Dienstag, 23. Oktober 2012

Ist Geld eine Blase?


Es gibt Ökonomen, die das Geld für eine Blase halten. Noah Smith macht in seinem Blog auf Steve Williamson aufmerksam. Williamson behauptet in seinem Blog, dass das Geld bloss ein Stück grünes Papier ist. Der ganze Blogeintrag richtet sich im Grunde genommen gegen Paul Krugmans Sicht von Makroökonomie im Allgemeinen. Geld ist eine reine Blase ("a pure bubble"), da seine Grundlage Null ist, bekräftigt Williamson.

Natürlich stimmt es nicht.

Was ist aber gemeint, wenn von einer Blase geredet wird? Krugman beschreibt es so, dass die Menschen ihre Entscheidungen auf Annahmen über die Zukunft abstützen, die wieder auf die jüngsten Erfahrungen beruhen, welche aber nicht erfüllt werden können. Menschen kaufen zum Beispiel Häuser, weil sie erwarten, dass die Hauspreise weiter steigen, mit einer Geschwindigkeit, dass am Schluss eventuell niemand mehr ein erstes Haus kaufen kann.

Blasen müssen nicht einmal Preise einschliessen, erklärt Krugman weiter. Man kann einen lokalen Bau-Boom erleben, welcher von einem schnellen Wachstum der Bevölkerung und der Beschäftigung in einem bestimmten Gebiet getrieben wird. Wenn die Hauptsache, die das rasche Wachstum fördert, der lokale Bau-Boom ist, bricht dieser schliesslich zusammen, wenn genügend Häuser fertiggestellt worden sind.

Der Punkt, ob Preise involviert sind oder nicht, ist, dass die Erwartungen von Individuen sich zu einer gesamten Unmöglichkeit zusammenaddieren.

Montag, 22. Oktober 2012

Austerität und Besessenheit der Elite


David Dayen (via Paul Krugman) deutet auf einen wichtigen Punkt hin: Während der Debatte an der Hofstra  University zwischen Obama und Romney, wo die Fragen aus der Öffentlichkeit entgegengenommen wurden anstatt aus der Beltway Elite, ist keine einzige Frage über das US-Haushaltsdefizit gestellt worden. Keine einzige.

Die Öffentlichkeit interessiert sich dafür nicht. Aber auch die Finanzmärkte kümmern sich nicht darum. Weil die öffentliche Hand immer noch zu unglaublich niedrigen Zinsen Kapital aufnehmen kann.

Die Ergebnisse der Austeritätspolitik zeigen inzwischen klar, wie nachteilig der harsche Austeritätskurs in einer angeschlagenen Wirtschaft auswirkt, viel schlimmer als die Elite sich vorgestellt hat, hält Krugman in seinem Blog fest.

Während die Wirtschaft schrumpft und die Steuereinnahmen zurückgehen, verstärkt sich die Austerität selbst, mit wenig Einfluss auf das Haushaltsdefizit, sogar auch kurzfristig. Wenn man die Auswirkungen auf die lange Sicht mitberücksichtigt, dann erweist sich die Austerität fast sicher als unsinnig. 

Carry Trades gehen bachab


Im gegenwärtigen Umfeld des Marktes, wo die Zinsen auf der Null-Grenze (zero lower bound) liegen, wird es schwieriger, mit sog. Carry Trades sorglos zu spekulieren.

Der UBS Index, der die Erträge aus Carry Trades erfasst, ist mittlerweile auf das niedrigste Niveau seit 2011 gesunken. Auch der Volatility Index von JPMorgan Chase ist auf eine 5-Jahres-Tief gefallen.

Das tägliche Volumen am weltweiten Devisenmarkt ist im September um 39% eingebrochen, wie Bloomberg berichtet.

Täglich werden mit Devisen global rund 4‘000 Mrd. $ umgesetzt. Der Kursbereich für Handel (trading ranges) mit Fremdwährungen hat sich in diesem Jahr erheblich eingeengt.

Kerninflation verläuft in der Schweiz weiterhin negativ


Die Kerninflation verharrt in der Schweiz den 12. Monat in Folge negativ. Im September belief sich die Inflation (ohne frische und saisonale Produkte, Energie und Treibstoffe) auf Minus 1,0%.

Wie dem von der SNB heute vorgelegten Monatsheft (Oktober 2012) zu entnehmen ist, verzeichnete auch der getrimmte Mittelwert (TM15), der wie die Kerninflation ein geeigneteres Bild der Entwicklung der allgemeinen Inflation liefert, einen negativen Wert: Minus 0,1%.

Da die am Konsumentenpreisindex gemessene Teuerung kurzfristigen Schwankungen unterliegt, ist es wichtig, den Verlauf der Kerninflation im Auge zu behalten.



Schweiz: Kerninflation und der getrimmte Mittelwert, Graph: ACEMAXX ANALYTICS
Daten: SNB Monatsheft Oktober 2012

Bemerkung: Der vorübergehende Anstieg der Teuerung im März 2011 ist im Wesentlichen auf einen Sondereffekt aufgrund eines höheren Erhebungsrhythmus der Preise für Bekleidung und Schuhe zurückzuführen.

Finanzkrisen und Rezessionen


Die US-Wirtschaft scheint sich endlich ernsthaft zu erholen. Die Nachrichten sind aber gut, nicht grossartig. Es wird noch Jahre dauern, bis die Vollbeschäftigung wiederhergestellt ist, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („The Secret of Our Non-Success”) am Montag in NYTimes.

