Dienstag, 24. Februar 2026

The Global Casino

Buchbesprechung

Ann Pettifor: The Global Casino – How Wall Street Gambles with People and the Planet, Januar 2026, Verso Books, London.


Das ist ein hervorragendes und scharfsinniges Werk, das zweifellos Wellen in der ökonomischen Fachwelt schlägt. 

Es handelt von der Illusion eines „privaten, entstaatlichten (Geld-) Marktes“ à la Hayek, der die Plutokraten der Wall Street und des Silicon Valley stärkt, Ungleichheit beschleunigt und Finanzkriminelle begünstigt. 

Und das Buch zeigt auf, warum das "Global Casino" vor dem Bankrott steht.

Ann Pettifors Timing könnte kaum besser sein: In einer Zeit, in der das globale Finanzsystem zwischen Klimakrise und geopolitischen Spannungen unter Druck steht, liefert sie das dringend benötigte Vokabular für einen Systemwechsel.

Ich habe versucht, den Fokus auf die Verbindung zwischen Geldtheorie, Geschichte und der aktuellen politischen Lage zu legen.

Die Kernbotschaft ist sicherlich: Systemwechsel statt Symptom-Bekämpfung

Ann Pettifor nimmt in ihrem neuesten Werk kein Blatt vor den Mund. Ihr zentrales Argument: Das globale Wirtschaftssystem ist nicht länger mit der Biosphäre und den Grundbedürfnissen der Menschheit vereinbar. 

Sie fordert eine radikale Rückbesinnung auf die Binnennachfrage (domestic demand) anstelle der zerstörerischen Fixierung auf Exportüberschüsse und Überproduktion.

Montag, 16. Februar 2026

Geldtheorie und Geldpolitik

Buchbesprechung

Michael Paetz: Geldtheorie und Geldpolitik - Grundlagen konventioneller und unkonventioneller Massnahmen, Mai 2025, Schäffer & Poeschel Verlag, Stuttgart.


Während klassische Lehrbücher oft noch in der Welt der 1990er Jahre verhaftet sind, liefert Michael Paetz mit seinem neuen Werk eine eindringliche Analyse der heutigen monetären Architektur. 

Das Buch ist deshalb so erkenntnisreich, weil es nicht bei der abstrakten Zinspolitik stehen bleibt, sondern die institutionellen Details beleuchtet, die bestimmen, wie Geld heute tatsächlich fließt.

Ein Highlight des Buches ist die konsequente Nutzung der sektoralen Finanzierungssalden. Paetz zeigt auf, dass Geldtheorie ohne die Buchhaltungslogik der Gesamtwirtschaft nicht funktioniert. 

Er macht deutlich: Wenn der Privatsektor sparen will, muss ein anderer Sektor (der Staat oder das Ausland) sich verschulden. Diese systemische Sichtweise ist essentiell, um die Notwendigkeit staatlicher Defizite und die Rolle der Zentralbank als Stabilisator zu verstehen.


Das "Shadow Banking" und die Endogenität des Geldes:

Paetz bricht mit dem Mythos des Geldmultiplikators. Er erklärt präzise, wie Geschäftsbanken und insbesondere das Schattenbanken-System Geld schöpfen. Die Integration des Schattenbanken-Wesens ist hier besonders "up-to-date", da es die Grenzen zwischen herkömmlichen Banken und anderen Finanzmark-Akteuren verwischt und zeigt, warum die Zentralbank heute als "Market Maker of Last Resort" agieren muss.