Sonntag, 22. Oktober 2017

Die mengenmässige Lockerung der Geldpolitik und Negativzinsen


Warum verharrt die Inflation auf einem so niedrigen Niveau? Warum ist die Unterbeschäftigung so hoch, während die Arbeitslosenquote sinkt? Warum verläuft die wirtschaftliche Erholung so schleppend?

Die Deutsche Bank Research deutet darauf hin, dass die EZB sich in Sachen QE-Politik (d.h. die mengenmässige Lockerung der Geldpolitik) übernimmt.

Die EZB kauft nun sieben Mal mehr Anleihen als die Regierungen des Euroraums nach Berechnungen von Torsten Slok, dem Ökonomen der Deutschen Bank, auf den Markt bringen.

Zum Vergleich: Die Anleihekäufe der Bank of Japan (BoJ) übersteigen derzeit die Neuemissionen um den Faktor drei. Die Nachfrage der US-Notenbank (Fed) hat das Angebot seit Mitte 2002 nicht mehr überschritten.


Die EZB kauft nun sieben Mal mehr Anleihen als die Regierungen des Euroraums auf den Markt bringen, Graph: Deutsche Bank via Bloomberg


Die Deutsche Bank schätzt, dass Anleihen in Höhe von rund 8'000 Mrd. USD weltweit wegen der anhaltenden unkonventionellen Geldpolitik der Zentralbanken mit einer Rendite von unterhalb von Null-Prozent gehandelt werden.

Das entspreche ca. 17% der ausstehenden Anleihen weltweit.

Damit komme die zusätzliche „Feuerkraft“, die die Zentralbanken auf den Markt bringen, um die Zinsen zu senken und die Kredit-Spreads zu schmälern und zugleich die Aktienmärkte anzukurbeln, so Slok in seiner Studie.

Der Unterschied in der Grössenordnung von QE-Politik der G3 sei ein wichtiger Grund, weshalb der EZB-Ausstieg aus dem Anleihekauf-Programm ein viel grösseres Ereignis für die Märkte bedeuten mag.



Die roten Balken zeigen die Anleihen, die im Markt mit einer Negativ-Rendite gehandelt werden, Graph: Deutsche Bank via Bloomberg


Die EZB wird am 26. Oktober 2017 die Pläne für die Anleihe-Käufe 2018 vorlegen. Das Programm dürfte bis Ende 2017 ein Volumen von 2'280 Mrd. EUR erreicht haben.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die mengenmässige Lockerung der Geldpolitik eine unkonventionelle Massnahme ist und bleibt. Die EZB hält daran fest, weil Brüssel von der Fiskalpolitik keinen Gebrauch machen will. 

Warum? Weil der Stabilitäts- und Wachstumspakt keine Flexibilität in einem schwer angeschlagenen Umfeld der Wirtschaft zulässt; Haushaltskonsolidierung, Schuldenbremse und „schwarze Null“ sind die weiteren Stichworte dazu.

Wenn die Anhänger der Austeritätspolitik (angelehnt an Liquidationismus à  la Andrew Mellon) obendrauf auch den Arbeitsmarkt „strukturell reformieren“ und die Löhne unter Druck setzen, befindet sich die Wirtschaft auf den Weg der Disinflation.

Die stagnierenden Löhne lasten auf der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Da die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen sind, erlahmt das Kreditwesen. Und die Investitionen bleiben trotz der besonders günstigen Bedingungen auf dem Zinsmarkt zurück. Das schwache Wachstum impliziert Niedrigzinsen.



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