Montag, 28. April 2008

Mit SPACs durch die Kreditkrise

Das SPAC-Wachstum hält in den USA auch 2008 an. Im ersten Quartal dieses Jahres kam es zu insgesamt 8 SPAC-IPOs mit einem Gesamterlös von 3,1 Mrd. Dollar. Bei den Börsengängen (IPO) sind die Zahlen für das erste Quartal jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Da von insgesamt 26,9 Mrd. Dollar Erlös 17,9 Mrd. Dollar auf die IPO von Visa-Card zurückzuführen ist. Das war nämlich der grösste Börsengang in der Geschichte.

SPAC:Special Purpose Acquisition Company
IPO: Initial Public Offering




IPO
I. Q.AnzahlErlös*
20082526,9*

* in Mrd. US-Dollar



SPAC
I. Q.AnzahlErlös*
200883,1*


Quelle: IPO Watch Report von PricewaterhouseCoopers

Freitag, 25. April 2008

Reispreis: Wer treibt die Lebensmittelpreise? Rohstoffspekulanten?

Nach Indien und Vietnam hat nun auch Brasilien die Ausfuhr von Reis verboten. Der Reispreis bleibt unter Druck. US-Supermarktketten schicken sich an, Reis zu rationieren. Nach Konkurrent Costco hat jetzt auch Wal-Mart nachgezogen, Reis Verkauf zu limitieren. Die Kunden dürfen auf einmal nur noch 4 Sack Reis je 9 Kg. kaufen. Unternehmen befürchten, dass der Preis schnell noch weiter steigt. Der Weltmarktpreis für Reis ist seit Jahresbeginn mittlerweile um 70% in die Höhe geklettert. Innerhalb eines Jahres hat sich der Preis beinahe verdoppelt. Doch wer oder was treibt die Getreidepreise? Sind Spekulanten für den exorbitanten Anstieg der Lebensmittelpreise verantwortlich?

Das Landwirtschaftsministerium in Washington hat indes vor Panikmache gewarnt. Der Verband der amerikanischen Reisproduzenten hat bestätigt, dass das Angebot an Reis nicht knapp sei. Die USA zählen zu den führenden Reisexporteuren der Welt mit einem Anteil von rund 14% am globalen Handel. Wenn eine übermässige Spekulation vorhanden sein sollte, müssten die Vorräte stark zunehmen. Das ist aber nicht der Fall. Neulich hat sich Michael Mack, der amerikanische Vorsitzende von Syngenta, dem grössten Pflanzenschutz- und Saatgutunternehmen der Welt zu Wort gemeldet. Bei Weizen, Mais und Soja seien die Vorräte in den vergangenen beiden Jahren gesunken. Aber die Lager seien keineswegs leer, erklärte Mack. Reis sei ungefähr in derselben Menge verfügbar wie zuvor, sagte der Chef des Schweizer Unternehmens. Seiner Meinung nach müssten die Felder nur intensiver bewirtschaftet werden. Dafür sind neben Dünger bessere Saaten und ein verstärkter Pflanzenschutz nötig. Klar, das sind die Geschäftsbereiche, wo Syngenta marktführend ist. Dennoch leuchten solche Argumente ein, zumal kein Engpass zu erkennen ist. Die Hauptgründe für die steigenden Grundnahrungsmittelpreise bleiben die gleichen: 1) Die Energiepreise (v.a. der Erdölpreisanstieg), 2) die wachsende Weltbevölkerung, 3) Ernährungsgewohnheiten ändern sich (in China, Indien und vielen anderen Schwellenländern steigt die Nachfrage nach Fleisch, Getreide usw.), 4) Biokraftstoffe (staatliche Förderung von Agrarstoffen, die zur Herstellung von alternativen Energien geeignet sind. Wie Ethanol oder Biodiesel), 5) klimatische Bedingungen (Dürre, Überschwemmungen, Wirbelstürme usw.) und andere Faktoren wie Schädlinge und Seuchen.

