Mittwoch, 22. Februar 2012

Kerninflation in der Schweiz weiterhin negativ

Die Kerninflation hat in der Schweiz im vergangenen Monat erneut einen negativen Wert verbucht: Minus 1,0%.

Wie das von der SNB gestern vorgelegte Monatsheft (Febr. 2012) darauf hindeutet, verläuft die Kerninflation in der Schweiz den vierten Monat in Folge im negativen Bereich.

Der getrimmte Mittelwert (TM15), der wie die Kerninflation ein geeigneteres Bild der Entwicklung der allgemeinen Inflation liefert, betrug im Januar 0,0%. Auch im Dezember war der Wert mit 0,0% unverändert.

Die Schätzungen der Kerninflation sind nützlich, weil die am Konsumentenpreisindex (CPI) gemessene Teuerung kurzfristigen Schwankungen unterliegt.

Gemessen am Produzenten- und Importpreisindex belief sich der Preisrückgang in der Schweiz im Januar 2012 innert Jahresfrist auf Minus 2,4%.


Schweiz: Kerninflation und der getrimmte Mittelwert, Graph: ACEMAXX ANALYTICS

PS: Der vorübergehende Anstieg der Teuerung im März 2011 ist im Wesentlichen auf einen Sondereffekt aufgrund eines höheren Erhebungsrhythmus der Preise für Bekleidung und Schuhe zurückzuführen.

Dienstag, 21. Februar 2012

Overton Fenster im Kontext mit Sparpolitik

Paul Krugman nimmt öfters kein Blatt vor den Mund, wenn es um offensichtlich krasse Übertretungen von Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre geht.

Der Träger des Wirtschaftsnobelpreises setzt sich seit einigen Wochen damit auseinander, wie töricht und zerstörerisch dumme vernichtende Ideen sind, die darauf hinauslaufen, wider besseren Wissens mitten in einem depressiven Umfeld der Wirtschaft am Abbau von Haushaltsdefizit festzuhalten.

Soll aber Krugman darauf verzichten, wie Karl Smith in seinem Blog andeutet, und stattdessen den Verfechtern dieser Ansätze einen gesichtswahrenden Abgang gewähren?

Chris Dillow (via Mark Thoma) erklärt in seinem Blog, warum es falsch wäre. Dillow legt dar, dass die Labour Party mit einer unglaublichen Lahmheit auf die wilden Sparmassnahmen (fiscal austerity) der Cameron Regierung reagiere, auch wenn die Sparpolitik kläglich versagt hat, weil es Cameron erlaubt, das Overton Fenster (Overton Window) zu verschieben, sodass dadurch nur unterschiedliche Schritte des rigorosen Sparkurses als „verantwortlich“ wahrgenommen werden.

Krugman versucht daher nach eigenen Worten, das Fenster zurückzuschieben, indem er einerseits Keynes  verteidigt und andererseits die gescheiterten Ideen in Bezug auf die Fiscal Austerity verspottet, wo Spott fällig wird.

Braucht es Politiker in der Mitte?

Während des Rennens um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner kommt in den letzten Tagen immer wieder die Frage auf, ob es in den USA einer dritten Partei bedarf?

Es werden Stimmen laut, die nach einem „zentristischen“ Kandidaten einer dritten Partei rufen. Was die Experten für eine solche Kandidatur fordern, ist in den Anregungen von Obama bereits vorhanden, bemerkt Paul Krugman dazu in seinem Blog.

Michael Bloomberg, der als Favorit einer dritten Kandidatur gehandelt wurde, hat sich in Sachen Wirtschaftskrise als vollkommen ignorant erwiesen, hebt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008) hervor.

Es ist aber laut Krugman eigentlich viel schlimmer. Was zentristische Helden definiert, ist, dass sie Menschen sind, die angesichts eines katastrophalen Konjunktureinbruchs, angetrieben durch die Missstände im privaten Sektor, und einer schweren Unterdeckung der Ausgaben, erklären, dass die vordringlichste Priorität der Wirtschaft „Abbau von Haushaltsdefizit“ ist.

Wirtschaftsbericht des US-Präsidenten 2012

Menzie Chinn deutet in seinem Blog darauf hin, dass es einen erheblichen Raum für steigende Löhne gibt.

Gestützt auf den am vergangenen Freitag veröffentlichten Economic Report of the President (hier) liefert der an der Wisconsin University, Madison lehrende Wirtschaftsprofessor die folgende Abbildung:

Die Preiserhöhungen (price markup) verlaufen seit 2001 über Lohnstückkosten (unit labor costs). Das ist ein interessanter Trend.


Kalkulationsaufschläge von Unternehmen über Lohnstückkosten (ausserhalb der Landwirtschaft) 1047-2011, Graph: Economic Report of the President, 2012 via Prof. Menzie Chinn

Montag, 20. Februar 2012

EZB: Jean-Claude Trichet versus Mario Draghi

Jean-Claude Trichet, der von November 2003 bis Oktober 2011 das Amt des EZB-Präsidenten innehatte, war ein plumper Verfechter der expansiven Sparpolitik (expansionary austerity). Er hat die Ansicht vertreten, dass die restriktive Fiskalpolitik expansiv sei.

