Montag, 11. Juni 2012

Inflationserwartungen und Geldmengenmultiplikator


Die Inflationserwartungen bleiben in den USA, der Euro-Zone und Grossbritannien verankert.

Die Phillips-Kurve, die die Produktionslücke (output gap) zu Inflation in Relation setzt, legt nahe, dass die Inflation sich mässigt, solange die Produktionslücke (zur Zeit Minus 4% für die USA) hartnäckig geöffnet bleibt.

Es kam aber in dieser Relation auch zu Verzerrungen, v.a. wegen des Angebotsschocks durch die Unruhen in Libyen. Es ist jedoch, wie die Fed davon ausgeht, damit zu rechnen, dass die Angebotsstörungen im Energie-Sektor sich weiter beruhigen werden.

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung ist, dass das Wachstum der Geldmenge hinter dem Wachstum der Bilanzsumme der Zentralbanken verbleibt.

Wie in der zweiten Abbildung zu sehen ist, hat sich der Geldmengenmultiplikator (d.h. das Verhältnis von M2 zu der monetären Basis) seit 2007 stark zurückgebildet. Die Bankeinlagen bei den Zentralbanken sind wesentlich schneller gestiegen als das Geldangebot.


Phillips-Kurve, Graph: Matthew Hornbach, Morgan Stanley, US Interest Rate Strategist

Im gleichen Zusammenhang ist auch die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (d.h. das Verhältnis von M2 zu BIP) seit 2008 in den USA, der Euro-Zone und Grossbritannien heftig eingebrochen.


Geldmengenmultiplikator, Graph: Morgan Stanley, US Interest Rate Strategist

Die Inflationserwartungen bleiben also in den fortentwickelten Volkswirtschaften fest verankert.

Es ist daher äusserst abwegig, dass die EZB sich am Rande des Teufelskreises weigert, die Zinsen weiter zu senken. Die EU ist weit davon entfernt, mit der Austeritätspolitik der Zombie Economics, die millionenfach menschliches Leid ausgelöst hat, aufzuhören. Das ist Wahnsinn.


Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, Graph: Morgan Stanley, US Interest Rate Strategist

PS:

M1= Bargeldumlauf + Sichteinlagen + Transaktionskonti

M2= M1 + Spareinlagen

Monetäre Basis = Notenbankgeldmenge, d.h. Giroguthaben der Banken bei der Zentralbank + Notenumlauf

Geldmengenmultiplikator= M2/Notenbankgeldmenge.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe immer noch nicht verstanden "woher" das Papiergeld eigentlich kommt. Also wie es seinen "initialen Wert" bekommt, es quasi hergestellt und die Menge festgesetzt wird. Ich verstehe dass durch den Reservesatz ein Multiplikationseffekt ensteht. Ich kann dato nicht beurteilen ob die hohen Nominalschulden (private wie staatliche) ein Problem sind.

Kannst du brauchbare Literatur empfehlen. Gerne Ordoliberale, Keynsianische, Monitaristische, Marginal-theoretische, oder Marx'sche?

ACEMAXX-ANALYTICS hat gesagt…

Allein die Zentralbank hat das Recht, „Banknoten“ herzustellen und auszugeben. Die Zentralbanken verpflichten sich heute, die Menge am laufenden Geld unter Kontrolle zu halten. Die Banken schaffen neues Geld, indem sie Kredite vergeben. Ihre Möglichkeiten zur Geldschöpfung sind jedoch begrenzt, da sie einen bestimmten Teil ihrer Einlagen nicht als Kredit weitergeben dürfen, sondern als Reseve halten müssen.

Gerade gestern hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ein informatives „Kurzporträt“ veröffentlicht. Unbedingt lesenswert. Einfach geschrieben, eher für Laien als für Profis:

http://www.snb.ch/de/mmr/reference/kurzportraet/source/kurzportraet.de.pdf