Samstag, 5. Oktober 2013

Ist Inflation eine Art Default?

In der aktuellen Debatte über die Folgen des „Government Shut Down“ in den USA taucht ein Argument auf, wonach die Inflation nicht anders sei als eine Art Zahlungsausfall (d.h. default). Stimmt es? Natürlich nicht. Es ist eine Irreführung.

In einer Wirtschaft mit einem kredit-basierten Geldsystem existiert fast das ganze Geld als Ergebnis einer einfachen Buchhaltung-Beziehung, schreibt Cullen Roche in einem lesenswerten Blog-Beitrag in Pragmatic Capialism.

Angenommen Sie haben eine grossartige Idee über eine neue Technologie. Sie denken, dass diese Technologie den Lebensstandard verbessern würde, sodass alle sie mögen würden. Wenn Sie keine Mittel zur Herstellung und Vermarktung der neuen Technologie haben, gehen Sie zu Ihrer Hausbank, um einen Kredit aufzunehmen. Die Bank schreibt das Darlehen Ihrem Konto gut, wenn Sie kreditwürdig sind und über entsprechende Sicherheiten (collateral) verfügen.

Was ist jetzt geschehen? Die Geldmenge (money supply) ist gestiegen. Und damit ist Ihre Kaufkraft. Sie gehen jetzt hin und geben Geld aus, um die neue Technologie auszubauen und dann zu verkaufen.

Nehmen wir an, dass Ihre Technologie in ein paar Jahren zu einem grossen Erfolg wird, was das Leben verbessert und die Produktivität für andere erhöht, womit bei selben Arbeitsstunden mehr Güter und Dienstleistungen umgesetzt werden. Mit anderen Worten geht es der Gesellschaft heute wegen Ihrer Technologie besser, trotz des Anstiegs der Geldmenge und der Inflation, die damit einhergeht.

Der springende Punkt ist hier, dass die Verbesserung der Produktivität bei der gleichen Anzahl von Arbeitsstunden uns ermöglicht, mehr Güter und Dienstleistungen zu kaufen. Der Lebensstandard verbessert sich also trotz des Anstiegs der Inflation.



US-BIP (real), Graph: FRED Fed St. Louis Economic Research


In einem kredit-basierten Geldsystem ist der Kredit Geld, betont Roche weiter. Das heisst, dass das Kreditangebot steigt, wie die Wirtschaft wächst. Natürlich ist dieses System zwangsläufig instabil, weil die Wirtschaftssubjekte mehr Kredit aufnehmen wollen, als sie sich leisten können oder andere irrationale Entscheidungen treffen.

Aber auf lange Sicht ist die Wirtschaft im Grunde genommen eine grosse Maschine, die via Kredit Produktivität schafft, wobei mit einem hohen Kreditniveau auch eine höhere Inflation einhergeht. Was wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass die Produktivität und die Output verbessert werden. Es ist also irreführend, zu behaupten, dass die Inflation eine andere Form von default ist.

Kommentare:

zinsfehler hat gesagt…

Diese Behauptung ist vor allem deshalb verwirrend (insbesondere aber auch falsch), weil Inflation kein Systembug ist, sondern das notwendige Feature in einem modernen Kreditgeldstandard. Warum? Weil Geldhortung nichts anderes als fehlende Nachfrage im System ist: http://zinsfehler.wordpress.com/

Martin Hark hat gesagt…

Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich jüngst mit demselben Thema beschäftig. Es stellte sich mir die Frage ob eine hohe Inflation (Hyperinflation) oder eine Deflation schlimmer ist. Betrachtet man die Inflation, so wird man schnell feststellen, dass ein gewisses Maß für die Wirtschaft gesund ist. Steigt diese jedoch über eine gewisse Höhe (Hyperinflation) so ist sie immens bedrohlich. In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben. Je nach Zyklus herrscht entweder eine Inflation oder Deflation vor. Erst der Eingriff seitens der Staaten / Zentralbanken mithilfe der Geldpolitik führt zum ausufern beider Seiten. Die Ursache für eine hohe Inflation (Hyperinflation) wird immer in der Geldpolitik gelegt. Eine normale und gesunde Deflationsphase (Wirtschaftsabschwung) wird in der Regel nicht zugelassen. Die Zentralbanken versuchen diese Phase mit der Geldpolitik zu umgehen. Die daraus resultierende expansive Geldpolitik stellt die Grundlage für eine Hyperinflation dar. Einer sehr hohen Inflationsphase geht somit meist eine Deflationsphase voraus, auch wenn diese durch die expansive Geldpolitik oftmals nicht zu sehen ist. Ob eine jetzt Deflationsphase oder eine hohe Inflationsphase schlimmer ist, kann meiner Meinung nicht eindeutig beantwortet werden. Bei einer Hyperinflation kann ein Neustart (in der Regel ein Währungsneustart) schneller vonstattengehen. Die Auswirkungen finden hierbei in einem sehr kurzen Zeitfenster statt. Das Endergebnis einer Deflation ist meist nichts anderes ... jedoch wird der Crash in der Regel nach hinten verschoben …