bernstein listet konkrete Vorschläge auf, wie ein Mentalitätswandel weg von YOYO hin zu WITT realisiert werden kann. Er bringt u.a. ein eindrückliches Beispiel aus England: die erfolgreiche Bekämpfung der Kinderarmut mit staatlicher Hilfe unter der Ära von Tony Blair. Dieses leidenschaftlich geschriebene Buch gibt nützliche Denkanstösse und wirkt wie ein „Wach-auf!“-Ruf. Empfehlenswert.

Der Autor Jared Bernstein arbeitet für die Economic Policy Institute seit 1992 und hat zahlreiche Publikationen und TV-Auftritte als Kommentator. Er besitzt einen Doktortitel der Columbia University im Bereich „Soziale Wohlfahrt“.

CEZMI DISPINAR

*erschienen in der Ausgabe 182 vom 26. Oktober 2007

Entspannung am Geldmarkt

Am Geldmarkt hat sich die Lage inzwischen etwas entspannt. Der 3-Monats-Euribor hatte Ende Dezember 4,9% betragen. Zu diesem Zinssatz, der nach dem Ausbruch der Kreditkrise fast einen ganzen Prozentpunkt über dem Leitzins der EZB gelegen hatte, leihen sich Banken Geld für eine entsprechende Frist. Auch der 3-Monats-Libor für US-Dollar lag zu Jahresbeginn bei 4,9%, also deutlich höher als der Fed-Leitzins. Das ist sehr ungewöhlich und gilt als Gefahrensignal. Dieser Spread beträgt normalerweise 20-30 Basispunkte. Wie der Tabelle unten zu entnehmen ist, scheinen sich die Gemüter am Geldmarkt indes etwas zu beruhigen.

Währung

Leitzins

3-Monats-Libor

10 Jahre Rendite

Euro

4%

4,33%

4,00%

US-Dollar

3%

3,10%

3,75%

CHF

2,25-3,25%

2,78%

2,92%

3-Months Bills
Euro: German Government Bonds; 3,90%
US-Dollar: US-Treasury Bill; 2,19%

CEZMI DISPINAR

Samstag, 23. Februar 2008

Finanzplatz Schweiz

Der Finanzplatz hat einen Anteil von 15% an der gesamten Wirtschaftsleistung der Schweiz und beschäftigt zudem 5% der Arbeitnehmer. Die Finanzbranche bringt ferner 16% des Steueraufkommens der Schweiz auf. Allein die zwei Grossbanken in der Stadt Zürich erbringen rund 1/6 aller Steuereinnahmen. Die Börse kann sich daher nachhaltig nicht erholen, solange es im Finanzsektor keine Stabilisierung einkehrt.

Wie sieht es in den USA aus? Die Finanztitel machen rund 18% der gesamten Marktkapitalisierung im Index S&P-500 aus. Im II. Quartal 2007 steuerten Unternehmen aus der Finanzbranche rund 28 Cents von je einem Dollar Gewinn, der von allen vom S&P-500 Index umfassten Unternehmen erwirtschaftet wurde.

Freitag, 22. Februar 2008

Publications in relevant magazines and newspapers

Finanz & Wirtschaft: 30. Januar 2008, „Immobilienmarkt und Geldpolitik“, Seite 22.

Finanz & Wirtschaft: 25. Juli 2007, „Der Staat als Anleger“, Seite 24.

Finanz & Wirtschaft: 21. März 2007, „Neues geldpolitisches Ziel", Seite 28.

stocks: 14/2006, 30.06.-13.07.2006, „Obli Tipp“, Anleihen in türkischer Lira. Lohnender Blick auf 2007“, Seite: 53.

Finanz & Wirtschaft: 01. Februar 2006, "2006 wird ein gutes Jahr", Seite: 26.



stocks: 22/2005, 21.10.-03.11.2005, „Rückenwind für die Türkei“. „Die türkischen EU-Verhandlungen werden langwierig. Für Langfristiganleger gibt es an Istanbuls Börse jetzt günstige Einstiegschancen“, Seite: 22-23.

