Freitag, 7. August 2015

SNB-Devisenreserven klettern auf 531 Mrd. Franken

Die Währungsreserven der Schweiz waren im April, Mai und Juni rückgängig.

Wie die SNB aber heute morgen auf ihrer Internetseite im Rahmen von Special Date Dissemination Standard des IWF mitgeteilt hat, sind die Devisenreserven von 516 Mrd. CHF Ende Juni auf 531,8 Mrd. CHF im Juli gestiegen.

Das bedeutet ein Anstieg um fast 16 Mrd. CHF in einem Monat.  Die Daten legen nahe, dass die SNB im Devisenmarkt interveniert hat. Das heisst, dass CHF verkauft und Devisen gekauft wurden.

Die Aussage lässt sich jedoch nicht ganz festhalten, weil der Anstieg möglicherweise auch damit zu tun hat, dass der CHF sich im selben Zeitraum gegenüber dem EUR und dem USD abgewertet hat; und zwar 1,8% gegen den EUR und 3,2% gegen den USD.



EUR/CHF Vorhersage, Graph: Morgan Stanley

Donnerstag, 6. August 2015

In welche Aktien die SNB investiert und warum

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) investiert einen Teil der Devisenreserven in Anleihen (Staatspapiere) und einen Teil in Aktien. Ziel ist Diversifizierung des Devisenportfolios. Die Devisenreserven belaufen sich zur Zeit auf 516,2 Mrd. CHF (last update July 31, 2015).

Bei ihrer Anlagepolitik orientiert sich die SNB an den Kriterien Liquidität, Sicherheit und Ertrag. Die Gewichtung der einzelnen Anlagekriterien leitet sich aus den Funktionen der Währungsreserven ab.

Der Aktien Anteil beträgt gemäss Angaben der SNB per Ende Juni 2015 17%. Vor einem Quartal lag der Anteil der Dividenden-Papiere auf 18%.

Die Finanz & Wirtschaft stellt in einem lesenswerten Bericht die Positionen im SNB-Portfolio vor:


Aktien-Positionen im Portfolio der SNB, Graph: FuW 

Mittwoch, 5. August 2015

Dunkle Wolken am Horizont der Schweizer Wirtschaft

Die Schweizer Wirtschaft scheint tiefer in den Strudel der europäischen Austeritätspolitik zu geraten. Das makroökonomische Umfeld der Schweiz verschlechtert sich, wie die aktuellen Daten nahelegen.

Die SNB hat am 30. Juni einen Verlust von 50,1 Mrd.CHF für das erste Halbjahr ausgewiesen. Das Ergebnis ist, wie die SNB betont, von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängig.

Der negative Erfolg auf den Fremdwährungspositionen belief sich auf insgesamt 47,2 Mrd. CHF.

Apropos negativ: Auch der Konsumentenpreisindex (CPI) verläuft seit Monaten tief negativ, wie das BIP-Wachstum im ersten Quartal negativ war.

Und der Einkaufmanagerindex (PMI), der im Juli mit 48,7 Zählern unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten notiert hat, deutet auf eine Schrumpfung der Wirtschaft hin. Eine baldige Entspannung ist nicht in Sicht, wie die CS in Economic Research unterstreicht.

Obendrauf erwartet die SNB bis Anfang 2017 keine Entkommen von der Deflation. Die Annahme beruht, wohlgemerkt, darauf, dass der CHF sich abschwächt.


Der reale effective Wechselkurs des Schweizer Franken (CHF), Graph: Morgan Stanley

Dienstag, 4. August 2015

Deutsche Wirtschaft begegnet Risiko aus China

Seitdem die chinesische Börse in den vergangenen Monaten eingebrochen ist, ist Europas Wirtschaft in banger Erwartung. Immerhin hat Chinas Aktienmarkt seit Mitte Juni 30% an Wert verloren, was 3’500 Mrd. Dollar entspricht.

