Freitag, 16. August 2013

Pathetische Austeritätslüge in Europa

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Die europäische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,3% gewachsen. Die Politiker jubeln. Die Mainstream-Medien Europas erklären das Ende der Double-dip Rezession. Und manche Ökonomen haben die Dreistigkeit, zu verkünden, dass die Austerität funktioniert. 

Christine Lagard, IWF-Chefin und Olli Rehn, EU-Kommissar raten Spanien, die Löhne um 10% zu senken, um damit wettbewerbsfähiger zu werden, wobei sie nicht zur Kenntnis nehmen, dass der Export-Anteil Spanien nicht mehr als 25% des BIP ausmacht.

Rehn, Mitglied der EU-Kommission für Wirtschaft und Währung geht sogar so weit, Spanien zu empfehlen, sich am Beispiel von Irland und Lettland zu orientieren.

Zur Erinnerung: 10% der erwerbstätigen Menschen haben inzwischen Ledttland verlassen, um nie wieder zurückzukommen. Und Lettland hat wegen der Austeritätspolitik fast ein Viertel seines Volkseinkommens verloren. Die "internal devaluation" funktioniert nicht.



Lettland: Erfolgsgeschichte? Mitnichten, Graph: Prof. Paul Krugman

Etwas Wachstum in einem Quartal nach einem schweren Absturz der Wirtschaft ist kein Beweis dafür, dass die Austerität funktioniert.

Sicher, Wachstum ist besser als gar kein Wachstum. Aber was haben die arbeitslose Menschen davon, wenn die Rezession nun für beendet erklärt wird? Das mickrige BIP-Wachstum in der Eurozone bedeutet für 26,4 Millionen arbeitslose Frauen und Männer nicht viel.

Es ist in der Tat pathetisch, wie Paul Krugman in seinem Blog bemerkt, dass europäische Entscheidungsträger ein positives Wachstum in einem Quartal als Rechtfertigung für ihre Austeritätspolitik feiern.

In der Abbildung stellt Krugman die BIP-Entwicklung in Lettland mit dem Verlauf der Wirtschaft in den USA zwischen 1929 und 1935. Ist es nicht Seltsam, dass viele Amerikaner heute denken, als ob sie die Weltwirtschaftskrise von 1935 wieder erleben würden?

Kommentare:

Heinrich Elsigan hat gesagt…

Austeritätspolitik umfasst einen schwammigen unscharfen Bereich.
Ich untergliedere einmal.

In manchen Krisenländern wurde einnahmenseitig gespart. (höhere Steuern)
In anderen wurde ausgabenseitig gespart, aber hauptsächlich in Form von Kürzungen von Sozialleistungen.
In den wenigsten wurden Strukturreformen in der Verwaltung oder im Pensionsystem angegangen.

Ein harmonisches Sparen wäre für mich gewesen, diese 3 Sparmaßnahmen in ausgeglichener Form umzusetzen.

Wir sehen hier die Abgabenquotein Europa.

In Ländern außerhalb des Euro, wie Schweden oder Polen konnte eine Senkung der Abgaben erreicht werden und Schweden ist sicher kein unsozialer neoliberaler Staat.

In vielen Ländern der €-Zone wurde die Abgaben erhöht und damit die Wirtschaft weiter nach unten gedrückt.
In Deutschland blieben sie in der Krise konstant.

Acemaxx-Analytics hat gesagt…

@Heinrich
Dazu ein interessanter Artikel in der NZZ von heute:

Die Mär von Sparmeister Deutschland