Mittwoch, 28. Dezember 2011

Was ist Kerninflation?

Was ist die Idee, die hinter Kerninflation steckt? Warum brauchen wir ein solches Konzept? Wie ist Kerninflation zu messen?

Die Kerninflation (core inflation) wird i.d.R. gemessen, indem Nahrungsmittel- und Energiepreise aus dem Preisindex (CPI) ausgeschlossen werden. Es gibt aber auch alternative Berechnungsmethoden wie z.B der getrimmte Mittelwert (trimmed-mean) und Median-Inflation (media inflation), die immer zunehmende Aufmerksamkeit auf sich ziehen, erklärt Paul Krugman in seinem Blog.

Der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor klärt vorerst ein paar Missverständnisse auf. Die Kerninflation wird nicht verwendet, um die Anpassungen für die Lebenshaltungskosten für die Social Security zu berechnen. Dafür wird der gewöhnliche CPI herangezogen.

Und Menschen, die sagen, dass das ein dummes Konzept sei, weil man auch für Lebensmittel und Gas Geld ausgibt, was auch im Hinblick auf die Messung der Inflation berücksichtigt werden müsste, verfehlen da Punkt, hält Krugman fest. Die Kerninflation soll nicht die Lebenshaltungskosten messen, sondern etwas anderes: Trägheit der Inflation (inertia).

Denken Sie darüber nach. Einige Preise in der Wirtschaft schwanken angesichts von Angebot und Nachfrage ständig. Nahrungsmittel und Treibstoff sind die offensichtlichsten Beispiele. Viele Preise schwanken jedoch nicht auf diese Weise. Sie werden von olipolistischen Unternehmen gesetzt oder durch Verhandlungsverfahren in langfristigen Verträgen festgehalten, sodass sie nur in Abständen von Monaten bis Jahren überarbeitet werden. Beispielsweise werden viele Löhne die gleiche Weise festgesetzt.


Inflation (USA): Median und der getrimmte Mittelwert, Graph: Prof. Paul Krugman

Das Wichtigste über diese weniger flexiblen Preise ist (wofür Ned Phelps Nobelpreis bekommen hat), weil sie nicht sehr oft revidiert werden. Sie werden mit der künftigen Inflation im Auge festgehalten.  Angenommen ich setze meinen Preis für das nächste Jahr fest, und ich erwarte, dass das allgemeine Preisniveau (einschliesslich der durchschnittlichen Preise von konkurrierenden Waren) um 10% im Verlauf des Jahres steigen wird. Ich würde dann meinen Preis um rund 5% höher setzen als ich es täte, wenn ich nur die aktuellen Bedingungen berücksichtigen würde.

Und das ist nicht die ganze Geschichte, weil die temporär festgelegten Preise nur in Abständen überarbeitet werden, schliessen ihre Wiederfestsetzung oft einen Aufholeffekt (catchup) ein. Noch einmal, angenommen ich setze meinen Preis nur einmal im Jahr fest und es gibt eine allgemeine Inflationsrate von 10%. Dann an der Zeit, wenn ich meine Preise wiederfestsetze, dürfte sie wahrscheinlich etwa 5% niedriger liegen als sie sein „sollte“. Dazu muss man die Wahrnehmung der künftigen Inflation mitberücksichtigen. Dann würde ich meinen Preis um 10% höher festlegen, auch wenn Angebot und Nachfrage mehr oder weniger im Gleichgewicht sein dürften.

Man stelle sich jetzt eine Wirtschaft vor, wo jederman dies tut. Was uns diese Geschichte besagt, ist, dass die Inflation sich selbsterhaltend wird, es sei denn, es gibt einen grossen Überschuss von entweder Angebot oder Nachfrage. Insbesondere, wenn die Erwartungen von beispielsweise von 10% Inflation sich in die Wirtschaft „einbetten“ (embedded). Es würde einen grossen Zeitraum in Anspruch nehmen (Jahre mit hoher Arbeitslosigkeit), um die Inflationsrate nach unten zu drücken. Als Beispiel dafür ist auf die extrem teure Disinflation  der frühen 1980er Jahre zu verweisen.

Nun die Messung: wir möchten den Überblick über die Art von Trägheit der Inflation (siehe hier) beibehalten, sowohl nach oben als auch nach unten, weil es genauso schwer ist, eine eingebettete Inflation loszuwerden wie eine eingebettete Deflation (fragen Sie Japaner) loszuwerden. Aber in der realen Welt, während manche (viele) Waren sich so verhalten, tun es einige nicht. Ihre Preise steigen rasch mit Angebot- und Nachfrage-Veränderungen und zeigen die Trägheit (inertia) nicht an. Wir brauchen also eine Massnahme, die die Signale von feinen Störfaktoren (noise) extrahieren, um den trägen Teil der Geschichte herauszubekommen.

Die Standardmessung versucht, dies durch den Ausschluss der offensichtlich nicht-trägen Preisen (d.h. Nahrungsmittel und Energie) hinzukriegen. Ist das aber die ganze Geschichte? Natürlich nicht. Die Standard-Messgrössen sind in letzter Zeit ein wenig unregelmässig gewesen. Daher verweisen viele Ökonomen zunehmend auf die Massnahmen (Berechnungsmethoden) wie Median Inflation und den getrimmten Mittelwert (trimmed mean inflation), die die Preise nicht berücksichtigen, die in einem bestimmten Monat viel schwanken, vermutlich deswegen, weil wir durch die Isolierung der trägen Preise das erreichen, was wir suchen.

Und dies Messgrössen deuten zur Zeit auf einen Prozess der Disinflation hin, wobei die Gefahr besteht, dass daraus eine Deflation entsteht.

Kommentare:

mfabian hat gesagt…

Also im Klartext: Deine Meinung ist also, dass die Preise sinken werden?
Oder anders ausgedrückt: Da immer weniger Papiergeld einer steigenden Menge von Gütern und Dienstleistungen gegenübersteht, wird Papiergeld gegen Güter im Wert steigen?
Ist das wirklich Deine Aussage??

Öhmm, vielleicht würde es Dir gut tun, Die mal die Mengen des gedruckten Papieres (egal ob von der FED, EZB oder BoE) anzuschauen und die Steigerungsrate mit jener von "ECHTEN" Gütern zu vergleichen.

acemaxx-analytics hat gesagt…

Die Notenbankgeldmenge (monetary base) in der Schweiz befindet sich auf historisch hohem Niveau.

Die SNB erwartet dennoch eine Inflation von Minus 0,3% im Durchschnitt für das Jahr 2012.

Weil der Anstieg der Notenbankgeldmenge (Notenumlauf + Giroguthaben der inländischen Banken bei der Notenbank) nicht zu Inflation führt, wenn die Wirtschaft in einer Liquiditätsfalle steckt.

Für die Wirkung der Geldpolitik auf Preise sind die Geldaggregate M1, M2 und M3 aussagekräftiger als die Notenbankgeldmenge, berichtet die SNB in ihrem Quartalsheft 4/2011.

Die Geldmengen sind nach einem sehr starken Wachstum in den Jahren 2009 und 2010 zwar langsamer, aber immer noch mit hohen Zuwachsraten gestiegen.

M1 (Bargeldumlauf, Sichteinlagen und Transaktionskonti) lag im November um 9,7% über dem Stand vor Jahresfrist, während M2 (M1 + Spareinlagen) im gleichen Zeitraum um 8,7% und M3 (M2 + Termineinlagen) um 7,2% zunahmen.

Die Inflation beträgt in der Schweiz per Ende November annualisiert Minus 2,4%.