Finanz & Wirtschaft: 3. November 2004, "Türkei kann Etappensieg in der Inflationsbekämpfung melden", "Hohes Wirtschaftswachstum". Seite: 38.

CNBC Europe: 24. Juni 2004;(Interview), senior business professionals andtheir international orientation.

Finanz & Wirtschaft: 12. November 2003, "Migros Türk ist auf Wachstum programmiert“, Seite: 34.

stocks: 27. Juni 2003, "Strategien: Profitieren im Krebsgang“, Seite 22.

stocks: 16. Mai 2003, "Dollar-Schwäche: Zentralbanken kaufen US-Treasurys“, Seite: 65.

Finanz & Wirtschaft: 29. März 2003, "Obligationenhausse ohne Ende? “, Seite: 27.

stocks: 11.Januar 2002, "Zinspicker haben es schwerer". Trotz tiefer Zinsenlassen sich mit Obligationen auch im laufenden Jahr noch Gewinne erzielen.Seite: 12-14.

stocks: 18. Mai 2001, Obligationen: „Wo der Einstieg jetzt Sinn macht; ausgewählte Obligationen-Empfehlung“.

Finanz & Wirtschaft: 07. April 2001, Seite: 19; "Türkische Regierung willig - Bankenreform hat erste Priorität - Finanzloch".

n-tv: 2. März 2001, Interview (kurz); Verhalten der Kleinanleger in der Börsen-Baisse, in Stuttgart.

stocks: 23. Februar 2001, Vermögensverwalter; Wohin mit meinem Geld?

Handelszeitung: 13. Januar 1999, Brasilien: Herbeigeredete Krise.

Handelszeitung: 23. Dezember 1998, Geldfrage: Interview; Welche Folgen hat der Euro für die Obligationen?

Handelszeitung: 15. Juli 1998, Geldfrage: Interview; Wie tief steckt Südafrika in der Krise?

Handelszeitung: 3. Juni 1998, Geldfrage: Interview; Sind Anleihen aus Schwellenländern attraktiv?

Schweizer Versicherung: September 1997, Investment: Fremdwährungsobligationen statt Einmalprämienversicherungen.

Handelszeitung: 27. Februar 1997, Geldfrage: Interview; "Wo gibt es noch lohnende Obligationenrenditen?"

Cinco Dias: 16. Oktober 1995, Esta perdiendo Occidente al aliado turco?

Handelszeitung: 18. August 1995, Börse Istanbul, Verlockender Bosporus.

Soft-landing oder Rezession?

Die Chancen stehen nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand 50:50. Das Chaos der Existenz der Finanzmärkte äussert sich seit Dezember in aller Deutlichkeit in einer ausgeprägten Unsicherheit und den breiten Preisschwankungen. Es hat keinen Sinn, die Märkte gesundzubeten. Meckern und Beschweren helfen auch nicht. Was ist also aus der Sicht des Anlegers zu tun? Hier ist eine kurze, praktische Hilfestellung:

1) Diversifikation: Das heisst eine breite Streeung der Anlagen nach diversen Kriterien, wie z.B. nach geographischen Gesichtspunkten, Anlageinstrumenten usw. Asset Allocation ist für den Anlageerfolg entscheidend.

2) Stock-Picking: Das heisst eine gezielte Aktienauswahl.

3) Limitierte Aufträge: Das bedeutet, dass die Kauf- bzw. Verkaufsaufträge besonders in solchen Zeiten wie jetzt mit Preis-Limiten eingegeben werden sollen.

4) Barreserve: Für langfristig orientierte Investoren dürften sich ab Mitte Sommer neue, günstige Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Die Höhe des Barbestandes hängt vom Anlagehorizont und der Geduld des Anlegers ab.

PS: I) Hände weg von komplexen Anlageinstrumenten. II) Hände weg von Finanztiteln. III) Referenzwährungen: Euro und Schweizer Franken.

Die Simpsons und die Philosophie

Buchbesprechung:

William Irwin, Mark T. Conard und Aeon J. Skoble: „Die Simpsons und die Philosophie“. Schlauer werden mit der berühmtesten Fernsehfamilie der Welt. Tropen Verlag, 2007.