Langenscheidt / Routledge: Fachwörterbuch Wirtschaft

Buchbesprechung:

Langenscheidt / Routledge: Fachwörterbuch Wirtschaft, Handel und Finanzen. Englisch. Dritte, stark bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin. München. Wien. Zürich. NewYork. Langenscheidt, 2007

Jede Krise ist anders. Irgenwann gehen sie aber alle zu Ende. Was übrig bleibt, ist das Vokabular, natürlich nur, falls man aus der Vergangenheit Lehren ziehen will. Die anrollende epische Finanzkrise hat auch manche Wörter und Ausdrücke zu Tage gefördert, die bisher in der ganzen Finanzwelt nicht anders als ein Mauerblümchen wahrgenommen wurden. Wer hörte oder kannte zum Beispiel vor dem Sommer 2007 das Wort „subprime“ diesseits des Atlantiks?

Kein Wunder, dass der erste Eintrag in Wikipedia (deutsche Version) erst Mitte August im Vorjahr angebracht wurde. Immerhin hat das englische Wort „subprime“ der grössten Finanzkrise seit 1929 seinen Stempel aufgedrückt. Als „subprime“ wird ein (Unter-) Bereich des amerikanischen Hypothekendarlehenmarktes bezeichnet, der vorwiegend Kreditnehmer mit sehr geringen Bonität erfasst. In der Finanzwelt ist ein Leben ohne Anglizismus nicht denkbar. Ohne Sprachpurismus auf unsere Fahnen schreiben zu wollen, dürfen wir freimutig zugeben, dass der Einfluss der englischen Sprache in gewissen Bereichen der Wirtschaftswissenschaften einfach sehr dominant ist. Immer mit Anglizismus zu jonglieren ist aber auch undankbar. Es ist kein Beinbruch, wenn das Wort „subprime“ in diesem Wörterbuch fehlt. Die Dynamik der Finanzmärkte ist überwältigend. Der ständige Wandel ist Programm. Die Printausgabe enthält pro Sprachrichtung rund 60'000Fachbegriffe und Wendungen aus 26 Fachgebieten. Das qualifizierte Autorenteam habe besonderen Wert auf die Bereiche Telekom, neue Medien und Internet gelegt. Zugleich finden sich in diesem Standardwerk aber auch viele aktuelle Termini aus der Geld- und Währungspolitik. Weitere Fachbegriffe und Schreckenswörter wie Collateralized Debt Obligation (CDO), Special Investment Vehicle (SIV), Conduits, Monoliner, Leverage Loans, Special Purpose Acquisition Company (SPAC), Sovereign Wealth Fonds (SWF) usw. , die zum Teil am Rockzipfel dieser dramatischen Kreditkrise hängen, werden in der nächsten Druckausgabe bestimmt berücksichtigt werden und Zugang in diesem unverzichtbaren „Partner“ eines jeden Fachmanns und jeder Fachfrau finden.

Mittwoch, 23. April 2008

Mageres IPO-Geschäft im I. Quartal – Dafür rasantes Wachstum mit SPACs

Nach einem Rekordjahr 2007 hat die IPO-Aktivität in den USA im ersten Quartal 2008 deutlich nachgelassen. Das Vorjahr hatte laut IPO Watch Report von PricewaterhouseCoopers die höchste Aktivität in bezug auf die Börsengänge seit 2000 verzeichnet. Während des Jahres 2007 wurde 296 IPOs (Initial Public Offering) mit Totaleinnahmen von 65,1 Mrd. Dollar generiert. Im Vergleich 2006: 236 IPOs, 49,9 Mrd. Dollar Erlös. Trotz der zunehmenden Anspannungen an den Kreditmärkten kam es im IV. Quartal 2007 zu insgesamt 101 Börsengängen. Das entspricht dem aktivsten IPO-Volumen seit acht Jahren. Verantwortlich dafür ist das Wachstum des SPAC-Geschäftes.

Die Anzahl der SPACs („Special Purpose Acquisition Company“) stieg von insgesamt 18 (Erlös: 2,4 Mrd. Dollar) im Jahre 2006 auf 49 mit einem gesamten Erlös von 9,9 Mrd. Dollar im Vorjahr. Das SPAC-IPO-Volumen legte 2007 beträchtlich zu. Ihr Anteil am gesamten IPO-Volumen repräsentiert rund 17% und es macht 15% des Gesamterlöses aus. Das SPAC-Wachstum hält auch 2008 an. Im ersten Quartal dieses Jahres kamen 8 SPAC-IPOs mit einem Gesamterlös von 3,1 Mrd. Dollar zustande.

