Donnerstag, 9. April 2015

Makroökonomische Modelle mit mikroökonomischer Fundierung

Volkswirtschaftliche Lehrbücher beschreiben mit Mikrofundierung (microfoundations) die mikroökonomische Fundierung der makroökonomischen Modelle, die das besondere Augenmerk auf das einzelwirtschaftliche Maximierungsverhalten (Nutzenmaximierung der privaten Haushalte und der Gewinnmaximierung der Unternehmen) richten und daraus makroökonomische Verhaltensgleichungen herleiten.

Brad DeLong wundert sich etwas in seinem Blog, wie es dem neukeynesianischen Modell gelungen ist, trotz seiner vielen empirischen Mängel das Arbeitspferd der modernen Makroökonomie zu werden.

Der an der California University, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessor sagt aber, dass seine Frage eng mit der Frage zusammenhänge, warum mikrofundierte Modelle, von denen wir wissen, dass sie mangelhaft sind, trotzdem Modellen, die versuchen, das Aggregationsproblem zu lösen, vorgezogen werden.

Simon Wren-Lewis nimmt die Frage gern an und versucht in seinem Blog darauf zu antworten, warum mikrofundierte Modelle so vorherrschend sind. Vorerst legt er dar, dass es sich dabei um eine methodische Frage handelt, und zwar über die relative Bedeutung der „internen“ (theoretisch) versus „externen“ (empirisch) Konsistenz.

Mittwoch, 8. April 2015

Interview: Prof. Barry Eichengreen, University of California, Berkeley

Barry Eichengreen is a professor of Economics and Political Science at the University of California, Berkeley


Despite the similarities with the Great Depression, the policy makers’ failure to tackle the Great Recession was striking. What failures do you reckon as crucial in fundamental conceptual way?

Conceptually, the Great Moderation led to the mistaken belief that the business cycle had been tamed and additional risks could be safely taken.  Efficient-markets theory provided a convenient pretext for failure to address new risks created by financial innovation and to adequately regulate the shadow banking system and securitization markets.  And then there was the tendency for macroeconomists to forget as many lessons of the Great Depression as they remembered.


How is it possible that the ideas of Austrian School without supporting evidence in practice still dominate the macroeconomic policy in Europe?

The answer, I think, is that the Austrian School got it half right: Hayek, Mises and others highlighted how credit booms and busts were intrinsic to the market system.  The histories of the 1920s and 2000s both bear them out.  But they, or at least some of their followers, then went on to endorse liquidationism as the appropriate response to these problems, which is a logical nonsequitur.

Geldpolitik und Finanzmarktstabilität

Die Fed behält den Satz für kurzfristige Zinsen (fed funds rate) seit Dezember 2008 nahe null, um die Wirtschaft anzukurbeln und Deflation vorzubeugen.

Die Erholung der Wirtschaft erfolgt aber relativ träge, obwohl Anzeichen sich inzwischen mehren, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt sich allmählich verbessert und das Risiko von Deflation abgenommen hat.

Dennoch bleibt die Geldpolitik, v.a. in Form von unkonventionellen Mitteln umstritten. Die Warnungen in Bezug auf die vermeintlichen Inflationsrisiken wegen der anhaltend lockeren Geldpolitik sind jedoch fadenscheinig, wie Ben Bernanke in seinem aktuellen Blog-Eintrag unterstreicht.

Die Gegner der akkommodierenden Geldpolitik richten das Augenmerk nun darauf, dass anhaltend niedrige Nominalzinsen Risiken für die Finanzstabilität bedeuten, z.B. dadurch, dass Preisblasen und Verzerrungen an den Finanzmärkten entstehen oder durch Anregung von übermässiger Kreditschöpfung.

Daraus ergibt sich die Frage, ob die Geldpolitik die Risiken für die Finanzmarktstabilität mitberücksichtigen soll oder nicht. Angesichts der jüngsten Erfahrungen muss die Stabilität des Finanzsystems ernst genommen werden. Aber die Geldpolitik als Mittel zur Bewältigung dieser Bedrohungen ist alles andere als ideal, hebt der ehemalige Fed-Präsident hervor:

Dienstag, 7. April 2015

Wie gross soll der Staat in Zukunft sein?

Auf der vom IWF organisierten Konferenz („Rethinking Macro Policy III“) zwischen dem 15. und 16. April 2015 geht es um das Thema, wie die makroökonomische Politik aussehen soll, sobald die Krise endlich vorbei ist.

Brad DeLong, der an der Session 4 („Fiscal Policy in the Future“) teilnimmt, stellt in seinem Blog seine Überlegungen vor.

Der an der University of California, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessor präsentiert im Wesentlichen zwei Aussagen: 

(1) Wir sollten in Zukunft einen wesentlich grösseren Staat wünschen als in der Vergangenheit und, 

(2) Die öffentliche Verschuldung in der Vergangenheit war zu niedrig, nicht zu hoch.