Trichet glaubte daran, dass schonungsloses Sparen die wirtschaftliche Erholung vorantreiben würde, weil das Vertrauen ein Schlüsselfaktor sei. Die Idee war, dass die wilden Kürzungen der Staatsausgaben das Vertrauen von Konsumenten und Unternehmen fördern würde. Das Vertrauen würde dann die Konsumausgaben und die Investitionen ankurbeln.

Trichet hatte im April und im Juli 2011 die Zinsen angehoben, um die angebliche Hyperinflationsgefahr via expansive Sparpolitik zu bekämpfen. Der Glaube an Vertrauen Fee (confidence fairy), die nie aufgetaucht ist, hat sich inzwischen als fatal erwiesen.

Sein Nachfolger Mario Draghi hat unmittelbar nach der Amtsübernahme die sträflich dummen Zinsentscheidungen rückgängig gemacht. Dann hat der gegenwärtige EZB-Präsident eine grosse Ausweitung der Kreditvergabe (LTRO) arrangiert.

Sparpolitik: Schmerzen ohne Gewinn

Ein Abbau der Staatsausgaben mitten in einer depressiven Volkswirtschaft führt nicht zu einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, sondern zur Kontraktion.

Vergangene Woche hat die EU-Kommission bestätigt, was jeder vermutet hat: die Volkswirtschaften, die sie abdeckt, schrumpfen. „Es ist noch keine offizielle Rezession, aber die einzige wirkliche Frage ist, wie tief der Abschwung sein wird“, bemerkt Paul Krugman in seiner lesenswerten Montagskolumne („Pain Without Gain“) in NYT.

Und dieser Abschwung trifft alle Länder, die sich von der letzten Rezession nie erholt haben. Schlimmer noch: europäische Politiker und nicht wenige einflussreiche Akteure sind immer noch mit der ökonomischen Doktrin vermählt, die für diese Katastrophe verantwortlich ist, hebt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises hervor.

Insbesondere im Frühjahr 2010 kam die Sparpolitik ganz in Mode in den europäischen Hauptstädten. Die Doktrin behauptet, dass die direkten negativen Auswirkungen der Ausgabenkürzungen auf die Beschäftigung durch Änderungen des „Vertrauens“ ausgeglichen würden, sodass die wilden Kürzungen zu einem kräftigen Anstieg von Konsum und Investitionen führen würden, während Länder, die solche Kürzungen nicht vornehmen, einer Kapitalflucht und steigenden Zinsen gegenüberstehen würden.

Nun liegen die Ergebnisse vor: die Vertrauen Fee (confidence fairy) hat es versäumt, aufzutreten. Keines der Länder, die die Ausgaben gekürzt hat, sieht den vorhergesagten Anstieg der Investitionen des privaten Sektors. Stattdessen erzwingen die depressiven Auswirkungen der rigorosen Sparpolitik sinkende Ausgaben der privaten Haushalte, erklärt Krugman.

Sonntag, 19. Februar 2012

Sparpolitik und Wachstum

Angesichts der Tatsache, dass Europa in eine Rezession fällt und Griechenland in den Abgrund stürzt, ist die Frage, die sich in diesen Tagen immer wieder stellt, was noch zu tun ist, um die Verfechter der Sparpolitik (fiscal austerity) davon zu überzeugen, dass die Kürzung der Staatsausgaben mitten in einer Depression eine schreckliche Idee ist.

Nach allem bedurfte es des vorhersehbaren und vorhergesagten Ausfalls eines unzureichenden Konjunkturpakets, um die politische Elite zu überzeugen, dass der Stimulus nie funktioniert und dass wir das Augenmerk sofort nach Sparkurs richten müssen, unabhängig davon, was die Wirtschaftsforschung, die ja drei Generationen wert ist, besagt, dass es genau der falsche Weg war, rigorose Sparmassnahmen zu ergreifen, bemerkt  Paul Krugman in seinem Blog dazu.

Warum löst aber das überwältigende und massgebende Scheitern der Sparpolitik in Europa keine ähnliche Reaktion aus?

In der untenstehenden Abbildung vergleicht Krugman zwei Massnahmen, die von europäischen Ländern getroffen worden sind.

Die x-Achse zeigt die Veränderung der realen Staatsausgaben für Güter und Dienstleistungen beginnend im ersten Quartal 2008 bis heute (sofern durch Eurostat verfügbar), gemessen als Prozentsatz des BIP im I. Quartal 2008. (PS: Es bedeutet, dass die griechischen Sparmassnahmen nicht ganz berücksichtigt sind).


Europa und Sparpolitik, Graph: Prof. Paul Krugman