Exkurs:
SPAC = “Special-purpose acquisition companies”.
An der Wall Street nannte man sie in den 1990er Jahren „blank-check companies“, Blankocheck-Unternehmen. Es handelt sich dabei um Unternehmenshüllen, die an der Börse Kapital aufnehmen, um damit andere Unternehmen zu kaufen. SPACs haben das Mandat, eine grosse Akquisition zu tätigen. Für den Investor ist es wie eine „blinde“ Wette. Die SPACs müssen nämlich mit dem Geld in den nächsten 18 bis 24 Monaten Unternehmen kaufen. Ansonsten bekommen die Investoren ihr Geld zurück. Abzüglich der Kosten, die für die SPACs auf der Suche nach einem Kaufobjekt angefallen sind.

Dienstag, 22. April 2008

Die EZB und die Gefahr der Kernschmelze im Finanzsystem

Das Epizentrum der gegenwärtigen Finanzkrise befindet sich in den USA. Die Citigroup ist die von der Krise am stärksten betroffene US-Bank. Die amerikanische Investmentbank Bear Stearns wurde bekanntlich von der US-Notenbank (Fed) gerettet. Am härtesten hat die Krise jedoch weltweit unter den Banken die UBS getroffen. Die Schweiz Grossbank hat wegen der Verluste im Geschäft mit hypothekenbesicherten Wertpapieren rund 38 Mrd. Dollar abschreiben müssen. Das sind gut 5 Mrd. Dollar mehr als die Verluste der Citigroup.

Darüber hinaus wurde in Europa die britische Hypothekenbank Northern Rock verstaatlicht. Derselbe Grund: die massiven Verluste im komplexen Geschäft mit sog. CDOs (Collaterized Debt Obligations). Die Gier nach dem schnellen Geld und ein mangelhaftes Risikomanagement haben aber auch in Deutschland zu Verstaatlichungen geführt. So wurde die Sächsische Bank von der LB Baden-Würrtemberg übernommen. Die West LB wurde aus dem gleichen Grund vom Land Nordrhein-Westfalen und den Sparkassenverbänden gerettet. Die Düsseldorfer Bank IKB wurde mit mehreren Milliarden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bund gestützt. Heute wurde bekannt, dass die Düsseldorfer Hypothekenbank vorübergehend auf den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken übertragen wird. Am Ende soll der Verkauf des auf Staatsfinanzierung spezialisierten Instituts stehen.

Die Finanzkrise, der schwache Dollar, der hohe Erdölpreis und die steigenden Lebensmittelpreise belasten das globale Wachstum. Dennoch glaubt die Europäische Zentralbank (EZB) nicht daran, dass die Wirtschaft der Euro-Zone davon betroffen würde. An eine Zinssenkung denken die europäischen Währungshüter also nicht. Ganz im Gegenteil droht die Deutsche Bundesbank angesichts ihrer Inflationserwartungen mit einer Zinserhöhung. Das Euroland schickt sich an, mit dogmatischem Optimismus in einen Abschwung zu gleiten.

Montag, 21. April 2008

Sovereign Wealth Fonds (SWFs) und die globale Nahrungsmittelkrise

Die Government of Singapore Investment Corp (GIC) hat seit Dezember rund 18 Mrd. Dollar in UBS und Citigroup investiert. Der vor 27 Jahren gegründete Fonds verwaltet mehr als 100 Mrd. Dollar. Die Verluste der UBS aus der Subprime-Krise belaufen sich mittlerweile auf rund 38 Mrd. Dollar. Die GIC erwägt eine Aufstockung ihrer Beteiligung an der Schweizer Grossbank.

Die Sovereign Wealth Fonds (SWFs) investieren nicht aus reiner Wohltat in westliche Unternehmen. Sie erwarten hohe Renditen und wollen kräftige Gewinne einstreichen. Staatliche Fonds sind indes zu einer wirtschaftlichen Macht aufgestiegen. Sie lassen sich jetzt sogar als Retter in der Not feiern. SWFs nutzen die gegenwärtige Finanzkrise aus, um Beteiligungen an Banken, Finanzdienstleistern, Börsenbetreibern usw. zu kaufen. Insgesamt verfügen staatliche Vermögensfonds weltweit über 3'000 Mrd. Dollar. Der norwegische Staatsfonds, der zurzeit 380 Mrd. Dollar verwaltet, kontrolliert knapp 1% der gesamten europäischen Börsen und ist damit der grösste Aktionär Europas. Pro Woche fliesst dem Government Pension Fund 1 Mrd. US-Dollar aus den Öl- und Gaseinnahmen zu.