Zum Zweiten Punkt bemerkt DeLong, dass jeder Nordatlantik-Staat, der seit 1890 am Rand Kredit aufnimmt, damit seinen Bürgern in der Gegenwart Nutzen bringt, weil dadurch (a) das Wirtschaftswachstum angekurbelt und (b) den Gläubigern von Staatsanleihen ein Gefallen getan wird.

Begründung: Weil der öffentliche Schuldendienst seit 125 Jahren im Durchschnitt niedriger ist als das nominale Wirtschaftswachstum.

Montag, 6. April 2015

Volkswirtschaft, Politik und Wahlen

Die wirtschaftliche Entwicklung in Grossbritannien ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise von 2008 aufschreckend schlecht.

Doch während sich das Land auf die Wahlen vorbereitet, präsentieren sich die Politiker der Koalitionsregierung, die über Grossbritannien seit 2010 befinden, als die Hüter des Wohlstands, als die Leute, die es wirklich wissen, wie die Wirtschaft funktioniert, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Economics and Elections“) am Montag in NYTimes.

Und sie kommen damit im Grossen und Ganzen gut weg. Wähler haben nämlich ein ziemlich kurzes Gedächtnis und sie beurteilen die Wirtschaftspolitik aufgrund des gegenwärtigen Wachstums. 

Die Bilanz der Koalitionsregierung war über fünf Jahre hinaus schrecklich. Es sieht aber seit ein paar Quartalen ziemlich gut aus. Und das ist, was in der Politik zählt, legt Krugman kritisch dar.

Das ist ein erschütterndes Ergebnis.Weil es besagt, dass es keine oder nur geringe politische Belohnung für gute Politik gibt. In der Tat deutet alles darauf hin, dass es politisch schlau wäre, das Land während der ganzen Amtszeit einer sinnlosen Depression auszusetzen, nur um damit einen Spielraum für eine schwunghafte Erholung der Wirtschaft zu schaffen, und zwar kurz bevor die Wähler wieder an die Urnen gehen.

Das ist im Grunde genommen eine ziemlich gute Beschreibung dessen, was die derzeitige britische Regierung laut Krugman getan hat, obwohl es nicht klar ist, ob es beabsichtigt war oder nicht.

Der Punkt ist also, dass die Wahlen, die angeblich die Politik zur Rechenschaft ziehen sollten, diese Funktion scheinbar nicht gut erfüllen, wenn es um die Wirtschaftspolitik geht. Kann aber etwas dagegen unternommen werden?


Grossbritannien: Austerität und Wirtschaftswachstum im Streudiagramm, Graph: Prof. Paul Krugman in NYTimes

Wieder ein Rätselraten am US-Anleihemarkt?

Die Fed schickt sich an, die Geldpolitik allmählich zu normalisieren. Das heisst, dass der nächste Schritt allem Anschein nach eine Zinserhöhung wird.

Während die Fed den Weg für eine Straffung der Geldpolitik bereitet, werden aber Erinnerungen an das sog. „Greenspan Conundrum“ von 2004 wach. Denn es gibt an den Bond-Märkten derzeit keine Anzeichen für steigende Renditen.

Und der Markt preist zur Zeit eine Inflationsrate (bereinigt um die schwankungsanfälligen Energiepreise) von 0,8% im nächsten Jahr ein. Das ist um 0,9% tiefer als der jährliche Durchschnittswert von 1,7% für die Kern-Verbraucherpreise (core CPI).


US Kern-Inflation für ein Jahr, Graph: Morgan Stanley

Sonntag, 5. April 2015

Normalisierung der Geldpolitik und Gleichgewichtszins

Janet Yellen hat vergangene Woche über die Normalisierung der Geldpolitik gesprochen. Die Fed-Chefin hat in ihrer viel beachteten Rede genau 25-mal das Wort „equilibrium real interest rate“ benutzt, wie Gavyn Davies in FT berichtet.

Das Konzept ist bei der Fed zur Zeit in Mode, wenn es v.a. um die Erklärung der „Normalisierung“ der Zinsen geht. Das Thema stand auch im Zentrum des ersten Blog-Eintrags von Ben Bernanke in der vergangenen Woche.

Yellen hat angedeutet, dass der Gleichgewichtszins derzeit aussergewöhnlich niedrig, vielleicht sogar real ein wenig unter null ist. Aber sie hat hinzugefügt, dass der Satz sich in den nächsten Jahren normalisieren wird, wenn konjunkturelle Gegenkräfte nachlassen.

Was ist aber der Gleichgewichtszins? Fed-Präsidentin hat dazu die folgende Definition vorgestellt:

Der Gleichgewichtszinssatz lässt sich i.d.R. als das Niveau der kurzfristigen Zinsen, minus Inflation, schätzen, die mit maximaler Beschäftigung und stabiler Inflation auf lange Sicht übereinstimmt, sofern keine Störungen in der Wirtschaft in Zukunft erwartet werden.


Gleichgewichtszins für die US-Wirtschaft, Graph: Morgan Stanley

Der Zinssatz nach der Laubach-Williams Methode: -0,16%, nach der Taylor-Regel: 0,39%.