Ende November ist es wieder so weit. In den USA wird ein neuer Präsident gewählt. Zünglein an der Waage ist der amerikanische Mittelstand. Wie es um die psychische Verfassung der Mittelschichtfamilien bestellt ist, zeigt sich öfters in den TV-Soaps. Nach dem Zweiten Weltkrieg überwog dabei, wenn nicht eine harmonische, aber doch eine ganz eindeutig optimistische Stimmung. Es herrschte kein Mangel an Arbeitsstellen. Die Einkommensverteilung war ziemlich gleichmässig. Mann und Frau heitateten. Bald folgte der Nachwuchs. Dann wurde ein schönes Haus gebaut usw. Doch Anfang der 1970er Jahre stellten sich religiös-reaktionäre Denkfabriken unerbittlich gegen den New Deal. Mit der Amtsübernahme von Ronald Reagan in den 1990er Jahren radikalisierte sich die Lage. Die „Politik der Ungleichheit“ gewann Überhand. Die polarisierende G.O.P. legte die Haltung an den Tag: „Gut-oder-böse“, „Freund-oder-Feind“, „weiss-oder-schwarz“. Das Wohlstands- und Einkommensgefälle nimmt seitdem zu. Heute präsentiert die Unterhaltungsindustrie in Fernsehserien und Shows v.a. viel Zynismus, Gleichgültigkeit, und Trivialisierung aller zivilisatorischen Errungenschaften so hemmungslos, dass eine Trennung zwischen Schein und Sein schier unmöglich ist. Ein nihilistischer Verfall scheint um die Ecke zu lauern. Es gibt aber eine TV-Serie, die subtil aus der Reihe Tanz und die sozio-politischen Geschehnisse der Gesellschaft akkurat thematisiert: Die Simpsons, die amerikanische Zeichentrickfamilie aus Springfield. Die beste, die beliebsteste satirische Fernsehserie, welche seit 20 Jahren über die Mattscheibe flimmert und in mehr als 60 Ländern gezeigt wird. Homer, Marge, Lisa, Bart und Maggie. Keine der gelben Zeichentrickfiguren ist perse „gut“ oder „böse“. Sie verkörpern alle Persönlichkeiten, denen man in unmittelbarer Nachbarschaft begegnen kann. Elf Professoren für Philosophie schätzen die „Ironie, die Respektlosigkeit der Serie“ und erkennen drin „einen reichen und fruchtbaren Boden für philosophische Untersuchungen und Diskussion“. Und sie befassen sich tiefgründig in 11 glänzenden Essays mit der „heutzutage eine der intelligentesten und literarischsten Fernsehkomödien“. Was daraus kommt, ist ein erstklassiger Philosophie-Workshop mit praktischen Fallstudien aus dem Alltag, der an Scharfsinn und Witz nicht zu übertreffen ist. Bei der Charakteranalyse geht es u.a. um Aristotelische Tugendethik, Nietzsches Moraltheorie, Wittgensteins Tractatus usw. Es ist bestimmt kein Zufall, dass Matt Groening, der Erfinder der Simpsons Philosophie studiert hat. Der Band besteht aus drei Teilen. Der erste nimmt die Figuren unter die Lupe. Im zweiten werden die Probleme der Ethik erläutert. Und im dritten Teil bieten unterschiedliche philosophische Schulen ihre Interpretation über den Zustand der Gesellschaft. Wer dieses Buch liest, hat entweder Interesse an Philosophie und an den Simpsons oder an beidem. In einer Welt aber, in der die Kommerzialisierung von Sex als Liebe vermarktet wird, hat die „Liebe zur Weisheit“ (nämlich die Philosophie) keinen einfachen Stand. Dennoch gelingt es diesem Buch, durch eine methodische Reflexion spielerisch aufzuzeigen, wie komplex es ist, unsere Umwelt richtig zu erkennen.