Das Unbehagen in Europas Unternehmen ist daher nachvollziehbar. Der Einkaufsmanager-Index ist zuletzt auf 47,5 Punkte gefallen. Der Wert unterhalb der Marke von 50 deutet auf eine schrumpfende Wirtschaft hin.

Sollte China’s Wachstum unerwartet ins Wanken geraten, ist Deutschland angesichts der tiefen Integration via Handel und Direktinvestitionen wahrscheinlich das am meisten gefährdete EMU-Land, schreiben Analysten von Morgan Stanley in einer am Montag vorgelegten Studie.

Darüber hinaus käme es möglicherweise via second-round trade effects auch zu spillover-Folgen für Deutschlands Handelspartner in Europa.

Rückwirkungen über den Bank-Kanal dürften nicht gross sein, weil die Integration via Finanzmarkt noch begrenzt ist, schätzen die Analysten weiter.


Deutschlands Exporte nach China, Graph: Morgan Stanley

Montag, 3. August 2015

Ordoliberales Konzept als Falltür für Europa

Wolfgang Schäuble will die EU-Kommission entmachten. Bundesfinanzminister denkt daran, die Funktionen an politisch unabhängige Behörden auszugliedern, wie die FAZ berichtet.

Der Hinweis auf Kompetenzstreitigkeiten unter den Griechenland-Gläubigern überzeugt nicht. Der Auslöser ist der Fakt, dass die EU-Kommission sich von der harten Linie der deutschen Haltung gegenüber Athen etwas distanziert und zuletzt auch in Sachen Haushaltsregeln (fiscal rules) eine gewisse Flexibilität an den Tag gelegt hat.

Was Schäuble vorschwebt ist, die Fiskalpolitik auf Austerität-Autopilot zu stellen, ohne Rücksicht auf die konjunkturelle Entwicklung, wie Philippe Legrain in einem lesenswerten Artikel (“The last thing the Eurozone needs is an ever closer Union”) in Foreign Policy treffend darlegt.

Sonntag, 2. August 2015

Der am meisten enttäuschende Chart der Woche

Das nominale Lohnwachstum bleibt in den USA schwach. Angesichts der abnehmenden Arbeitslosigkeit wäre zu erwarten gewesen, dass die Löhne anfangen, zu steigen.

Der Employment Cost Index  (ECI) hat zuletzt die schlimmsten Daten (+0.2%M) seit 1982 geliefert.



Real Employment Cost Index (ECI), Graph: Morgan Stanley
PS: “real” bedeutet hier, dass der ECI Index um die PCE Kern Inflation angepasst wurde.

Samstag, 1. August 2015

Wie neoliberale Standortpolitik in Europa Humankapital zerstört

Auch Gustav Horn schaltet sich in die Debatte “Konkursordnung für Staaten" ein. In einer lesenswerten Replik (“Es ist der Neoliberalismus, stupid!”) in Die Zeit auf Mark Schrietz legt der Chef des Instituts für Makroökonomie (IMK) völlig treffend dar, dass nicht der Euro für die Krise in der EMU verantwortlich ist, sondern die falsche Wirtschaftspolitik.

Gemeint ist damit die von Deutschland geprägte neoliberale Standortpolitik. Wenn die Mitgliedstaaten ihre Wirtschaftspolitik Rahmenbedinungen der Währungsunion nicht anpassen, entstehen Ungleichgewichte, sodass die Wettbewerbsfähigkeit auseinander driftet.

Eine Währungsunion bedeutet in erster Linie die Vereinbarung eines von der Zentrabank (nämlich der EZB) angestrebten Inflationsziels. Dadurch soll europaweite Preisstabilität erreicht werden. 

Wenn einige Länder über ihre Verhältnisse, aber wenn andere Länder unter ihren Verhältnissen leben, kommt es mit der Zeit zu Verzerrungen mit unvorteilhaften Folgen. Und es entsteht allmählich eine Krise.


Inflation im Euro-Raum verläuft deutlich unter dem gemeinsamen Zielwert der EZB, Graph: EZB in: Economic Bulletin 5/2015