Zu der epischen Finanzkrise gesellt sich nun aber auch eine Preisexplosion an den Agrarmärkten. Rund um die Welt klettern die Preise für Nahrungsmittel höher. Die steigenden Preise für Mais, Weizen, Sojabohnen, Reis usw. drohen zur Gefahr für die Weltwirtschaft zu werden. Allein der Preis für Reis hat sich seit dem Sommer 2007 mehr als verdoppelt. Länder wie China, Kambodscha, Ägypten, Indien und Vietnam haben bereits mit Exportbeschränkungen (v.a. für Reis) reagiert. Wegen der Knappheit am wichtigsten Nahrungsmittel kam es in mehreren Ländern zu blutigen Unruhen. Der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon kündigte am Wochenende an, dass er den Kampf gegen die Nahrungsmittelkrise zu einem Schwerpunkt der Vereinten Nationen machen werde. Das Problem sei gewaltig. Bereits am vergangenen Freitag warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor dramatischen Folgen der Ernährungskrise. Es bestehe die Gefahr von Kriegen, das Schlimmste liege vielleicht noch vor uns“, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Den am stärksten betroffenen Länderns stellte Strauss-Kahn Hilfe des IWF in Aussicht. Es fehlt den Hilfswerken das Geld, um Hilfsgüter zu kaufen. Der FAO, der Welternährungsorganisation der UNO sei nach Angaben des eigenen Chefs nicht einmal gelungen, 17 Mio. Dollar seit vergangenen Dezember aufzutreiben, um armen Bauern bis zum März Saatgut zu kaufen. Die FAO braucht zusätzlich rund 700 Mio. Dollar, um so viel Nahrungsmittel zu verteilen wie 2007. Wie wäre es damit, wenn die SWFs der FAO finanziell unter die Arme greifen würden? Mit einer guten Tat könnten die Staatsfonds zugleich etwas Imagepflege betreiben.

Sonntag, 20. April 2008

Finanzkrise: Ist die Talsohle erreicht?

Das Augenmerk richtet sich derzeit auf die Quartalszahlen von Unternehmen. In der anrollenden Berichtssaison stehen v.a. Finanzwerte im Mittelpunkt. Die jüngsten Milliarden-Abschreibungen von Citigroup und J.P. Morgan scheinen im Rahmen der Erwartungen gelegen zu haben. Der Baumaschinenhersteller Caterpillar und der Mischkonzern Honeywell hingegen sorgten vergangene Woche für positive Überraschungen. Haben US-Unternehmen inzwischen das Tal der Tränen verlassen? Das erste Quartal 2008 markiert nicht den Tiefpunkt der Finanzkrise, sagt Nouriel Roubini in einem Interview mit der SonntagsZeitung aus Zürich.

Der Wirtschaftsprofessor an der Stern School of Business in New York erwartet, dass die Krise länger dauern wird, bis Ende Jahr oder gar noch länger. Roubini deutet darauf hin, dass die Rezession in den USA tatsächlich gravierend sein könnte. Er nennt dafür drei Gründe: 1) Die Preise von Immobilien fallen weiter. 2) Die Konsumnachfrage nimmt ab. Stichwörter: Arbeitslosigkeit, Verunsicherung der Verbraucher. 3) Es bestehe die Gefahr, dass sich die Krise auf andere Bereiche der Wirtschaft ausweitet. Zur Bewältigung der Finanzkrise plädiert Roubini für staatliche Eingriffe. Seiner Ansicht nach braucht „ohne Zweifel auch Europa tiefere Zinsen“. „Nicht nur, um so die Politik der Fed zu unterstützen, sondern auch, um der Wirtschaft Impulse zu geben“. Was zur Zeit neu ist, ist die Rückkoppelung zwischen dem Finanzsystem und der realen Wirtschaft. In der Vergangenheit war es so, dass es zunächst zu einem Abschwung kam und dann die Finanzbranche davon betroffen wurde. Diesmal befindet sich das Epizentrum der Krise mitten im Finanzsystem. Ob die jüngsten Kursavancen an der Börse sich fortsetzen werden, hängt davon ab, ob der Konjunkturabschwung „soft“ oder „hard“ vonstatten geht.