Warum erfolgt die Erholung aus einer Finanzkrise so langsam? Finanzkrisen gehen Kredit-Blasen voraus. Wenn die Blasen platzen, lassen sie viele Familien und/oder Unternehmen mit hoher Verschuldung zurück, was diese zwingt, Ausgaben stark zu kürzen. Der Rückgang der Ausgaben wiederum drückt die Wirtschaft runter, erklärt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofossor.

Und die übliche Antwort auf eine Rezession, Zinsen zu senken, um die Ausgaben anzukurbeln, ist nicht ausreichend. Viele private Haushalte können einfach nicht mehr Geld ausgeben und Zinsen können nur bis auf die Null-Grenze gesenkt werden, nicht darunter.

Bedeutet dies, dass nichts mehr getan werden kann, um einen lang anhaltenden Abschwung nach einer Finanzkrise zu verhindern? Nein, erwidert Krugman. Es bedeutet, dass man mehr tun muss, als einfach nur die Zinsen zu senken.

Inbesondere, was die Wirtschaft wirklich benötigt, müssen die Ausgaben der öffentlichen Hand erhöht werden, um die Beschäftigung aufrechtzuerhalten, während der Privatsektor seine Bilanz bereinigt. Und die Obama-Regierung hat zwar etwas unternommen, um die Schwere der Finanzkrise abzustumpfen. Das Konjunkturprogramm (stimulus) war aber leider zu klein und zu kurzlebig, zum Teil, weil die Regierung sich verschätzt hat. Aber hauptsächlich wegen der Politik der verbrannten Erde der Republikanischen Partei, legt Krugman dar.

US-Konjunkturprogramm im Rückblick


Als ehemaliges Mitglied des Wirtschaftsteams von Präsident Obama habe sie eine empfindliche Stelle für expansive Fiskalpolitik (fiscal stimulus), schreibt Christina Romer in einem lesenswerten Artikel („The Fiscal Stimulus, Flawed but Valuable“) in NYTimes am Samstag.

Aber sie ist auch eine empirische Wirtschaftswissenschaftlerin, die in ihrer Karriere viel Zeit investiert hat, die Auswirkungen der Geld- und Fiskalpolitik zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund bewertet die an der University of California, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessorin, was über die Auswirkungen des Konjunkturpakets zu wissen ist.

Die Recovery Act scheint viele Vorteile gehabt zu haben. Es hätte viel wirksamer sein können. Ganz offensichtlich war das Konjunkturprogramm zu klein. „Als wir es entworfen, sagten die meisten der Prognostiker, dass die USA rund 6 Mio. Arbeitsplätze verlieren würden“, bemerkt Romer. 

Verglichen mit der Baseline hätte die Schaffung von 3 Mio. Arbeitsplätzen die Hälfte der Lücke schliessen sollen. Es hat sich herausgestellt, dass die korrekte no-stimulus-Baseline einen Rückgang der Beschäftigung um fast 12 Mio. Arbeitnehmer nahelegte. Mit einem derart grossen Verlust war es nicht hilfreich, 3 Mio. neue Stellen zu schaffen, nicht annähernd genug.

Eine andere Mischung der Ausgabenerhöhungen und Steuersenkungen wäre laut Romer wünschenswert gewesen. Und sie hätte es sich gewünscht, dass das Team in der Lage wäre, ein öffentliches Beschäftigungsprogramm zu gestalten, welches unmittelbar vielen arbeitslosen Menschen, v.a. jungen Menschen geholfen hätte, eine Stelle zu finden.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Finanzsektor und Finanzkrise


Was wäre passiert, wenn die Banken von der öffentlichen Hand nicht gerettet worden wären? Wie hätte es heute nach der Finanzkrise ausgesehen, wenn es nicht zu Bail-out von Finanzunternehmen gekommen wäre?

Dean Baker denkt, dass die Wirtschaft am selben Ort gewesen wäre. Es hätte sich also seiner Ansicht nichts Wesentliches geändert. Paul Krugman denkt, dass es eine zweite Runde von Schäden gegeben hätte. So etwas wie TARP wäre nötig gewesen, nicht aber ausreichend, argumentiert der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor.

Die Debatte in der Blogosphäre unter US-Ökonomen dreht sich im Grunde genommen um die Natur der Finanzkrise. Wenn heute noch immer von der Finanzkrise die Rede ist, sind damit eigentlich die Nachwirkungen der Krise gemeint.

Das heisst, dass wir, wie Baker argumentiert, heute nicht eine Finanzkrise hätten, in dem Sinne, dass das Problem im Finanzsystem liege. Krugman benutzt die Worte „Finanzkrise“ lose, um damit die Phase nach dem Platzen der „Bubble im Häuser- und Kreditmarkt“ zu beschreiben, nicht zu implizieren, dass ein geschädigtes Finanzsystem immer noch auf der Wirtschaft lastet.

Gemessen an meisten Messgrössen hat sich das Finanzsystem mehr oder weniger zu Normalität gedreht, ist Krugman überzeugt, wie der Financial Stress Index der Fed St. Louis darauf hindeutet.


Financial Stress Index, Graph: FRED, St. Louis Fed, Financial Stress Index