Dienstag, 11. März 2008

Hedge Fonds aktuelle Schieflage

Ausfallrisiko vs. Liquiditätsrisiko

Die Schieflage der Hedge Fonds hält zur Zeit die Finanzmärkte in Atem. Hedge Fonds haben zwei besondere Eigenschaften: 1) Sie sind kaum reguliert. Das heisst, sie haben Narrenfreiheit, wo und in welchem Ausmass sie investieren. 2) Sie spekulieren auf Kredit. Auf eine Einheit Eigenkapital gesellen sich i.d.R. 3 bis 5 Einheiten Fremdkapital. Der Auslöser der aktuellen Krise ist folgende: erstens haben Hedge Fonds im grossen Stil in Anleihen investiert. Bei den Anleihen handelt es sich vorwiegend um solche, die mit Hypotheken geringerer Qualität besichert sind. Finanziert wurden diese Investitionen aber mit Krediten („Leverage“) der Banken. Zweitens engagierten sich Hedge Fonds in Kreditderivaten (genau genommen in „Credit Default Swaps“, die auf erstklassige Euro-Staatsanleihen laufen) als Sicherungsgeber. Hier ist zu bemerken, dass diese kaum Ausfallrisiko beinhalten. Nun ist es aber indes so, dass in den vergangenen Wochen die Sicherungsprämien für solche Geschäfte gestiegen sind. Die Banken als Gegenpartei fordern deshalb von den Hedge Fonds zusätzliche Sicherheiten. Wenn Banken keine Sicherheiten für ihre Ausleihungen an Hedge Fonds bekommen, haben sie das Recht, diese Wertpapiere zu verkaufen. Zur Zeit überwiegt also das Liquiditätsrisiko. Es ist zugleich ein zweischneidiges Schwert. Verkaufen die Banken diese Wertpapiere, erleiden sie selber Verluste.

Montag, 10. März 2008

Inflationsindexierte Anleihe mit Minus Rendite

Die US-Notenbank (Fed) hat angekündigt, im März bis zu 200 Mrd. Dollar Liquidität in die Kreditmärkte zu pumpen. Dazu wurde das Volumen von zwei „Term Auction Facilities“ (TAF) von jeweils 30 auf 50 Mrd. Dollar erhöht. Ferner will die Fed im Rahmen ihrer Offenmarktoperationen Geschäftsbanken Repogeschäfte von 100 Mrd. Dollar anbieten. Das belegt deutlich, wie besorgt die amerikanischen Währungshüter wegen der Hypotheken- und Kreditkrise sind. Seitdem Platzen der Subprime-Blase versucht die Fed, die Spannungen am Geldmarkt zu lösen. Die Ankündigung der amerikanischen Notenbank, die genannten Summen für Refinanzierungsgeschäfte, wenn nötig, wieder aufzustocken, hat inzwischen Spekulationen genährt, dass der Leitzins am 18. März (die nächste Fed-Sitzung) um 75 Basispunkte (0,75%) auf 2,25% gesenkt werden könnte. Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass die US-Wirtschaft sich in einer Krise befindet.

Die Zahl der Beschäftigten ausserhalb der Landwirtschaft ist im Februar um 63'000 gefallen, so stark wie seit März 2003 nicht mehr. Bereits im Januar hatte das Arbeitsministerium Verluste von 22'000 Arbeitsplätzen verzeichnet. Der Fed-Chef Ben S. Bernanke machte vergangene Woche vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses klar, welchem Ziel zur Zeit die Top-Priorität gilt: Unterbindung der Rezessionsgefahr. Die Fed nimmt kurzfristig Inflation in Kauf, da sie damit rechnet, dass die Wirtschaftswachstumsschwäche den Inflationsdruck in den kommenden Monaten dämpfen wird. Die Anleger hingegen suchen einen sicheren Hafen für ihr Geld und kaufen deswegen inflationsgebundene Staatsanleihen (sog. „TIPs“), Gold, Silber und andere Rohstoffe wie Platin und Palladium. Die Rendite der 5-jährigen TIPs ergibt indes einen negativen Wert. An diesem Montag notierte die Anleihe mit der Laufzeit bis 2012 zu Handelsbeginn in Europa mit Minus 0,18%. Wie die TIPs zeigen, erwarten die Anleger nicht, dass die Fed die Inflation in naher Zukunft unter Kontrolle bringen kann. Trotz Minusrenditen können aber Anleger mit inflationsindexierten Anleihen Geld verdienen, da das Stammkapital bei der Rückzahlung um den aktuellen Konsumenten-Preisindex (CPI) angehoben wird. Kein Wunder, dass die TIPs seit Jahresbeginn eine Wertentwicklung von rund 6,2% erbringen. Im Vergleich: die US-Treasuries haben eine Performance von Plus 3,7%.