Auction Rate Securities

Auction Rate Securities (ARS)

Das neueste Opfer der amerikanischen Kreditkrise: „Auction Rate Securities“.
Das sind Spezialanleihen von Kommunen, Universitäten, Museen, non-profit Krankenhäusern, Versorger usw.

Das Marktvolumen: 330 Mrd. US-Dollar.

„Der Auction Rate Market“ war 1984 von einem Investmentbanker bei Lehman Brothers gegründet. Der Zinssatz wird bei einer Auktion festgelegt, und zwar in im voraus bestimmten Zeitpunkten. Die Verzinsung liegt i.d.R. leicht über dem kurzfristigen Zinssatz. Sie sind zwar langfristig (Laufzeit: 20-30 Jahre) emittiert, werden aber als kurzfristige Anleihen gehandelt, weil sie liquide sind. Das minimale Emissionvolumen beträgt 25 Mio. US-Dollar. Die Mindeststückelung: 25'000 Dollar.

Die ARS sind sehr rating-sensibel und fordern gewöhnlich die höchste Bonität („AAA“), um handelbar zu sein. Diese Papiere wurden bislang von Banken für vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren empfohlen.

Nun scheint die Vertrauenskrise auch auf dieses Marktsegment überzugreifen. Es sei in den vergangenen Tagen zu starken Verwerfungen gekommen, berichten Händler. Der Grund: Die Auktionspapiere werden von Anleiheversicherern garantiert. Die Bondsversicherer, genannt auch Monoliner sehen sich in diesen Tagen mit Bonitätsreduktionen konfrontiert. Deswegen empfinden Anleger solche „ARS“ nun als riskant. Händler melden mehrere gescheiterte Auktionen. Und die Zinsen steigen drastisch. Die Monoliner waren ursprünglich auf die Versicherung von Kommunalanleihen spezialisiert. Erst neulich fingen sie an, auch für strukturierte Produkte Garantien abzugeben.

PS: Die Papiere werden weder in der Schweiz noch in Deutschland gehandelt.

Anlage Strategie

Absolute Return-Strategie ist derzeit unserer Erfahrung nach vorzuziehen, nach dem Grundsatz von Behavioral Finance: „besser 10% Verlust vermeiden als 10% Gewinn erzielen“. Auch Banken besinnen sich allmählich auf die Bedürfnisse der Kunden zurück und verfolgen eine aktive Vermögensverwaltungsstrategie zwecks Kapitalerhalt.

Im Zentrum der Überlegungen steht die Diversifizierung, d.h. eine breite Streuung der Anlagen nach verschiedenen Kriterien z.B., geographischen Gesichtspunkten, Anlageinstrumenten usw. Asset Allocation ist entscheidend für den Anlageerfolg. Es geht um das optimale Verhältnis zwischen Rendite und Risiko, abgestimmt auf das individuelle Kundenbedürfnis.

Der Anlageerfolg basiert unseres Erachtens auf Talent, gesundem Menschenverstand, konsequenter Strategieverfolgung und Gespür für Markttrends sowie die Wahl der Anlageinstrumente. Dieser Erfolg lässt sich nicht mit vorgefertigten mathematischen Berechnungsmodellen herbeiführen.

Die Anleger müssen sich bewusst sein, dass bewährte Konzepte immer nur eine begrenzte Gültigkeit haben. Das heisst, dass Erfolgsrezepte in einem immer schneller werdenden Rhythmus wechseln. Kreativität und neue Konzepte sind daher permanent gefragt. Die Rahmenbedingungen für die Märkte ändern sich laufend. Die Märkte sind voller Variablen und die vergangene Wertentwicklung stellt keine Garantie für die Zukunft dar. Einzeltitel werden aufgrund einer gründlichen, disziplinierten Fundamentalanalyse ausgewählt (stock-picking). Wie viel Prozent Aktien, Anleihen und Barmittel? Wert- und/oder Wachstumsaktien? Mid-Caps und/oder Large-Caps? Welche Emerging Markets? Die Anleger müssen eine ausgewogene Balance zwischen Mut und Vorsicht herstellen können und die Anlagestrategie immer wieder einer kritischen überprüfung unterziehen.