Donnerstag, 2. Januar 2020

Euro-Staatsanleihen und eine sagenhafte Performance


Die Mehrzahl der Analysten ist sich mittlerweile einig, dass die Zinsen vermutlich noch lange niedrig bleiben werden.

Ein wesentlicher Grund ist die Austeritätspolitik: Es soll gespart werden, koste es, was es wolle. 

Während die Zentralbanken auf die kurzfristigen Zinsen Einfluss nehmen, werden die langfristigen Zinsen durch die fundamentalen Faktoren bestimmt. 

Entscheidend sind auf die lange Sicht drei Komponenten, wie sich die Zinsen zusammen bilden: erwartete kurzfristige Zinsen, Inflationserwartungen und Laufzeitprämie (term premium).

Die Inflationserwartungen sind niedrig, weil das Wirtschaftswachstum relativ niedrig ist. Und das ist der Fall seit den 1980er Jahren, die von Reagan in den USA und Thatcher in Grossbritannien geprägt wurden, getrieben durch das Motto, der Markt ist die Lösung und der Staat ist das Problem. 

Das Bestreben der neoklassisch indoktrinierten Entscheidungsträger auf beiden Seiten des Atlantiks ist seither, die Grössenordnung des Staates tatkräftig einzudämmen. Was dabei nicht ausgeschlossen werden kann, ist, dass damit (dem durchweg mittelmässigen Wachstum) auch extreme Einkommensungleichheit einhergeht.

Natürlich spielt auch die Technologie eine bestimmte Rolle, was der anhaltend niedrige Niveau der Zinsen betrifft. 


Die Wertentwicklung der EUR Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit in den vergangenen 10 Jahren, Graph: FT, Jan 01, 2020 


Die anderen Hauptfaktoren für den wirtschaftlichen Wohlstand sind Humankapital (Bildung und Qualifikation der Bevölkerung) und physisches Kapital (Menge und Qualität der physischen Infrastruktur, einschliesslich Maschinen, Gebäude, Energie und Verkehr).

Wichtig ist vor diesem Hintergrund, zu erkennen, dass auch die Unternehmen unterdessen zu Netto-Sparern geworden sind.

Es ist eine Binsenweisheit, dass es die Unternehmen sind, die die Ersparnisse der privaten Haushalte aufnehmen, um zu investieren.

Da sie es nicht tun, ist der Staat gefordert, in Aktion zu treten. Doch die Entscheidungsträger bestehen darauf, auch inmitten eines schwer angeschlagenen Umfelds der Wirtschaft die Ausgaben der öffentlichen Hand zu kürzen. Weil sie, wie oben angeschnitten, dogmatisch entschlossen sind, den Staat weiter zurückzudrängen.

Das bedeutet zugleich Verzicht auf öffentliche Investitionen in den Bereichen Infrastruktur, Bildung und Umweltschutz, obwohl die Kreditkosten so niedrig, ja sogar zum Teil negativ sind. Es ist daher grotesk, sich in Deutschland über niedrige Zinsen zu wundern.

Es ist leicht, die EZB zum Sündenbock zu machen.

Der Fazit-Blog schreibt dazu Ende Dezember etwas sehr Interessantes:

„Die geldpolitische Debatte war in Deutschland über Jahre hinweg zumindest in Teilen völlig entgleist und von der internationalen Debatte abgeschnitten. Verantwortlich hierfür waren unter anderem eurokritische Ökonomen, die aus politischen Gründen keinerlei Interesse besaßen, die Ursachen niedriger Zinsen anders zu erklären als mit der Geldpolitik des italienischen EZB-Präsidenten Mario Draghi.“

Ein Blick auf den Verlauf der Euro-Renditen am Jahresende zeigt, dass die EUR-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit in den vergangenen 10 Jahren (von 1999 bis 2019) insgesamt einen Ertrag von, sage und schreibe, 52% abwerfen, und damit sogar die US-Staatsanleihen (UST) schlagen.

Das ist doch angesichts der Unkenrufe an allen Ecken und Enden der Politik und Mainstream-Medien in Sachen EUR und die EZB sagenhaft. 



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