Sonntag, 7. Mai 2023

Bucking the Buck

 Buchbesprechung

Daniel McDowell: Bucking the Buck – US Financial Sanctions and the International Backlash against the Dollar, Oxford University Press, March 2023.


Die USA haben am Jahrestag (im Februar 2023) des russischen Einmarsches in die Ukraine ein neues Massnahmenpaket angekündigt. 

Es geht um Sanktionen gegen mehr als 200 Personen aus Russland, aber auch aus Staaten in Europa, Asien und Nahost, die Russlands Krieg unterstützen sollen.

Die Grundlage der US-Sanktionsmöglichkeiten ist die globale Abhängigkeit vom Dollar.

Was heute auffällt, ist, dass gegen kein Land in der Geschichte so viele Sanktionen verhängt worden sind wie gegen Russland.

Was sind aber die Folgen für die Wirtschaft? 

Experten gehen davon aus, dass die Straffmassnahmen durchaus greifen. 

Zur Erinnerung: Die Währungshoheit ist die Quelle der amerikanischen Finanzmacht. US Dollars Funktion als internationales Tauschmittel und als Wertaufbewahrungsmittel sind zwei Bereiche, in denen die «Königswürde» des Dollars unbestritten ist.

Samstag, 22. April 2023

Making Money Work for Us

Book Review - Buchbesprechung

L. Randall Wray: Making Money Work for Us – How MMT can save America, Polity Press, 2022, Cambridge, UK.



Geld ist in der Natur ein Schuldschein: IOU, I owe you («Ich schulde dir etwas»).

Banken schaffen Geld, wenn sie Kredite vergeben. 

Allerdings sind die Banken durch das Angebot an potenziellen Kreditnehmern, die kreditwürdig und kreditwillig sind, eingeschränkt. 

Darüber hinaus können eine ordnungsgemäße Aufsicht und Regulierung durch die Behörden die Banken in Schach halten.

Die britische Zentralbank (BoE: Bank of England) hat im «Quarterly Bulletin 2014 Q1» erklärt, wie die Geldschöpfung in einer modernen Volkswirtschaft durch die Banken stattfindet:

Wann immer eine Bank einen Kredit gibt, schafft sie gleichzeitig Sichteinlagen zugunsten des Kreditnehmers und schöpft damit neues Geld.

Drei Jahre später hat auch die deutsche Bundesbank (BuBa) im «Monatsbericht April 2017» bekräftigt, dass die Banken «aus dem Nichts» (out of thin air) Kredit erzeugen können.

Die Bundesbank hat ferner hervorgehoben, dass die „Fähigkeit der Banken, Kredit zu vergeben und Geld zu schaffen, nicht davon abhängt, ob sie bereits über freie Zentralbankguthaben oder Einlagen verfügen“.

Sonntag, 16. April 2023

Warum verkauft der Staat Anleihen?

Why Does Government Sell Bonds?

Debt Ceiling: Bond Vigilantes vs. Uncle Sam


Banken schaffen Einlagen (deposits), wenn sie Kredite vergeben. Und die Schuldner zahlen diese Kredite mit Bankeinlagen zurück. Fast alle Bankkredite werden auf diese Weise zurückgezahlt, nämlich durch die Belastung von Bankeinlagen.

Wichtig ist, sich vor Augen zu führen, dass die Finanzen eines souveränen Staates nicht vergleichbar mit denen von Haushalten und Unternehmen sind. 

Ferner ist es grundlegend, nicht zu vergessen, dass die Ausgaben des Staates weder durch Steuern noch durch die "Wächter des Anleihemarktes" («Bond Vigilantes») eingeschränkt werden. Staaten tätigen heute auf "Tastendruck" (keystroke) Ausgaben, welche ihnen niemals ausgehen können.

Wie kommen aber die Banken überhaupt an Reserven?

Bedenken Sie, dass Reserven einfach von der Zentralbank geschaffene Einlagen sind, wie L. Randall Wray in seinem neuen Buch kenntnisreich und detailliert erklärt.



Defizit des öffentlichen Sektors = Überschuss des privaten Sektors, Graph: Prof. L. Randall Wray


Donnerstag, 6. April 2023

Teuer!

Buchbesprechung

Maurice Höfgen: Teuer! Die Wahrheit über die Inflation, ihre Profiteure und das Versagen der Politik, dtv, München 2023.


Inflation scheint derzeit gefangen zu sein, in Narrativen, die dazu angedichtet werden und damit trügerisch sind. 

Ein «comedy of errors» sozusagen.

Dabei ist Inflation kein schwarzes Loch, wie der Autor in der Einführung seines neuen Buches mit Nachdruck bekräftigt.

Inflation passiert nicht, Inflation wird gemacht, von Firmen, von Gewerkschaften, vom Staat, von uns allen.

Der epistemologische Blickwinkel ist daher der grösste Vorteil, sich nicht verführen und aufreizend zu lassen. Dazu ist dieses Buch da.

Preisanstiege beispielsweise bedeuten noch lange nicht, dass die Inflation steigt. Auch wenn die Preisanstiege dauerhaft sind und damit die Definition von Inflation erfüllen, sagt die Inflationsrate nicht viel aus. 