Sonntag, 9. März 2008

ECB's Policy Stance

The European Central Bank (ECB) kept interest rates at 4 percent last Thursday to curb inflation. ECB President Jean-Claude Trichet played down investor speculation that he will cut rates soon. The Euro jumped to a new high against the dollar, rising to almost 1,54. After leaving the key rate at six-year high of 4 percent, the ECB revised up its inflation projection for this year to about 2,9%. At the same time the ECB reduced its prediction for growth to about 1,7% for 2008 and 1,8% for 2009.

But why is the ECB reluctant to follow the Fed in lowering rates? While the oil prices drives inflation to a 14-year high of 3,2 percent, the current appreciation of euro against dollar will dampen European export growth. The ECB President emphasised that “maintaining price stability in the medium term is our primary objective in accordance with our mandate”.


Fed Chairman Ben S. Bernanke sharply cut the benchmark lending rate by 225 basis points to 3 percent since August in response to the turmoil in financial markets and to fight a possibly worst economic slowdown. The ECB, based in Frankfurt will keep rates steady, despite the Fed’s recent determined moves. In combination with Fed’s interest rate cuts Congress and the White House even reached an agreement on a stimulus package.

However the ECB is against public spending as a form of economic stimulus. Why? According to the theorem of the ECB there are structural reasons (“rigidities”) which prevent economic growth and cause stagnation and high unemployment. An expansive economic approach, regardless whether fiscal or monetary, is not capable to support economic growth and job market. Therefore Mr. Trichet always closes his introductory statement for his interest rate decisions with some phrases regarding “structural reforms”. Always. Mr. Bernanke expect inflation in the United States to fall as demand eases off during a slowdown. Mr. Trichet, by contrast, doesn’t believe on that notion that inflation automatically falls, when growth goes down. The differences are ideological. That’s why the ECB and its supporters always call for reforms for the job market. To spite empirical evidence the ECB speaks up for making the job market flexible first and then upturning the economic growth. And so Mr. Trichet is against minimum wage legislation. That’s why he always warns form “second-round effects”.

The ECB is surely feeling the slowdown in the United States economy. But Mr. Trichet seems to believe that the European Economy is strong enough to head off the risks of a spillover into the Euro Zone. Actually Europe cannot decouple itself from a possible recession in the United States. The last recession in the United States took place in 2001. Five months later, in May the ECB started easing its benchmark interest rates, despite the inflation rate was running distinct above 2,5 percent. Therefore we expect the ECB to cut its interest rate at the end of the second period, while ECB President doesn’t hint at any interest rate action in the near future.

Freitag, 7. März 2008

Die Erotik der Tapete. Verführung zum Denken

Buchbesprechung:

Ludwig Hasler:Die Erotik der Tapete“. Verführung zum Denken. Verlag Huber, Frauenfeld, 3. Auflage, 2008.

Im Zeitalter der Reality-TV ist kein Sachverstand gefragt. Was zählt, ist die persönliche Einstellung. Expertise ist bloss eine Randerscheinung. Vernünftiges Denken ist Mangelware. Ständig wird im postmodernen Fernsehen der darwinistische Überlebenskampf verherrlicht. Selbst Sex wird als Kommerzware den freien Kräften des Marktes überlassen. So wird nämlich die Promiskuität als Liebe vermarktet. Das Leben ist, was der Fall ist. Wie findet man aber seinen Weg durch die Welt? Wie soll man mit dem Chaos der Existenz zurechtkommen? Durch die Kunst natürlich! Nach Nietzsche ist die Kunst eine würdevolle Rettung. Er nennt es „die künstlerische Entbändigung des Entsetzlichen“.

Durch die Betonung der Kunst geleitet von der praktischen Vernunft gelingt dem Autor bereits in den ersten Seiten des Buches die Aufmerksamkeit des Lesers zu gewinnen. Im Mittelpunkt seiner Essays, die ihren Ursprung in verschiedenen Vorträgen und sonstigen Veröffentlichungen haben, steht immer der Mensch. Die subversive Ironie, die Lesart des Werkes umspannt dabei Europa und die Schweiz, das Privat- und Geschäftsleben des Autors, den wirtschaftlichen und kulturellen Zustand der Gesellschaft. Kurzum beschreibt Hasler auf eindrücklich-witzige Weise den nihilistischen Verfall und die moralische Krise unserer Zeit. Aber er schreibt auch Handlungen vor. Ein dialektischer Angriff auf Ignoranz, Pauschalisierungen und vieles mehr. Eine gute Unterhaltung mit Erkenntnisgewinn. Ludwig Hasler ist Philosoph. Er war Mitglied der Chefredaktion beim „St. Galler Tagblatt“, dann bei der „Weltwoche“. Heute arbeitet er als Publizist, „Weltwoche“-Autor, Hochschuldozent für Philosophie und Medientheorie, Kolumnist bei Fachzeitschriften.

