Donnerstag, 9. Dezember 2010

Steuer-Deal und der Jump-Start-Effekt

Der Steuer-Deal, der weitgehend von politischen Überlegungen und nicht von wirtschaftlichen Auswirkungen ermittelt wurde, soll die Steuern für alle Amerikaner senken. Der Präsident und die Republikaner im Kongress argumentieren, dass das neue Steuer-Paket die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen und zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum beitragen wird. Mark Zandi, Moody’s hat gestern seine Einschätzung im Hinblick auf die ökonomischen Effekte der Steuersenkung präsentiert. Demnach wird es im Jahre 2011 zu einem ziemlich grossen Wachstumsschub kommen, wobei der meiste vom Effekt im Jahr 2012 zurückgehen dürfte. Wie verlässlich sind aber die ersten Bewertungen? Paul Krugman beispielsweise bezweifelt einen so hohen Multiplikator, wie von Zandi dargelegt wird. Krugman fragt, ob die Steuersenkungen für Unternehmen überhaupt etwas Erkennbares zustande bringen würden.
Krugman gefällt v.a. der jump-start-Metapher (in Schwung bringen oder Starthilfe geben) in Zandis Analyse nicht. Warum? Weil damit die Probleme heruntergespielt werden, die entstehen, wenn die vorübergehende Stimulanz verblasst. Der Nobelpreisträger für Wirtschaft hatte bereits vor einem Jahr davor gewarnt, dass die Flut von guten Nachrichten über das Wirtschaftswachstum nur beruhigend waren, wenn man daran glaubte, dass die Wirtschaft bereits auf Touren gekommen sei. Das traf damals natürlich nicht zu. Denn das Problem war, dass es keinen Grund gab, daran zu glauben.

Die Wirtschaft leidet nach wie vor unter einem Deleveraging-Schock (Schuldenabbau) und die Konjunktur ist auf weitere Stimulierung angewiesen, bis die überschuldeten Akteure alle Schulden abgebaut haben. Die Logik impliziert, dass man einen Abschleppwagen braucht, nicht eine Starthilfe, damit die Wirtschaft in Bewegung kommt, und zwar für einen längeren Zeitraum, fasst Krugman zusammen.



Kommentare:

endless.good.news hat gesagt…

Es macht einfach keinen Sinn daran zu glauben, dass durch Steuersenkungen die Wirtschaft im Moment angekurbelt würde. Die Unternehmen machen dadurch mehr Gewinne. Diese nutzen sie, um ihre Schulden abzubauen oder um sich durch die unsicheren Zeiten zu sparen. Ebenso ergeht es den Privatpersonen. Erst wenn wieder investiert wird geht es aufwärts. Durch Steuersenkungen passiert das in meinen Augen nicht.

Joey hat gesagt…

Ich bin entgeistert, dass man zb nichts aus dem Fehlern der Geschichte bzw der anderen (man schaue sich doch nur die USA an!) lernt.
Politik ist doch wirklich die einzige Disziplin in der man nicht einmal versuchen will wissenschaftlichen Standards zu folgen, sprich; zu akzeptieren wenn man falsch liegt weil es einem alle Experimente verraten.