Es geht im Allgemeinen darum, wer wie viel vom Kuchen bekommt: Der Kuchen ist der Wohlstand. Wer mehr Geld hat, kann sich ein grösseres Stück vom Kuchen kaufen. Deshalb setzen wir uns permanent mit Geld auseinander, so der Autor weiter.

Und der Hader um den Kuchen ist ein Verteilungskonflikt mit Gewinnern und Verlierern. Denn die Ausgaben des einen sind immer die Einnahmen eines anderen. Die reale Gefahr ist, dass im Gerangel um das grössere Stück vom Kuchen eine Spirale entsteht: die sog. Lohn-Preis-Spirale

Samstag, 1. April 2023

Bankenkrise und Schattenbanken System

Buchkredite versus verbriefte Kredite


Die volle Auswirkung der Turbulenzen, die mit dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank ausgelöst wurden, ist noch unklar.

Goldman Sachs’ Wirtschaftsexperten beispielsweise erwarten nicht, dass der Stress im Bankensystem die USA in eine Rezession stürzt.

Doch mehr als ein Dutzend von Bloomberg News befragte Aufsichtsbehörden, Banker, Vermögensverwalter und ehemalige Zentralbankbeamte sagen, dass die Verschuldung im Schatten Banken System und ihre Verbindungen zu Kreditgebern zu einem wichtigen Grund zur Sorge werden, da steigende Zinssätze die Finanzmärkte in Aufruhr versetzen. 

Der Vorsitzende der Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) Vorsitzender Martin Gruenberg hat jüngst in einer öffentlichen Stellungnahme eine genauere Prüfung gefordert.


Von Finanzinstituten ohne Banklizenz gehaltene Vermögenswerte: Nicht-Bank-Finanzinstitute, Graph: Bloomberg, March 31, 2023


Freitag, 24. März 2023

Zentralbank: Inflation vs. Beschäftigung?

The best cure for inflation: Rate Hikes vs.Tax Increases?


Wenn die Volatilität im Bankensystem die Liquiditätsnachfrage erhöht, ist es richtig und wichtig, dass die Zentralbanken die notwendige Liquidität bereitstellen.

Das Netzwerk der Swap-Linien gelten dabei als eine wichtige Liquiditätsabsicherung zum Abbau von Anspannungen an den Finanzierungsmärkten.

Das System von stehenden Fazilitäten zwischen Zentralbanken trägt dazu bei, die Auswirkungen von Anspannungen auf die Kreditversorgung der Haushalte und Unternehmen im In- und Ausland abzufedern.

Die internationale Liquidität, die durch erweiterte Dollar-Swap-Linien angeboten wird, ist eine Standardmaßnahme. 

Die Bank of Canada, die Bank of England (BoE), die Bank of Japan (BoJ), die Europäische Zentralbank (ECB), die Federal Reserve (Fed) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) kündigten am vergangenen Sonntag eine koordinierte Aktion zur Stärkung der Liquiditätsversorgung via die bestehenden US-Dollar-Swapabkommen an.

Doch die genannten Zentralbanken sind seit geraumer Zeit dran, die Geldpolitik aus "wirtschaftlichen Gründen" straffen, mit der Folge, dass sich die derzeitige Verschärfung der Kreditvergabestandards beschleunigt. 

Die Erwartung ist, dass eine schwächere Nachfrage Disinflation nach sich zieht.


Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem steigenden Anteil der Unternehmensgewinne am BIP und dem starken Preisanstieg in den USA nach der COVID19-Pandemie, wie eine von der University of Massachusets Amherst veröffentlichte Studie zeigt, Graph: FT, March 20, 2023

Donnerstag, 16. März 2023

Central Banking 101

Buchbesprechung

Joseph Wang: Central Banking 101, Publisher Joseph, January 2021, New York


Wenn die meisten Menschen an Geld denken, stellen sie sich rechteckige, von der Regierung bedruckte Papierstücke vor, die als Fiat-Währung bekannt sind. 

Obwohl dies die bekannteste Form von Geld ist, macht sie nur einen kleinen Teil dessen aus, was Geld im modernen Finanzsystem kennzeichnet.

Den meisten Menschen wird ihr Gehalt auf ihr Bankkonto überwiesen und über elektronische Zahlungen ausgegeben. Die Zahlen, die wir auf unserem Bankkonto sehen, werden als Bankeinlagen bezeichnet: eine eigene Art von Geld, das von Geschäftsbanken und nicht von dem Staat geschaffen wird, erklärt Joseph Wang in seinem Buch.

Eine Bankeinlage ist ein Schuldschein von einer Bank, der wertlos werden kann, wenn die ausstellende Bank in Konkurs geht. Ein 100-Dollar-Schein hingegen wird von der Fed ausgestellt, die Teil der US-Regierung ist. Dieser 100-Dollar-Schein ist so lange wertvoll, wie es die USA gibt.

Die dritte Art von Geld sind die Zentralbankreserven, eine besondere Art von Geld, das von der Fed ausgegeben wird und nur von Geschäftsbanken gehalten werden kann.

Die letzte Geldart sind Schatzanweisungen (US-Treasuries), die im Grunde eine Geldart sind, die ebenfalls Zinsen zahlt.