CEZMI DISPINAR

*erschienen in der Ausgabe 191 vom 06. März 2008

Mittwoch, 5. März 2008

China und globale Inflation

In diesen Tagen mangelt es nicht an Hiobsbotschaften. Der Goldpreis erklimmt fast jeden Tag einen neuen Höchststand und liegt nicht weit von psychologisch bemerkenswertem Niveau 1'000 Dollar je Unze. Der Ölpreis hat die 100 Dollar Marke längst geknackt. Rezessionssorgen nehmen zu. Sogar das Stagflationsgespenst kommt wieder auf. Trotz Finanzkrise behält die EZB ihren Leitzins bei 4%. Die amerikanische Konjunkturschwäche hängt wie das Damoklesschwert über den globalen Finanzmärkten. China erlebt die höchste Inflation seit mehr als elf Jahren. Im Januar ist die Inflationsrate auf 7,1% gestiegen. Im Dezember hatte Chinas Teuerungsrate bei 6,5% gelegen. Bei der Eröffnung des Nationalen Volkskongresses gestern in Peking hat Ministerpräsident Wen Jiabao darauf hingewiesen, dass die anhaltende Inflation die grösste wirtschaftliche Gefahr für die Volksrepublik sei. Immer mehr Experte führen seit geraumer Zeit an, dass China sich nun vom Deflations- zum Inflationsexporteur wandele. Da seien westliche Notenbanken gewarnt.

Werfen wir aber vorerst einen Blick auf die Details. Wie stark sich ein Inflationsanstieg in China auf die amerikanische Wirtschaft auswirkt, hängt davon ab, wie gross der Konsumanteil Amerikas an Gütern aus China am US-BIP beträgt. Einfuhren haben einen Anteil von rund 15% am amerikanischen BIP. Davon stammen rund 13% aus China. Das bedeutet, wie zwei Ökonomen (der eine davon von IMFs Beijing Office) in einem Artikel neulich berechnet haben, dass ein Inflationsanstieg um 1% in China zu einem Inflationsanstieg von 0,02 bis 0,03% in den USA führen dürfte. Fazit: Die Lage ist nicht so prekär wie manche Befürchtungen vermuten lassen.

Edelmetalle

Angesichts der zunehmenden Rezessionssorgen suchen Investoren einen sicheren Hafen für ihr Geld und kaufen deswegen Gold, Silber, Platin und Palladium. Der Goldpreis stieg am Montag auf rund 985 Dollar je Unze. Das ist der höchste Stand seit 1980. Platin hat sich seit Jahresbeginn um über 40% verteuert. Das geldpolitische Umfeld scheint die Nachfrage nach Rohstoffen voranzutreiben. Da Fed-Chef Ben Bernanke deutlich gemacht hat, dass er zur Zeit lieber die Zinsen weiter senkt, anstatt die Inflation zu bekämpfen, dürften die Edelmetalle wie Gold, Platin und Palladium als renditeträchtige Anlageklasse immer mehr Aufmerksamkeit der Investoren auf sich ziehen. Amerikanische Anleger investieren derzeit gern in Edelmetalle, um sich gegen die Abwertung des US-Dollars zu schützen. Am Rohstoffmarkt wird traditionell in US-Dollar abgerechnet. Anleger haben die Möglichkeit, sich daran mit Zertifikaten (insbesondere Baskets) und entsprechenden "Exchange Traded Fonds" (ETF) zu beteiligen.

Sonntag, 2. März 2008

Japans Konjunktur und Börse

Die japanische Börse leidet. Der Nikkei-Index hat seit Jahresbeginn um 11% an Wert verloren. Gründe: 1) die konjunkturelle Abkühlung in den USA, 2) die Dollarschwäche. Die japanischen Unternehmen haben einen hohen Gewinnanteil an den USA. Die Yen-Aufwertung belastet v.a. die Ertragskraft der Auto- und Elektrogüterhersteller. Der Yen stand bislang unter einem erheblichen Druck, da viele Spekulanten sich in japanischer Währung günstig verschuldet (d.h. Yen-Short), und die Kredite in höher rentierliche Anlagen in z.B. Australien und Neuseeland investiert haben. Nun werden solche Zinsdifferenzgeschäfte (genannt „Carry-Trades“) infolge der amerikanischen Kredit- und Hypothekenkrise aufgelöst (d.h. Yen-Long). Die Folge: Der Yen wertet sich wieder etwas auf (Aktuell: $/Yen 103,74). Das japanische Exportgeschäft zahlt die Zeche. Denn die künstliche Abwertung des Yen begünstigte bislang die japanischen Ausfuhren. Das ist jetzt die Kehrseite der Medaille. Es stellt sich daher die Frage, wie nachhalting die Erholung der japanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren war. Damit werden mit anderen Worten auch in Japan die Karten neugemischt. Die Opposition, die im Sommer an Stimmen kräftig zulegen konnte, will daher vorzeitige Neuwahlen des Unterhauses durchsetzen.

Fazit: Es drängt sich derzeit kein Engagement in japanischen Aktien.