Mittwoch, 14. Oktober 2026

Deutschlands Arbeitskosten: Ein Wettbewerbsfähigkeitsmythos?

Eine Volkswirtschaft lässt sich nicht wie ein einzelnes Unternehmen beurteilen

Immer wenn die deutsche Wirtschaft schwächelt, kehren die altbekannten Ratschläge zurück: Die Beschäftigten müssten billiger werden, länger arbeiten und weniger großzügige Arbeitsbedingungen akzeptieren. Friedrich Merz hat mehrfach behauptet, die Arbeitskosten in Deutschland seien zu hoch.

Ein aktuelles Beispiel dafür war am Mittwoch in einer Live-Sendung von Bloomberg TV zu sehen. Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, beklagte sich während eines Interviews in Bangkok über die „hohen Arbeitskosten“ in Deutschland.

Doch ist diese Diagnose ökonomisch gerechtfertigt?

Heiner Flassbeck, ehemaliger Chefvolkswirt der UNCTAD, hält sie für grundsätzlich verfehlt. 

Hier ist eine Übersicht über Deutschlands sektorale Finanzsalden und die grundlegende Identität: 

(S−I) + (T−G) + (M−X) = 0, Graph: KI-gestützt erstellt, 13. Oktober 2026.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Frankreich und Faktencheck: Warum das Business-Fernsehen so hohl wirkt

Die Proteste an den französischen Lycées legen eine fundamentale Doppelmoral offen: Wenn spekulative Banken gerettet werden müssen, fließen mühelos Milliarden öffentlicher Gelder – doch wenn es um Bildung, Infrastruktur und die Zukunft junger Menschen geht, gilt plötzlich das Narrativ vom knappen Staatshaushalt.

Wie die Ökonomin Ann Pettifor treffend argumentiert, ist das Argument „Es ist kein Geld da“ ein Mythos. Es handelt sich nicht um eine ökonomische Zwangslage, sondern um eine bewusste politische Entscheidung zur Absicherung privater Finanzinteressen und zur Durchsetzung von Sparpolitik. 

Wenn Analysten wie Jane Foley (Rabobank) auf Bloomberg TV scharfe Austerität für Frankreich fordern, argumentieren sie nicht aus einer historischen, sozialen oder gar makroökonomisch fundierten Perspektive. Sie sprechen rein aus dem Blickwinkel des Anleihemarktes – und folgen dabei einer ganz eigenen, systemischen Logik:

1. Die Rolle als „Stimme des Kapitals“: Als Devisenstrategin ist es nicht Foleys Aufgabe, das Bildungssystem zu reparieren oder Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Ihr Mandat besteht darin, die Marktlogik abzubilden. Da Frankreichs Defizit über der 3%-Grenze liegt und die Risikoaufschläge (Spreads) gegenüber Bunds steigen, verlangen Investoren Disziplin. Sie spiegelt schlicht die Angst der Märkte wider.


Frankreichs Modell: Der Zuwachs an wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit pro geleistete Arbeitsstunde wurde direkt an die Arbeitnehmer weitergegeben. Das ist das Lehrbuchmodell einer gesunden, nachfrageorientierten Volkswirtschaft, Graph: Heiner Flassbeck, 28 Juli 2026.